Antrag der SPD-Kreistagsfraktion

Steigt Ebersberg beim Frauenhaus aus?

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Die Ebersberger Kreis-SPD denkt laut über ein eigenes Frauenhaus nach – nicht nur wegen des gestiegenen Bedarfs, sondern auch wegen des Verhaltens des Erdinger Landrats Martin Bayerstorfer (CSU). In acht Tagen übernimmt das BRK die Trägerschaft über das Erdinger Frauenhaus.

Erding/Ebersberg – 25 Jahre lang hat der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) aus München das Erdinger Frauenhaus geführt. 2017 kündigte Landrat Martin Bayerstorfer (CSU) den Vertrag, der zum 28. Februar dieses Jahres ausläuft. Als Gründe nannte er den Rückzug des Landkreises Freising als Mit-Zahler sowie den seit Jahren steigenden Zuschussbedarf des SkF. Als neuer Träger bekam der Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) den Zuschlag. Er übernimmt den Betrieb in einer Woche.

Als weiterer Finanzier bleibt der Landkreis Ebersberg mit im Boot, wie der dortige Kreistag unlängst entschieden hat. Dafür bekommt er Belegungsrechte. Dieser Vertrag gilt laut Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer vorerst für die nächsten vier Jahre.

Doch ob jetzt dauerhaft Ruhe in die emotional aufgeladene Debatte kommt, muss bezweifelt werden, denn die Ebersberger SPD ist mit dem Angebot nicht zufrieden und fordert eine Ausweitung der Hilfen für weibliche Opfer häuslicher Gewalt. Sogar Aufbau und Betrieb eines eigenen Frauenhauses sind im Gespräch. Das hätte zur Folge, dass der Kreis Erding sein Frauenhaus alleine tragen – und folglich auch finanzieren müsste.

BRK plant neues Sicherheitskonzept

Hintergrund der Ebersberger Überlegungen sind die galoppierenden Zahlen häuslicher Gewalt. Laut Kreis-SPD meldeten sich im Jahr 2015 156 Frauen wegen häuslicher Gewalt beim Frauennotruf Ebersberg. 2017 seien mit 337 Fällen mehr als doppelt so viele Anzeigen registriert worden. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen.

Die Kreistagsfraktion der Sozialdemokraten beantragt bei Landrat Robert Niedergesäß (CSU) deshalb die Errichtung weiterer Frauenhausplätze sowie die Schaffung zusätzlicher Übergangs- und Notwohnungen für von Gewalt betroffene Frauen. Bislang stehen im Frauenhaus Erding für die Landkreise Erding und Ebersberg gerade einmal fünf Plätze zur Verfügung. „Deutlich zu wenig für den gestiegenen Bedarf“, so die SPD.

Nicht nur das: Die Fraktion kritisiert die Alleingänge des Erdinger Landrats Bayerstorfer im Zuge der höchst umstrittenen SkF-Kündigung. Der Landkreis Ebersberg sei in die Entscheidungsprozesse zu Kündigung und Neuausschreibung der Trägerschaft des Frauenhauses mangelhaft eingebunden worden. Jetzt „muss dringend sichergestellt werden“, dass Frauen und Kindern im Landkreis Ebersberg jederzeit ein passendes Hilfsangebot zur Verfügung stehe, das nicht von Entscheidungen anderer abhänge. Deshalb soll der Landkreis Ebersberg „die Dinge selbst in die Hand nehmen und eigenständig reagieren“. Fraktionssprecher Albert Hingerl erklärt dazu jedoch, „dass wir nicht unbedingt ein neues Frauenhaus bauen müssen“. Hingerl kann sich dazu den Standort Poing vorstellen. Dort ist er Bürgermeister.

Derweil ist das Erdinger BRK für die Übernahme des Frauenhauses gerüstet. Pressesprecherin Danuta Pfanzelt erklärt auf Anfrage unserer Zeitung, dass die Übergabe ans BRK am Mittwoch kommender Woche stattfinde. „Dazu haben wir zwei Sozialarbeiterinnen und eine Erzieherin angestellt. Damit erfüllen wir den geforderten Personalschlüssel“, so Pfanzelt. Das Konzept stehe schon länger.

Mit dem Landratsamt entwickle das BRK einen Sicherheitsplan. „Wir wollen Licht-Bewegungsmelder und eine Video-Klingelanlage zum Schutz der Frauen vor ungebetenem Besuch installieren“, kündigt die Sprecherin an. Dank der Interventionsstelle verfüge man bereits über ein Netzwerk mit staatlichen Stellen. „Unser großer Wunsch ist, dass das Thema häusliche Gewalt endlich enttabuisiert wird. Keine Frau soll sich deswegen schämen müssen,“ so Pfanzelt.

Von Hans Moritz
und Robert Langer

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