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Abgabeboom bei Lockdown-Hunden: „Tierheime sind alle voll“ - Aufnahme-Stopp

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Von: Raffael Scherer

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Im Lockdown auf den Hund gekommen, jetzt will ihn jeder wieder loswerden. Das Ebersberger Tierheim ist bis zum Rand gefüllt, der Bedarf an Auffangplätzen für Hunde enorm.

Ebersberg – „Nelly ist ein toller Hund geworden“, sagt Evelyn Bauer und lächelt. Die Chefin der Tierauffangstation und des Tierschutzvereins in Ebersberg freut sich riesig, dass die Schäferhündin so gut aufgepäppelt werden konnte, seit sie Anfang des Jahres zu ihr kam. „Doch sie ist eben schon 14 Jahre alt“, gibt Bauer zu bedenken.

Ein schwarzer Hund auf der grünen Wiese.
Schäferhündin Nelly nach einem halben Jahr Pflege im Ebersberger Tierheim. Sie hat dort noch einen Platz bekommen. © Tierschutzverein

Lockdown-Tiere: Hundehalter fragen fast täglich nach Plätzen im Tierheim

Das ist ein hohes Alter für einen Schäferhund. Dementsprechend viel Pflege braucht die Hundeseniorin an ihrem Platz im Pflegeheim. Und dieser ist vor allem jetzt zur Ferienzeit für Hunde knapp geworden – genau wie Bauer und ihre Tierheimkollegen bereits befürchtet hatten.

Ein abgemagerter Hund.
Schäferhündin Nelly, als sie im Januar ins Tierheim gebracht wurde. © Tierschutzverein

Seit den vergangenen zwei Wochen rufen fast täglich Hundehalter an und fragen im Tierheim nach freien Plätzen: Die meisten Anrufer hatten sich während der beiden Lockdowns einen Hund gekauft, oft im Internet oder im Ausland, erklärt Bauer.

Abgabeboom bei Lockdown-Hunden: Schlecht erzogen bedeutet schwer zu vermitteln

Jetzt, wo die Tiere für den Urlaub hinderlich werden, glühen die Drähte der Tierheime, um die Tiere wieder loszuwerden. „Wir können keine Hunde mehr aufnehmen und auch die großen Tierheime sind alle voll“, sagt Bauer.

Obendrein seien die meisten im Netz bestellten Hunde schlecht bis gar nicht erzogen, also hören nicht auf Befehle, beißen und sind es nicht gewöhnt, unter Menschen zu sein. „Die Leute bestellen ein Tier nur vom Foto weg und wissen nicht, was sie wirklich kriegen“, sagt sie. Das macht eine Vermittlung der Hunde umso schwieriger. „Ich rate den Anrufern oft, sich an die damaligen Verkäufer zu wenden“, erklärt Bauer. Ansonsten könne sie nur einen Hundetrainer empfehlen.

Lockdown-Haustiere landen im Tierheim: Hunde schwerer zu vermitteln als andere Haustiere

Zumindest versuchen die Menschen bisher auf legale Art und Weise ihre Tiere loszuwerden: „Bei ein paar Fundhunden hatte ich schon befürchtet, dass sie ausgesetzt wurden, aber bisher hat sich immer früher oder später ein Besitzer gemeldet“, erzählt die Tierheimchefin erleichtert. Bei anderen Haustieren, wie etwa Katzen, Meerschweinchen oder Kaninchen, gibt es dagegen überhaupt kein Problem beim Vermitteln – unabhängig von der Pandemie. Das große Corona-bedingte Problem seien einzig und allein die vielen Hunde.

Evelyn Bauer
Evelyn Bauer,  Chefin der Tierauffangstation und des Tierschutzvereins in Ebersberg © SRO

Schäferhunddame Nelly hat zumindest sicher ihren Dauerplatz im Ebersberger Tierheim und genießt ihren Lebensabend. „Kein Vergleich, sie ist eine ganz andere Hündin geworden“, sagt Bauer erleichtert.

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