22-jähriger Drogenkonsument vor dem Amtsgericht

Kiffer prügelt Steinhöringer auf Bahngleis

Ebersberg - Drogen und Alkohol, diese Mischung ließ alle Hemmungen fallen. Ein 22-Jähriger ging am Grafinger Bahnhof brutal auf zwei Passanten los. Es war nicht seine erste Tat.

Ein unscheinbarer junger Mann nahm am Montagmorgen Platz auf der Anklagebank des Ebersberger Amtsgerichts. Schlaksig, adrett frisiert und glatt rasiert, Jeans, Turnschuhe. Ein Normalo, könnte man sagen. Doch die Verhandlung zeigte: die Vorgeschichte des 22-Jährigen ist nicht normal.

Im Marihuana- und Alkoholrausch hatte der Mann, der in Vaterstetten aufwuchs, einen Steinhöringer (21) und dessen Freundin angegangen. Der Angeklagte hatte die beiden im Mai 2015 am Grafinger S-Bahnsteig grundlos angepöbelt und attackiert.

Schläge, Tritte, Nasenbruch

Dem Steinhöringer brach er die Nase und prügelte so hart auf ihn ein, dass dieser rückwärts ins Gleisbett stürzte. Die Freundin des Angestellten riss er zu Boden und traktierte sie mit Schlägen und Tritten. Der junge Mann war geständig. Dass er dazu zweimal in der S-Bahn beim Schwarzfahren erwischt worden war, geriet bei der Verhandlung zur Nebensache.

Soweit so schlimm. Doch bevor der Prozess überhaupt beginnen konnte, war einiges an Vorarbeit nötig: Anderthalb Stunden lang berieten Richterin, Schöffen, Staatsanwältin, Verteidiger und Jugendgerichtshelfer darüber, ob das Verfahren mit weiteren Prozessen zusammengefasst werden sollte.

Vorbestraft und mehrfach angeklagt

Der 22-Jährige, der keinen festen Wohnsitz hat und als ungelernte Putzhilfe jobbt, hat noch zwei weitere Anklagen gegen sich laufen – er hatte öffentlich mit einer Gaspistole herumgeballert und war mit Drogen erwischt worden.

Außerdem war er erst im August vor dem Ebersberger Amtsgericht zu vier Wochen Arrest verurteilt worden, weil er im Streit um ein Auto seinen eigenen Onkel auf einem Vaterstettener Supermarktparkplatz verprügelt hatte.

Vorbestraft ist der 22-Jährige aus drei weiteren Prozessen wegen Leistungserschleichung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz sowie Körperverletzung und Beleidigung.

„Zwei bis drei Gramm Marihuana am Tag, das ist das Minimum“

Schuld an der Misere ist der massive Drogenkonsum des Mannes, zu diesem Schluss kamen Richterin Vera Hörauf und die beiden Schöffen. „Zwei bis drei Gramm Marihuana am Tag, das ist das Minimum“, gestand der Angeklagte freimütig, häufig viel, viel mehr. Mit zwölf ging das los, seit dem 16. Lebensjahr konsumiert er regelmäßig – bis heute. Dazu hin und wieder Kokain, am Wochenende Whisky, Wodka, Bier.

Jugendgerichtshelfer Sven Kautz bescheinigte dem Angeklagten „ein völlig desolates Familienumfeld“, der Drogenkonsum sei ihm von Mutter und Stiefvater vorgelebt worden. „Abartig“, fand Verteidiger Florian Alte, dass sein Mandant als Kind Zeuge des Heroinkonsums seines Stiefvaters wurde.

Keine Bewährung, aber trotzdem noch eine Chance

Vor einer Gefängnisstrafe rettete den Angeklagten diese Vorgeschichte aber nicht: Das Schöffengericht verurteilte ihn nach Jugendstrafrecht zu elf Monaten Haft ohne Bewährung. „Extremst gefährlich“, nannte Hörauf die Attacke des 22-Jährigen auf den Steinhöringer. Dieser hätte schwer am Kopf verletzt oder von einem einfahrenden Zug erfasst werden können.

Eine Chance hat der Verurteilte trotzdem noch, dem Gefängnis zu entgehen: Absolviert er eine erfolgreiche Drogentherapie, kann ihm diese auf seine Haftzeit angerechnet und die Strafe nach zwei Dritteln zur Bewährung ausgesetzt werden.

Josef Ametsbichler und Rosa Pfluger

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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