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Vor 20 Jahren: Als der Euro in den Landkreis kam

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Von: Jörg Domke

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Starter-Kits mit Euro-Münzen
Begehrt waren die Euro-Starterkits vor der Einführung der Währung am 1. Januar 2002. © Gero Breloer/dpa

Aus zwei Mark wurde ein Euro. Vor genau 20 Jahren wurde in fast allen Ländern der EU neues Geld in Umlauf gebracht. Ein Geschäftsmann, ein Banker und ein Kämmerer erinnern sich an den Jahresbeginn 2002.

Landkreis – „Ich hatte richtig Schiss“. Alois Rupprich, inzwischen Ruheständler aus Markt Schwaben, macht dieser Tage keinen Hehl daraus, dass der Jahreswechsel 2001 auf 2002 für ihn mit Emotionen verbunden war.

Damals, vor genau 20 Jahren, war er der Chef eines Raumausstattungsgeschäftes in der Ebersberger Straße in Markt Schwaben, das inzwischen der Nachwuchs übernommen hat. Schon Wochen vor dem Jahreswechsel tobten in ihm die wildesten Gedanken. Wird das alles klappen? Klappen mit der Umstellung der D-Mark auf den Euro? Zwölf der 15 EU-Mitgliedsstaaten, darunter die Bundesrepublik, waren beteiligt.

Heute, genau zwei Jahrzehnte später, scheint es so, als müsse der inzwischen 68-Jährige ob seiner riesigen Bedenken damals über sich selber lachen. Es klappte alles. Die EDV im Laden machte keine Probleme, das noch lange nicht digitalisierte Kassensystem ebenso wenig.

Rupprich
Alois Rupprich hatte „richtig Schiss“ © dul

Aber was ist mit dem Wechselgeld, wenn die Kunden am ersten Öffnungstag 2002 mit ihren großen Scheinen kommen? Rupprich erinnert sich: „Ich hatte versucht, rechtzeitig bei einer örtlichen Bank ausreichend Hartgeld zu bekommen. Doch auf die Mengen waren sie nicht vorbereitet.“

Rupprich, damals wie heute im Vorstand der örtlichen Unternehmervereinigung, beschaffte sich sein Wechselgeld bei der Vereinsbank-Zentrale in München am Arabellapark. Mit einer Übergabe in der Tiefgarage und so, dass es dort sogar mit einer Schubkarre zu seinem Kleintransporter geschoben werden musste. Um welche Summe es sich einst handelte? Rupprich weiß es nicht mehr. Besser, sagt er, man rede in Kilogramm. Um die 50 kg seien es nach seiner Schätzung wohl gewesen.

Das, was Rupprich „Schiss“ nennt, brachte ihm zumindest damals Kopfschütteln im engeren Familienkreis ein. Dabei hatte seine Mutter Sofie, die bis 1975 noch im Laden stand, immer wieder gepredigt, den Ball flach zu halten. 1919 kam sie zur Welt, hatte Währungsreformen also schon mehrfach erlebt. Und sie sollte mit ihrer Gelassenheit auch diesmal Recht behalten.

Das mit den 50 Kilo Wechselgeld sei natürlich ein überflüssiger Schmarrn gewesen, gesteht Rupprich rückblickend. Und auch sonst verlief die Euro-Einführung überraschend reibungslos. Bei ihm, und auch bei den allermeisten Kollegen im Handel, wie er annimmt. Ware im Laden wurde nicht nur bei Rupprichs doppelt ausgezeichnet. Anfangs hatten die Kunden die Möglichkeit, entweder in D-Mark oder in Euro zu zahlen. Dem Kassenpersonal standen kleine, abgespeckte Taschenrechner bzw. Tabellen zur Verfügung, die schnell umrechneten, was umzurechnen war.

Eine Zahl, die fast jeder irgendwie zumindest halbwegs im Kopf hatte, war die 1,95583. So viel D-Mark wurden zu einem Euro. Dabei hatte es wir Deutschen noch recht leicht. Im Kopf rechnete jeder „Pi mal Daumen“ 2:1 um. Bei den Nachbarn in Österreich waren da schon mehr mathematische Anstrengungen nötig: 13,7603 Schilling wurden über Nacht zu einem Euro. Es habe, gesteht Rupprich, bei ihm eine Weile gedauert, bis die Währungsumstellung auch im Kopf abgeschlossen war.

Brandhuber
Oliver Brandhuber hatte als Banker schon lange mit dem Euro zu tun. © RB Zorneding

Mit diesem Eingeständnis ist er nicht alleine. Oliver Brandhuber, Vorstand bei der Raiffeisenbank Zorneding, schränkt jedoch ein, als Banker damals einen gewissen Vorteil gegenüber anderen gehabt zu haben. „Wir haben uns natürlich dienstlich schon früh mit dem Thema Euro befasst.“

Damals war Brandhuber 33 Jahre alt, Prokurist und Abteilungsleiter in Zorneding. Und damit jemand, der nicht unmittelbar mit dem Euro-Start befasst war. Gut in Erinnerung geblieben ist ihm jedoch das sogenannte Starter-Kit: Die ersten Münzen wurden ab dem 17. Dezember 2001 in Tütchen eingeschweißt abgegeben, Handel und Banken konnten diese sogar früher erhalten. Geltung als Zahlungsmittel erhielten sie, wie alle anderen Euromünzen und -scheine auch, aber erst am 1. Januar 2002.

Im unbeschädigten Zustand werden diese Plastiksäckchen übrigens inzwischen unter Sammlern um das Vielfache des eigentlichen Werts gehandelt. Immerhin: Brandhuber hat sich so ein Päckchen aufgehoben. Und weiß, anders als der Autor dieser Zeilen, noch, wo er es 20 Jahre lang aufbewahrt hat.

Auch aus Sicht eines Bankers sei die Euro-Einführung damals übrigens relativ reibungslos verlaufen, so der 53-Jährige. Am 1. Januar bekam, so wie es geplant war, jeder Kunde am Automaten schon am frühen Vormittag erstmals die brandneuen Scheine direkt zu fühlen. Während quasi über Nacht in den Rechenzentren die Kundenkonten entsprechend umgestellt wurden. 1,95583 D-Mark für einen Euro.

Georg Söhn
Viel Mehrarbeit hat der Euro in der Kämmerei verursacht, berichtet Georg Söhn. © J. Dziemballa

Besonderen Aufwand gab es in den Stadt- und Gemeindekämmereien zu leisten, erinnert sich Georg Söhn, der damals der Finanzchef im Markt Schwabener Rathaus war. Den Haushalt 2002 habe man im Laufe des Jahres 2001 noch in D-Mark geschrieben, so Söhn. Und dann später in die neue Währung umgerechnet. Mehrarbeit habe der Euro verursacht, als es um die Umstellung von Beträgen in Satzungen oder um Gebühren ging. Teils seien hier aus rechtlichen Gründen ganz neue Beschlüsse erforderlich geworden. Das habe bis zur endgültigen Umsetzung mitunter Monate gedauert. Ebenso arbeitsaufwendig war die Ausgabe von neuen Bescheiden für Wasser, Kanal oder Müll, die Grund- und Gewerbesteuern oder die Hundesteuer. Söhn gesteht: „Es hat lange gedauert, bis die D-Mark aus dem Geiste verschwunden war.“

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