Amtsgericht Ebersberg

Wodkaflaschen-Streit endet blutig

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Landkreis - Der Streit um eine Wodkaflasche endete blutig. Was sich aber im Februar 2015 in einer Wohnung im südlichen Landkreis genau abgespielt hat, ließ sich vor Gericht nicht mehr rekonstruieren. Am Ende stand trotzdem eine Verurteilung.

Dem Angeklagten Johann T. (39) wurde vor dem Amtsgericht zur Last gelegt, er habe seine Lebensgefährtin Angelika P. (43, alle Namen geändert) mit einer Flasche derart auf den Kopf geschlagen, dass die in „tausend Scherben“ zersprungen sei. Die Folge sei eine stark blutende Wunde gewesen, die in der Kreisklinik behandelt werden musste. Dort kam auch gleich der Verdacht auf, dass die Verletzung vom Schlag mit einer Flasche herrühren könnte.

Der Angeklagte und seine Partnerin waren zum Tatzeitpunkt schwer alkoholabhängig, er und sie sind beide arbeitslos, Johann T. lebt aktuell von Hartz IV, was bei der Strafzumessung eine Rolle spielen sollte. Außerdem wohnt er wieder bei seinen Eltern. Die Zeugin zeigte vor Gericht keinen Belastungseifer. Im Gegenteil: Sie schilderte ihren Zustand in der Tatnacht so, dass sie schwer betrunken gewesen sei und berichtete von einem Sturz in der Wohnung, bei dem sie einen Schaltknopf vom Fernseher abgerissen habe.

Den Streit um die Wodkaflasche schilderten beide übereinstimmen, wobei es der Zeugin „um den letzten Schluck“ gegangen sei, dem Angeklagten vielmehr darum, dass in der Flasche noch was drinbleiben sollte fürs „Frühstück“ am nächsten Morgen.

Tatsächlich fand die Polizei in der Wohnung die Scherben einer Bierflasche der Marke Oettinger. Ob sie bei der Tat eine Rolle spielte, konnte nicht zweifelsfrei geklärt werden, was dem Beklagten in dem Anklagepunkt „gefährliche Körperverletzung“ einen Freispruch einbrachte.

Verurteilt wurde der 39-Jährige trotzdem – und zwar wegen Unterschlagung. Er hatte nämlich an einem S-Bahnhof ein billiges Handy gefunden und das seiner Partnerin zum Geburtstagsgeschenk gemacht. Dazu tischte er ihr eine Räuberpistole auf, dass das Telefon gewissermaßen die Beute aus einer wüsten Schlägerei gewesen sei.

„Der wollte sich vor mir profilieren“, ist der Zeugin heute klar. Sie gab das Mobiltelefon ein paar Tage später bei der Polizei ab. Richterin Vera Hörauf erkannte in dem vom Angeklagten freimütig eingeräumten Handeln jedoch den Tatbestand der Unterschlagung.

Bei der Urteilsfindung spielte zwar das Geständnis von Johann T. einer Rolle aber ebenso seine fünf Voreintragungen, die er überwiegend einschlägig wegen Diebstahls kassiert hatte und die noch nicht so lange zurück liegen. Hörauf verurteilte den Angeklagten zu 90 Tagessätzen a 15 Euro. „Das ist der Satz für Hartz IV-Bezieher“, sagte sie. Zudem muss Johann B. die Kosten dieses Teils des Verfahrens bezahlen. Die Zeugin und der Verurteilte verließen zusammen den Gerichtssaal, nicht ohne dass sich Johann T. vorher bei Richterin Hörauf erkundigte, ob er jetzt vorbestraft sei. Eine Frage, mit der die Vorsitzende angesichts der Voreintragungen des Angeklagten nicht sofort etwas anfangen konnte.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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