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Das Urteil im Prozess um fremdenfeindlichen Überfall ist gefallen.

„Der Mob in unserer Gesellschaft“

Überfall auf Döner-Laden: Das Urteil ist gefallen

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Aus purer Ausländerfeindlichkeit haben acht Männer in einem Döner-Laden in Ebersberg randaliert und zwei Afghanen zusammengeschlagen. Drei von ihnen müssen nun in Haft. Die Richterin fand deutliche Worte gegen den „Mob“.

München/Ebersberg – Der Hauptangeklagte Markus N. (36) blickt auf den Teppich und schüttelt den Kopf, als die Vorsitzende Richterin Regina Holstein das Urteil verkündet. Immer wieder. Er will es offenbar nicht glauben. Wegen eines ausländerfeindlichen Anschlags auf einen Döner-Laden am Ebersberger Bahnhof muss er vier Jahre und drei Monate hinter Gittern verbringen. Sein wichtigster Komplize (28) muss für zwei Jahre und vier Monate ins Gefängnis. Einen neunfach vorbestraften Helfer (28) verurteilt das Landgericht München II zu 14 Monaten Haft. Drei Männer bekommen Bewährungsstrafen, zwei eine Geldstrafe.

Tat war klar ausländerfeindlich

Die Vorsitzende geht hart ins Gericht mit den acht Männern zwischen 23 und 36 Jahren, die alle aus dem Landkreis Ebersberg stammen. Eigentlich hätte es ein schöner Oktoberfestbesuch für die zwei Hauptangeklagten werden sollen, sagt sie, doch dann sei es eskaliert – sie hätten gezielt ausländische Mitbürger attackiert. „Hier hat Ausländerfeindlichkeit vorgelegen. Da braucht man nicht drüber streiten.“

Im Gegensatz zum Staatsanwalt erkennt das Landgericht aber „keine rechtsradikale Grundgesinnung, keine tief greifende Verwurzelung im Rechtsradikalismus“. Sie hätten „ohne Verstand, ohne politische Gesinnung und Information gehandelt“, sagte die Vorsitzende. Damals, am 25. September 2015, sei gerade die Flüchtlingskrise aktuell gewesen. „Sie sind die, die einfach dem Volk hinterherlaufen, das sich unwohl und zu kurz gekommen fühlt und seine Unzufriedenheit gegen Ausländer richtet.“ Das sei „unreflektiert und dumm“ gewesen. Es frage sich, was besser oder schlechter sei. Die Antwort der Richterin: „Ich glaube, das ist das Schlimmste. Das ist der Mob in unserer Gesellschaft.“

Bei Gesinnungstätern hart durchgreifen

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begrüßte „ausdrücklich, dass das Gericht harte Strafen ausgesprochen hat und drei der Gewalttäter nun hinter Schloss und Riegel kommen“. Der Rechtsstaat müsse bei solchen Gesinnungstätern hart durchgreifen.

Die beiden Haupttäter hatten am 25. September 2015 kräftig auf der Wiesn getrunken, außerdem Drogen genommen. Als sie mit der S-Bahn zurück nach Ebersberg fuhren, hetzten sie lautstark gegen Ausländer und wollten sich auf einen dunkelhäutigen Mann stürzen. Der 28-Jährige schrie, dass er „dem Schwarzen eine klatschen“ und ihm den Schädel einschlagen wolle. Mitfahrer griffen ein und hielten ihn auf. Am Bahnhof in Ebersberg ging es weiter. Dort schlug das Duo einem Mann mit ausländischen Wurzeln grundlos auf den Hinterkopf. Danach gingen die zwei nach Hause in ihre WG und erzählten Freunden, dass sie von Ausländern angegriffen worden seien und Rache üben wollten. Zu acht bewaffneten sie sich mit Baseballschläger, Gardinenstange und Schlosserhammer und zogen zu dem Imbiss – rechtlich gesehen eine Bildung bewaffneter Gruppen.

Mit dem Baseballschläger auf Menschen eingeschlagen

Schon kurz vor dem Laden verfolgte der 28-Jährige mit der Gardinenstange auf offener Straße einen dunkelhäutigen Mann, der offenbar fliehen wollte, und brachte ihn zu Fall. Das war aus Sicht des Gerichts umso schlimmer. „Sie handelten nach dem Motto: Wer wegläuft, den fangen wir auch noch ein.“

Vier der Männer seien „wie eine Dampfwalze“ in den Döner-Laden gestürmt, „um wahllos zu schlägern“. Die anderen warteten derweil draußen und unterstützten die Schläger moralisch. Mit dem Baseballschläger schlug der 36-Jährige auf zwei Afghanen ein und verletzte sie schwer – dann zertrümmerte er eine Vitrine und die Glastür. „Er wollte ohne Hirn alles kaputt machen, was ihm in den Weg kommt.“ Ein 23-Jähriger warf mit dem Hammer.

Die acht Männer seien zusammen als Mob losgezogen, betont die Richterin gegen Ende noch einmal: „Das ist genau das, was wir in unserer Gesellschaft nicht wollen“.

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