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Von außen sieht’s schrecklich aus, doch das Ebersberger Hallenbad muss nicht abgerissen werden.

Stadträte haben entschieden

Abriss ist vom Tisch: Ebersberger Hallenbad wird saniert

Ebersberg - Totgesagte leben bekanntlich länger. Das gilt offenbar nicht nur für Persönlichkeiten, sondern im übertragenen Sinne auch für das Ebersberger Hallenbad.

Viel wurde in den vergangenen Monaten geschimpft darüber, in welch desolatem Zustand es sei und dass ein Abriss wohl unumgänglich werde. Der Stadtrat hatte sich schon im Stillen damit angefreundet, einen Neubau in den nächsten Jahren finanziell stemmen zu müssen. Nun heißt es: Alles zurück auf Null.

Gutachten haben ergeben, dass der alte Kasten längst nicht so marode ist wie angenommen. Die Stadt kann und wird das bestehende Bad also sanieren. Das haben die Mitglieder des Technischen Ausschusses im Stadtrat am Dienstagabend erleichtert beschlossen. Damit kommt die Stadt wesentlich günstiger davon als mit einem Abriss und Neubau.

Der Mühldorfer Schwimmbadsachverständige Harald Heise hatte im Rathaus die erste der beiden guten Nachrichten im Gepäck: Die Technik des über 40 Jahre alten Hallenbades ist so schlecht nicht. Zwar ließen Belüftung, Heizung und Sanitäranlagen zu wünschen übrig. Um diese drei Bereiche auf den neuesten Stand zu bringen, rechnet er mit 280 000, 43 000 und 120 000 Euro. Doch das Teuerste an einem Schwimmbad sei immer die Badewassertechnik, erklärte der Fachmann. Und diese sei in Ebersberg „in einem erstaunlich sehr guten Zustand“. Zumindest das 25 Meter lange Hauptbecken mit Hubboden erfülle alle Bestimmungen der modernen Badewasseraufbereitung einwandfrei. Lediglich das zwölf Quadratmeter große Kinderbecken sei in seiner bestehenden Form „eigentlich seit 1983 nicht mehr zulässig“, mahnte der Sachverständige an. Es müsse um eine umlaufende Rinne ergänzt werden, über die das Wasser gereinigt wird. Denn ein Großteil des Drecks werde über die Wasseroberfläche gefiltert. Etwa 120 000 Euro müsse man dafür noch einmal in die Hand nehmen, „dann haben Sie eine moderne Badewasseraufbereitung und die nächsten 20, 25 Jahre erstmal Ruhe“.

Technik und Bausubstanz sind weitgehend in Ordnung

Insgesamt genügen laut Gutachten also 500 000 bis 600 000 Euro, um das Bad technisch umfänglich zu modernisieren. Die zweite gute Nachricht hörten die Stadträten von Ralf Weber, Juniorchef vom gleichnamigen Ingenieurbüro in Ebersberg. Der Baukörper selbst sei ebenfalls nicht so schlecht wie angenommen. Er sehe „keinen Handlungsbedarf hinsichtlich der Chloridbelastungen“ des Stahlbetongerippes. Sicher seien an der einen oder anderen Stelle kleinere Maßnahmen notwendig, aber durch die Teilsanierungen der vergangenen Jahre sei bereits vieles zufriedenstellend erledigt. So wurde beispielsweise die Feuchtigkeit aus dem Keller verbannt oder die Stahlbetondecke aufgefrischt. „Die wesentlichen Schutzmaßnahmen sind schon durch, und das passt jetzt“, sagte Weber. Die Schadstellen an der Außenwand seien eher optischer Natur.

„Wir kommen mit einem blauen Auge davon“, triumphierte Gerd Otter von den Freien Wählern (FW). Zufrieden über die unerwartet gute Wendung in der Akte Hallenbad beschlossen die Stadträte einstimmig, das Bad zu sanieren.

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