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Ein Frührentner (54) aus Anzing ist zum wiederholten Mal wegen Beleidigung verurteilt worden.

aus dem gerichtssaal 

Roller-Rüpel muss zahlen

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Einen Fahranfänger beleidigt und auf die Windschutzscheibe seines Autos gespuckt: Wegen dieses Ausrasters ist ein Frührentner aus Anzing jetzt verurteilt worden. Es war nicht das erste Mal, dass der 54-Jährige vor Gericht stand. Meistens wegen Beleidigung.

Anzing – Unbelehrbar scheint ein 54-jähriger Frührentner aus Anzing zu sein. 14 Vorstrafen hatte Harald K. (Name geändert) bereits gesammelt, nun kam am Amtsgericht Ebersberg Nummer 15 hinzu. Nicht zum ersten Mal lautete das Urteil auf Beleidigung.

Richterin Vera Hörauf sah es am Ende der Verhandlung als erwiesen an, dass der Angeklagte von seinem Motorroller aus einen Fahranfänger aus Forstinning als „Deppen“ beschimpft und ihm auf die Windschutzscheibe gespuckt hatte. Das 20-jährige Opfer hatte nach dem Vorfall im September 2016 die Polizei gerufen.

K. habe ihn im Anzinger Gewerbepark zuerst rechts überholt, sagte der junge Mann aus. Dann, an einer roten Ampel, habe sich der Rentner mit seinem Motorroller schräg neben das Auto des Forstinningers gestellt. „Eine schöne Hupe hast Du da, hast Du die zum Geburtstag gekriegt?“, habe der Mann ihm durchs geschlossene Autofenster zugeschrien, gefolgt von der Beleidigung und der Spuck-Attacke. Dann seien Täter und Opfer in verschiedene Richtungen weitergefahren. „Eigentlich ist das mit der Anzeige ein Schmarrn gewesen“, bekannte der 20-Jährige bei seiner Aussage. Er sei nur momentan von dem Vorfall so erschrocken und verärgert gewesen, dass er zur Polizei gegangen sei. Die Staatsanwaltschaft war offenbar anderer Ansicht und brachte den Fall vor Gericht.

Dort räumte der Angeklagte ein, dass der Satz mit der Hupe gefallen war, stellte sich jedoch als Opfer dar. Der Forstinninger sei viel zu dicht auf ihn aufgefahren und habe aggressiv gehupt – einen Vorwurf, den der Fahranfänger vehement bestritt. Eine Gegenanzeige des Rentners läuft derzeit.

„Vielleicht war ich ihm zu langsam“, mutmaßte der 54-Jährige während der Verhandlung. Beleidigt habe er seinen Kontrahenten jedoch nicht, und schon gar nicht dessen Windschutzscheibe bespuckt. „Ich bin direkt neben der Fahrertür gestanden, da hätte ich ja im hohen Bogen spucken müssen“, erklärte der Angeklagte.

Die Richterin überzeugte das nicht. „Warum hätte er das mit dem Spucken und der Beleidigung dazuerfinden sollen?“, sinnierte sie über die Zeugenaussage des Opfers. Diese sei glaubwürdig und ohne großen Belastungseifer erfolgt. Hörauf reichte das für eine Verurteilung.

Angesichts der bis dato 14 Vorstrafen, die Harald K. in seinem Register stehen hat – neben Beleidigungen mehrfach Körperverletzung und sexuelle Nötigung sowie Diebstähle – fiel die verhängte Geldstrafe deftig aus: 120 Tagessätze zu je 20 Euro, macht insgesamt 2400 Euro. (Vor-)Strafe Nummer 15.

Da half es auch nichts mehr, dass K.s Verteidiger ein medizinisches Gutachten anführte, wonach sein Mandant wegen einer Kopfverletzung zu Kurzschlusshandlungen neige und deshalb vermindert schuldfähig sei.

Harald K., der aktuell schon 200 Euro monatliche Raten Geldstrafen aus anderen Verfahren berappen muss, bekam von Amtsrichterin Vera Hörauf eine deutliche Warnung mit auf den Weg, für den Fall, dass er ein weiteres Mal auf der Anklagebank landen sollte: „Die Geldstrafe ist ein sehr gutes Angebot. Eine Freiheitsstrafe wird auf alle Fälle das Nächste sein.“

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