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Lange Zeit stritt der 27-jährige Iraker alles ab, zum Schluss gestand er die Körperverletzung aber doch und wurde verurteilt.

Landsmann niedergeschlagen - Täter mit Prozesserfahrung

Streit wegen offenen Fensters landet vor Gericht

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Richterin Vera Hörauf ist sauer. „Benehmen Sie sich“, schmettert sie dem 27 Jahre alten Mann auf der Anklagebank entgegen, den sie soeben verurteilt hat.

Ebersberg –  „Ich will Sie hier nie wieder sehen, es ist die letzte Warnung“, sagt Hörauf.

Die Geduld der Ebersberger Amtsrichterin ist am Ende. Denn der Iraker, ein Asylbewerber, ist nicht das erste mal vor Gericht. Wegen gefährlicher Körperverletzung hatte ihn die Richterin im vergangenen Jahr zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten verurteilt. Mit einem Messer oder einer Gabel – das hatte sich im Prozess damals nicht genau bestimmen lassen – hatte er einen anderen Asylbewerber in einer Poinger Gemeinschaftsunterkunft in die Hand gestochen. Wegen Diebstahls musste er sich außerdem vor dem Amtsgericht München verantworten.

Eigentlich hätte sich der 27-Jährige aus dem Landkreis damit nichts mehr zuschulden kommen lassen dürfen, seine Bewährungszeit liegt bei drei Jahren. Eigentlich. Doch im November 2017 brannten ihm die Sicherungen durch und er schlug einen Landsmann, seinen Mitbewohner, in seinem Zimmer mit der Faust zu Boden.

Lange Zeit streitet der 27-Jährige im Prozess das ab. „Ich habe ihn nicht geschlagen“, sagt er. Das Opfer habe sich die Verletzungen selbst zugefügt, den Kopf gegen einen Schrank und den Fußboden geschlagen. Er sei betrunken gewesen. Doch diese Geschichte kommt bei niemandem im Gerichtssaal gut an. Nur, wenn der Angeklagte geständig ist, mahnt der Staatsanwalt, könne er davon absehen, eine Freiheitsstrafe zu fordern und doch noch eine Geldstrafe in Betracht ziehen. Als allerletzte Chance. Im Zuge der Bewährungszeit steht der Iraker zu diesem Zeitpunkt mit mehr als einem Bein im Gefängnis.

Sein Strafverteidiger Florian Alte nimmt sich seinen Mandanten zur Brust, verlangt eine Unterbrechung und geht mit ihm und dem Dolmetscher aus dem Gerichtssaal. Die Worte des Juristen zeigen Wirkung: „Ja, ich habe ihn geschlagen“, gesteht der Iraker, als er sich wieder auf die Anklagebank setzt. Er habe sich provoziert gefühlt. Er sei nachts von der Arbeit heimgekommen und wollte sich duschen. Sein Mitbewohner, das Opfer, sei in diesem Moment betrunken ins Zimmer gekommen und habe das Fenster aufgerissen. „Mir war kalt“, sagte der Angeklagte. Es kam zum Wortgefecht der beiden, das Opfer habe ihn in betrunkenem Zustand verärgert, sodass er dann „zugeschlagen“ hat. Nach der Tat habe er sich entschuldigt. Heute sind beide wieder „Freunde“, wie das Opfer gleich zu Beginn seiner Aussage klarstellt.

Der Staatsanwalt fordert 150 Tagessätze, was Richterin Hörauf als angemessen empfindet und ihn dazu verurteilt. „Das nächste Mal landen Sie im Knast“, sagt sie zu dem Mann. Der nickt.

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