Keine Einsicht

Bewährungsversager (22) muss wegen Drogendeals hinter Gitter

Ebersberg/Poing - An ihm verzweifeln alle. Weil er keine Bewährungsauflage erfüllte, wandert ein 22-Jähriger aus Poing wegen Marihuana-Handels für ein Jahr ins Gefängnis. 

Eigentlich ist Sven Kautz dafür bekannt, dem Gericht konkrete Vorschläge zu liefern. Doch bei diesem Fall kann der Jugendgerichtshelfer in Ebersberg nur noch den Kopf schütteln. Weil ein 22-Jähriger aus Poing keiner seiner Bewährungsauflagen eines Urteils von 2015 nachkam, wurde am Amtsgericht Ebersberg nachverhandelt. Am Ende gab es ein neues Urteil: ein Jahr Jugendstrafe, ohne Bewährung.

Im Oktober 2015 stand der Angeklagte wegen Handels mit und Besitz von Marihuana und einer verbotenen Kräutermischung vor Gericht.  Der 22-Jährige bekam nach Jugendstrafrecht eine Bewährungszeit von zwei Jahren und musste einige Auflagen erfüllen. Bis heute sei von diesen Auflagen faktisch nichts umgesetzt worden, stellte Richterin Vera Hörauf genervt fest. Weder sei der Angeklagte regelmäßig zu Beratungsgesprächen erschienen, noch habe er eine Entgiftungstherapie abgeschlossen. Die Zusammenarbeit mit der Bewährungshelferin sei nicht gut verlaufen. Außerdem habe der Poinger erneut Drogen konsumiert; eine Urinprobe habe das bestätigt.

Richterin: „So etwas Freches habe ich selten erlebt.“

Die Sozialprognose für den 22-Jährigen ist nach Ansicht von Staatsanwaltschaft und Gericht schlecht. Eine Ausbildung zum Koch klappte nicht, eine weitere Ausbildung im Handwerksbetrieb seines Vaters scheint ebenfalls zu scheitern. Derzeit ist der Angeklagte „freigestellt“; er wird von den Eltern finanziert. Wegen Diebstahls, Sachbeschädigung, Bedrohung, Körperverletzung und Drogenbesitzes wurde der Poinger bereits vor Jahren verurteilt. Beim Prozess 2015 kam der 22-Jährige dann mit einem blauen Auge davon. „Sie hatten Ihre Chance“, sagte Richterin Hörauf bei der Verhandlung am Montag. Passiert sei aber nichts. Und: „So etwas Freches habe ich selten erlebt.“

Auch der Strafverteidiger resignierte am Verhalten seines Mandanten. Mehrmals habe dieser den Poinger im vergangenen Jahr aufgefordert, die gerichtlichen Auflagen zu erfüllen. Dieser habe sich aber nicht gemeldet. Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, jetzt „endlich mal was zu machen“ und eine Therapie beginnen zu wollen. Er betonte zudem, „psychische Probleme“ zu haben. Doch für Richterin Hörauf reichten die Versprechen des 22-Jährigen dieses Mal nicht mehr, ihre Geduld war am Ende. Trotz genug „helfender Hände“ habe der Angeklagte keine Angebote angenommen. Die Richterin kam der Forderung der Staatsanwaltschaft nach. Jetzt muss der junge Bewährungsversager hinter Gitter. 

Von Christoph Hollender

Rubriklistenbild: © dpa

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