Stadträten ist es einen Versuch wert

Auch Ebersberg bekommt Mitfahrbankerl

Die Stadt will versuchsweise drei so genannte Mitfahrerbänke nach Grafinger Vorbild aufstellen, um vor allem Senioren mobiler zu machen. Kosten und Aufwand halten sich im Rahmen, dennoch haben die Stadträte die Entscheidung im Sozialausschuss ausgiebig diskutiert.

Ebersberg – Auf Antrag der SPD war das Projekt auf der Tagesordnung gelandet. Die Mitfahrerbänke sollten als Ersatz eines Stadtbusses eingerichtet werden. Besonders für Menschen ohne eigenes Auto, die wie beispielsweise Senioren nicht gut zu Fuß sind, seien Mitfahrbänke „eine sinnvolle und notwendige Möglichkeit, innerhalb der Stadt Ebersberg von Stadtteil zu Stadtteil oder zu wichtigen öffentlichen Einrichtungen zu gelangen“, heißt es in der Begründung des SPD-Antrags. Auch der Seniorenbeirat hatte sich bereits vor Monaten für Mitfahrerbänke ausgesprochen. Er wünscht sich welche an Bahnhof, Landratsamt, Marienplatz, E-EinZ-Parkplatz, Edeka, Kreiskrankenhaus und Friedhof sowie in Langwied und in der Anzinger Siedlung.

Die Nachbarstadt Grafing hat sich bereits für das Projekt entschieden. Insgesamt 40 Mitfahrerbänke will die „Transition Town Initiative“ aufstellen. Die erste Bank ist Ende vergangenen Jahres am Stadtbahnhof in Betrieb genommen worden.

In Ebersberg ging es nun um deutlich weniger, nämlich um drei bis vier Versuchsbänke. Die Kosten pro Bank schätzt die Stadtverwaltung auf 400 bis 500 Euro. Ein Pfosten mit Schild, auf dem die Wartenden ihr Ziel markieren können, soll nochmal etwa 1000 Euro kosten. Das Geld würde er lieber in ein anderes Projekt fließen lassen, meinte 3. Bürgermeister Josef Riedl (CSU). Der Verein Schwungrad bietet seit einigen Jahren Fahrdienste für seine Mitglieder an. 300 bis 400 Mal pro Jahr fahren Freiwillige dafür derzeit mit ihren Privatautos. Mit dem Geld für drei Mitfahrerbänke könnte man für den Verein Schwungrad zwei Jahre lang einen Wagen leasen, rechnete Riedl vor. „Das halte ich für sinnvoller und wirtschaftlicher“, sagte er.

Sowohl als auch seien das unterstützenswerte Projekte, konterte Elisabeth Platzer (SPD). Riedls Fraktionskollege Alexander Gressierer sorgt sich um die Versicherungsfrage: „Beim ersten Unfall klingelt im Rathaus das Telefon“, meinte er. Bedenken meldete auch Marina Matjanovski (ebenfalls CSU) an. Sie habe von älteren Damen gehört, dass sie sich gar nicht trauen würden, in ein fremdes Auto zu steigen. Dem setzte Christoph Münch (SPD) entgegen, dass schließlich der Seniorenbeirat für das Projekt ist, also „kein totaler Blödsinn“ sein könne. Und Renate Will von den Grünen glaubt auch, es gebe „sehr wohl Menschen, die sich trauen, und welche wie ich, die sie dann auch mitnehmen würden“. Und sie setzte hinzu: „Schlimmstenfalls, wenn niemand das Angebot nutzt, haben wir halt vier Bänke mehr, das ist ja sowieso kein Schaden.“ Schließlich einigte man sich darauf, mit möglichst geringem Aufwand – eventuell können vorhandene Bänke umlackiert und versetzt werden – für ein Jahr einen Versuch zu starten. Nach Klärung der Versicherungsfrage sollen die Versuchsbänke am Marienplatz, an der Klinik und am Bahnhof aufgestellt werden.

Uta Künkler

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