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Alles für den Applaus: Circus Feraro zieht weiter durch die Lande

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Von: Raffael Scherer

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Circus Feraro Schlange Otto Schmidt-Feraro
Aaron Schmidt-Feraro und seine Familie kümmern sich um über 40 Tiere. Die Schlangen, hier Otto, sind sehr genügsam. © Stefan Rossmann

Hart gebeutelt von der Corona-Epidemie sind auch die Circusleute. Doch sie geben nicht auf - so wie das Team vom Circus Feraro, der derzeit noch in Ebersberg gastiert.

Ebersberg – Eigentlich trägt Circusdirektor Hermann Schmidt-Feraro immer einen Zylinder. „Aber heute ist es einfach zu heiß“, erklärt der 66-jährige und lüftet bei 32 Grad seinen rot-goldenen Mantel. Die derzeitige Hitzewelle mache es dem Circus Feraro nicht leichter, nach zwei Jahren pandemiebedingter Zwangspause wieder an die früher gewohnten Besucherzahlen heranzukommen, meint er. Trotzdem freue es die Großfamilie Feraro sehr, endlich überhaupt wieder auftreten und durchs Land touren zu können.

„Vom Stehen geht noch mehr kaputt als vom Reisen“, sagt Schmidt-Feraro und deutet im Vorbeigehen auf die dutzenden Fahrzeuge und Container, die rund um das rot-weiße Circuszelt am Volksfestplatz in Ebersberg stehen. Hier ein Dichtungsring spröde, dort ein kaputter Anhänger, all das habe in Kombination mit dem Auftrittsverbot während der Pandemie finanziell deutliche Spuren hinterlassen.

Ohne die Hilfe von Freunden wäre es das Aus für den Familienbetrieb gewesen

„Wir sind ähnlich wie die Gastro die Vergessenen“, so der Circusdirektor. Staatliche Hilfen gab es während der Pandemie quasi keine, Auftrittsmöglichkeiten ebenso wenig, Die Kosten, sowohl für die 26-köpfige Familie selbst wie auch für die rund 40 Tiere, liefen weiter. Von den nun doppelt so hohen Sprit- und Energiekosten wegen des Ukraine-Krieges ganz zu schweigen. Ohne Kredite von Freunden, sowie private Geld- und Futterspenden, hätte die Pandemie den Großfamilienbetrieb den Kragen gekostet, erklärt Schmidt-Feraro, als er bei seinem Sohn Aaron vorbeigeht.

Der kümmert sich gerade um Otto, eine Boa, und Patuga, eine Tigerpython. „Einmal im Monat ein Hase und sie sind zufrieden“, schmunzelt dieser und streichelt die Schlangen. Gleich muss er aber weiter und sich als Clown für die Vorstellung fertig machen. „Bei uns macht keiner nur eine Sache“, kommentiert das Familienoberhaupt zwinkernd seinen Abgang. Ohne fremde Angestellte sorgt die Familie für jeden Handgriff, von der Tierpflege über Reise und Aufbau bis hin zum Plakate aufhängen. „Artist ist man da nur noch nebenbei“, schmunzelt der Circusdirektor.

Am Anfang steht immer der Clown

Vorbei an den dressierten Enten und Tauben spaziert er weiter und winkt Sarah Schmidt-Feraro zu, die sich gerade um die Pferde und Ponys kümmert. „Zum Abbauen, Rüberfahren und alles wieder Aufbauen brauchen wir gerade einmal einen Tag“, erklärt Feraro-Schmidt Senior stolz. Jetzt müsse aber auch er los, die Vorstellung beginnt gleich.

Da kommt Aaron Schmidt-Feraro auch schon wieder als fertig herausgeputzter Clown zum Vorschein und begrüßt mit roter Nase und zu großen Hosen die Besucher. „Früher war ich Luftakrobat, aber mit meinen 41 Jahren bin ich zu alt für sowas“, erklärt er. Doch zum Glück gebe es beim Circus für alle Altersklassen immer etwas zu tun.

„Angefangen wird immer als Clown und dann guckt man, was man machen will“, kommentiert sein Bruder Ramon und klopft ihm schmunzelnd auf die Schulter. Mit seinen 22 Jahren hat Ramon nun seine Rolle an der Straparte, den in der Luft hängenden Bändern, eingenommen.

Aber auch Ramon erinnert sich noch gut an seine Anfänge als Clown: Wie die Hühner würden die Unerfahrenen dann einfach den Profis hinterherlaufen und sie nachahmen.

Irgendwann wüssten sie dann worauf es ankommt, wenn man die Zuschauer, vor allem die Kinder, zum Lachen bringen will. „Es klingt wie ein Klischee aber Applaus ist wirklich das Brot des Künstlers“, stimmt ihm Clown Aaron zu. Da ertönt aus dem Zelt ein Trommelwirbel und Circusdirektor Hermann begrüßt das Publikum im Familiencircus Feraro. Nun aber schnell ab hinter die Bühne.

Am 20. Juni spielt der Circus Feraro zum letzten Mal in dieser Saison um 15 Uhr am Volksfestplatz in Ebersberg. Dann wird abgebaut und nach Aßling umgezogen. Dort bietet der Familiencircus dann am kleinen Bahnhof am Freitag um 18, Samstag, Sonntag und Montag um jeweils 15 Uhr sein Programm an.

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