Er war im Landkreis Ebersberg aktiv

Asylbewerber mit Drogen beliefert: Nigerianer (48) muss ins Gefängnis

Er galt als eine der „sprudelsten Quellen“, der Asylbewerber mit Drogen versorgte: Jetzt stand der Nigerianer Kelechi E. (48) vor Gericht. Von ihm gibt es erst einmal nichts mehr.

Ebersberg – Laut der von Staatsanwältin Nina Wittig vertretenen Anklage betrieb der Nigerianer – in der Drogenszene als „Tony“ bekannt – zumindest seit Mitte 2015 einen schwunghaften Handel mit Marihuana und Kokain. So belieferte er ein in Landshut untergebrachtes Quartett, das sich als Drogenbande zusammengeschlossen hatte, im Zeitraum von August bis November 2015 mit insgesamt 1,8 Kilogramm Marihuana zum Grammpreis von sechs Euro und in einem Fall auch mit 200 Gramm Kokain für 7000 Euro. Das Gras wurde teilweise auch an minderjährige Jugendliche verkauft. Die vier Bandenmitglieder wurden inzwischen zu massiven Freiheitsstrafen zwischen fünf und acht Jahren verurteilt.

Schwerpunkt der Lieferungen waren allerdings Unterkünfte in Ebersberg und Kirchseeon. So lieferte die Kölnerin Kurierin am 19. Januar 2016 in einem Koffer versteckt insgesamt drei Kilogramm Marihuana in einer Ebersberger Asylbewerber-Unterkunft ab und wurde da für ihre Dienste mit 500 Euro entlohnt. Bereits am 26. Februar war die Kurierin dann wieder unterwegs, diesmal mit zwei Kilogramm, die der Kirchseeoner Bunkerhalter in Empfang nahm. Zwei andere Kuriere brachten dann am 17. März eine weitere Großlieferung – diesmal vier Kilogramm – nach Kirchseeon.

Der schwunghafte Handel wurde dann am 21. April 2016 jäh gestoppt: Die Kölner Kurierin war mit knapp drei Kilo Gras erneut nach Kirchseeon unterwegs – diesmal im Zug. Am Hauptbahnhof München sollte das Marihuana an den Malier übergeben werden, doch bei der Übergabe klickten die Handschellen. Der Prozess landete vor der Jugendkammer, weil der Kirchseeoner Bunkerhalter, ein 21-jähriger Malier, zur Tatzeit noch Heranwachsender war. Er wurde im einem Vorläufer-Verfahren zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, verurteilt. Die Kölner Kurierin (44) kam mit einer Bewährungsstrafe von 18 Monaten davon.

Das Verfahren gegen den Nigerianer war zunächst abgetrennt worden, nachdem sein Verteidiger Gerhard Schaller monierte, dass ihm nicht ausreichend Zeit eingeräumt worden sei, die mehrere hundert Seiten umfassenden Protokolle der Telefonüberwachung, die im Rahmen der Ermittlungen angefallen seien, zu durchforsten. Seit Mai saß der 48-Jährige deshalb allein auf der Anklagebank, musste die gesamte Beweisaufnahme, die sich letztlich dann über fünf Verhandlungstage hinzog, neu durchgeführt werden.

Kelechi E. äußerte sich zunächst nicht zu den Anklagevorwürfen. Drogenfahnder der Landshuter Kripo berichteten, im Rahmen der Ermittlungen gegen die Dealer aus der Landshuter Unterkunft habe sich herausgestellt, dass die Lieferungen aus dem Kölner Raum stammten. Im Rahmen der Telekommunikations-Überwachung sei man dann auf den Nigerianer als Hintermann, auf die Kurierin und den Kirchseeoner Bunkerhalter gestoßen. Zweifel daran, dass Kelechi E., der unter mehreren Alias-Namen firmiert habe, besagter „Tony“ sei, habe er quasi selbst ausgeräumt: In einem Gespräch mit seiner Bank habe er seinen Klarnamen und auch seine Kreditkartennummer genannt.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa/dpaweb

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