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Bauchfrei? Zu kurzer Rock? Dresscode-Zoff an bayerischer Realschule

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Von: Michael Acker

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Baden-Baden
Wie kurz dürfen Rock und Hose sein? Auch diese Frage wird derzeit an der Realschule Ebersberg diskutiert. © Patrick Seeger

Wann ist ein Rock zu kurz, eine Hose zu zerschlissen, ein Bauch zu frei? An der Realschule Ebersberg sorgen diese Fragen derzeit für Zündstoff.

Ebersberg – Der Dresscode wird an der Ebersberger Schule heiß diskutiert, spätestens seit die Temperaturen sommerlicher werden und sich die Schülerinnen und Schüler wieder luftiger kleiden. Die Kleiderordnung wird so heiß diskutiert, dass es sogar Protestaktionen gibt. Schüler sollen sich ihre T-Shirts abgeschnitten haben, um bauchfrei zu sein. Damit wollten sie gegen die Regeln protestieren, die für ihre Mitschülerinnen gelten, was sie als diskriminierend empfinden.

Diskussion um Dresscode an Realschule: Protestaktionen von Schülern

Schulleiter Markus Schmidl bestätigt den Vorfall, will aber von Diskriminierung nichts wissen. Schon seit dem Jahr 2007 existiere eine Hausordnung, die von der ganzen Schulfamilie beschlossen worden sei. Diese lege fest, das „anstößige Kleidung“ nicht erwünscht sei. Das gelte für beide Geschlechter gleichermaßen, betont der Pädagoge, der seit Anfang des Schuljahres das Haus leitet und dort schon seit 1998 unterrichtet.

Markus Schmidl, Schulleiter in Ebersberg.
Markus Schmidl, Schulleiter in Ebersberg. © FKN

Und der aktuelle Anlass? Lehrer hätten sich über die Kleidung einzelner Schülerinnen beklagt, sagt Schmidl, der explizit darauf hinweist, dass seine Schule für eine „weltoffene Gesellschaft“ stehe. Aber, fügt er hinzu, „das Recht des einzelnen hört da auf, wo sich andere gestört fühlen“. In seinem Haus würden auch Menschen mit Migrationshintergrund unterrichtet, es gebe Lehrer aus dem Ausland. Man müsse auf alle Kulturen Rücksicht nehmen, so Schmidl.

Dresscode nur für Mädchen an Schule: Eltern regen sich auf - Wir wurden nicht informiert

Eltern regen sich derweil darüber auf, dass sie über die aktuelle Debatte nicht informiert wurden. „Sonst bekommen wir wegen jeder Kleinigkeit eine Mitteilung“, sagt eine Mutter zur EZ. Sie habe nichts gegen den Dresscode, doch finde sie die Begründung „schwierig“. Dass Lehrer „sexuell erregt“ würden, wenn Mädchen bauchfrei gekleidet seien oder einen zu tiefen Ausschnitt hätten, „das kann doch nicht das Argument sein“, sagt die Mutter. „Ge- und Verbote, die nur Mädchen betreffen, seien nicht zeitgemäß, meint eine andere.

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Markus Schmidl sagt, Schule sei viel mehr als nur eine Einrichtung zur Vermittlung von Lernstoff, Schule sei auch zur Erziehung da, um die Kinder aufs Leben vorzubereiten, dazu gehöre auch Rücksichtnahme. Corona habe den Pädagogen dabei das Leben nicht unbedingt leichter gemacht.

Dresscode an Realschule: Rektor betont - „Schule ist anders als Strand“

Die lange Zeit im Distanzunterricht habe Spuren hinterlassen. Was die Kleidung angeht, sei es eben ein Unterschied, ob man zu Hause im Online-Unterricht sei oder ob man in die Schule zum Präsenzunterricht gehe. „Schule ist anders als Strand“, so der Schulleiter, der die Klassenlehrer aufgefordert hatte, mit den Schülerinnen und Schülern das Thema Dresscode zu besprechen und zu diskutieren. Manche hätten das sogar mit einer Powerpoint-Präsentation getan.

Die aktuelle Aufregung kann Schmidl nicht nachvollziehen. An den Regeln habe sich nämlich überhaupt nichts geändert.

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