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Multikulti-WG: Die Schauspieler zeigten ebenso augenfällig wie humorvoll, zu welchen Missverständnissen es kommen kann, wenn Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen unter einem Dach leben. 

Asylbewerber spielen Theater beim Ebersberger Kulturfeuer

Gestrandet in einer fremden Welt

Asylbewerber  haben sich unter Anleitung der Theaterpädagogin Frederike Wilhelmi dem Theaterspiel verschrieben und nach preisgekrönten Erfolgen Eingang in das „Kulturfeuer Ebersberg“ gefunden. Ein Stück mit dem Titel „Gestrandet, oder: der tägliche Kampf um die Fernbedienung“ wurde aufgeführt.

Ebersberg– Im Publikum war noch die Sitzplatzsuche und Begrüßung guter Freunde im Gange, da saß auf der Bühne bereits ein junger Mann aus Somalia am Tisch und wartete, ohne besondere Wahrnehmung von unten. Es dauerte, bis klar wurde: Hey, das ist schon das Stück. Warten und Geduld, das ist die hohe Kunst derer, die beim Antritt ihrer oft abenteuerlichen und leidvollen Odysseen anderes erwartet hatten. Und so begegnet der Betrachter im Publikum einer Multikulti-WG mit zwei Frauen aus Deutschland, einer Kubanerin, einer Deutschtürkin, und sechs Männern aus Mali, Eritrea, Lybien, Somalia und Afghanistan und bekommt mit, welche Missverständnisse und Konflikte ein solcher Kulturmix im Alltag hervorbringen kann.

Lauter Individuen sind hier mit eigenen Schicksalen, unterschiedlicher Herkunft und Kulturen. Es sind auch die ganz alltäglichen Konfliktpotenziale, die da bei der Auswahl von Speisen oder Freizeit aufbrechen, wo sich doch jeder im Rahmen des individuell Möglichen einbringen will. Schließlich sind ja alle guten Willens, die hier Neues kennenlernen und den Daheimgebliebenen noch in Gegenwart der neuen Mitbewohner erklären, dass alles etwas anders ist und dass man nicht nur willkommen ist.

„Sie wollen unsere Ware, uns Menschen aber nicht“, ist eine tiefe Ernüchterung. Ist das Gedicht über die Septemberblume ein Metapher, der im Winter nicht mehr blüht, weil die Schönheit verschwunden ist? „Auf dem Schaum der Träume gelangt man nicht über das Meer“, ist die Erkenntnis, mit der zurechtgekommen werden muss. Der Optimismus aber bleibt, wenn auch verhalten: „Wir sind jung“, darin klingt Hoffnung aber auch ernüchternde Vertröstung. Es hat nichts von Anbiederung, wenn zum Schluss dieser Kulturmix mit Akkordeonspiel juchzend schuhplattelnd und kreistanzend über die Bühne hüpft, eher von Anerkennung hiesiger Lebensart. Auf der Gegenseite gibt es anerkennend starken Beifall für die auch humorvolle Darstellung dieser ganz eigenen Problemwelt.

Wilfried Gillmeister

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