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Die Stadt Ebersberg hat versucht, die Rosenheimer S traße für den Durchgangsverkehr so unattraktiv wie möglich zu machen, unter anderem mit Parkbuchten. Der Durchgangsverkehr ist dennoch geblieben.

Auch mit zwei Umfahrungen

Die Verlierer aus der Rosenheimer Straße

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Sie sind mit ihrer Geduld am Ende, sie sind fassungslos ob der Blechlawine, die sich Tag für Tag direkt an ihren Häuser vorbei quält: Die Anlieger in der Rosenheimer Straße sehen sich als Verlierer der Verkehrsführung.

Ebersberg – Was haben sie nicht schon alles gehört, was wurde ihnen nicht alles versprochen? Mit Eröffnung der Ebersberger B 304-Südumfahrung werde der kleine „Grenzverkehr“ zwischen Grafing und Ebersberg über den Kapser Berg der Vergangenheit angehören, hieß es vollmundig aus Politikermund. Das ist sieben Jahre her. Allein: Geändert hat sich nichts.

Oder doch? Es ist alles noch viel schlimmer geworden, sagt etwa Hartmut Döringer, der in der Nähe der Unterführung an der Amtsgerichtskreuzung wohnt. Mit der Eröffnung der Grafinger Ostumfahrung vor wenigen Wochen sei die Blechlawine noch größer, die Abgasbelastung noch drastischer geworden. Seit die Auffahrt zur B 304, von Wiesham kommend, geschlossen sei, habe der Schleichverkehr über den Kapser Berg massiv zugenommen. Selbst Lastwagen und Sattelschlepper würden sich in die Rosenheimer Straße „verirren“, hat Döringer mehrfach beobachtet. „Weil sie nicht durch die Bahnunterführung passen, machen sie mit abenteuerlichen Wendemanövern vor dem Nadelöhr auf sich aufmerksam“, sagt der Ebersberger.

Eigentlich dürfen nur Anlieger die Rosenheimer Straße benutzen. Die Stadt Ebersberg hat versucht, die Verbindung durch Parkbuchten und Verengungen so unattraktiv wie möglich zu machen, die Polizei hat mehrfach kontrolliert, doch all diese Maßnahmen brachten nicht den gewünschten Effekt. Döringer will den Kommunen Grafing und Ebersberg gar keinen Vorwurf machen, die Beschilderung in beiden Orten sei eindeutig, es hielten sich aber nur wenige daran. „Alle Maßnahmen haben nun dazu geführt, dass das Verkehrsaufkommen in unserem Wohngebiet Dimensionen annimmt, die eine Anliegerstraße ad absurdum führen. Was die Rosenheimer Straße angeht, ist das Anliegerstraßenkonzept gescheitert. Die Grafinger werden sehr bald merken, dass sie mit der Wasserburger Straße die gleiche Erfahrung machen werden,“ ist sich Döringer sicher.

Ebersbergs Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) und seine Grafinger Amtskollegin Angelika Obermayr (Grüne) sind nicht so pessimistisch. „Verkehre verändern sich, aber das dauert bestimmt ein Jahr, bis sich alle umgewöhnt haben“, sagt Brimayer. Alte Wegeverbindungen seien halt in den Köpfen fest zementiert und „brauchen einige Zeit, bis sie sich neu justiert haben. Ich kann mir nur vorstellen, dass noch einige Autofahrer, die nach Ebersberg wollen, aus Gewohnheit nach Wiesham fahren, dort bemerken, dass die Auffahrt nicht mehr existiert und dann einfach abbiegen, um über die Kapser Allee nach Ebersberg zu fahren. Ich bin zuversichtlich, dass sich die neuen Verkehrswege abseits der Anwohnerstraßen in Ebersberg in absehbarer Zeit eingeschliffen haben werden“, sagt Obermayr, die zumindest froh ist, dass der Verkehr in der Wasserburger Straße ihrer Stadt mit der Ostumfahrung deutlich abgenommen habe.

Noch heuer soll es ein Treffen zwischen Brilmayer und Obermayr geben, bei dem über das weitere Vorgehen beraten wird, kündigt der Ebersberger Rathauschef an.

Anlieger Döringer ist nicht so zuversichtlich wie die Kommunalpolitiker, im Gegenteil: „Selbst wenn Grafing die Wasserburger Straße zurückbaut und auch unattraktiver macht, wird der Schleichweg von den Abkürzern weiter genutzt. Er ist nicht der schnellste, aber der kürzeste Weg. Damit erklären viele Abkürzer ihre persönliche Umweltbilanz. Wenn es dabei bleibt, dass keinerlei Sanktionen zu befürchten sind, wird sich die Situation auch in Zukunft nicht nachhaltig verbessern.“

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