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Velichka Paunova (Krankenpflege Station 1.4) assistiert Veronika Spranger (rechts) bei der Früherkennungsuntersuchung eines kleinen Mädchens. 

So viele Geburten wie noch nie

Babyboom in Ebersberg

In der Kreisklinik zeichnet sich ein neuer Geburtenrekord ab: Bis 18. September kamen in diesem Jahr schon 511 Kinder zur Welt – bis Ende des Jahres könnten es 700 werden. Über die Gründe des Booms und die medizinische Versorgung des Nachwuchses sprachen wir mit der Kinderärztin Veronika Spranger.

Die Kreisklinik scheint beliebt zu sein, sogar von außerhalb des Landkreises Ebersberg kommen Frauen zur Entbindung. Wie erklären Sie sich das?

Im Gegensatz zu großen Geburtshäusern bieten wir eine familiäre Betreuung während der Geburt und im Wochenbett unter Berücksichtigung der Wünsche der Mütter. Wenn eine Frau ihr Kind natürlich zur Welt bringen möchte, hat die Hebamme genügend Zeit dafür, denn sie betreut hier maximal zwei Geburten. Die Befürchtung vieler Frauen ist, dass bei langwierigen Geburten aus Zeit- oder Raummangel ein Kaiserschnitt durchgeführt wird. Das geschieht bei uns nur, wenn es medizinisch notwendig ist oder von den werdenden Eltern nach einer ausführlichen Aufklärung gewünscht wird. Ambulante Geburten sind ebenfalls möglich.

Auch im Wochenbett auf Station fühlen sich die Frauen gut aufgehoben. Die Kinderkrankenschwestern sind bemüht, jede Mutter, die stillen möchte, dabei zu unterstützen und wir haben zwei Familienzimmer, in denen auch der Vater mit übernachten kann. Zudem darf das Kind rund um die Uhr bei der Mutter sein. Wenn sie zwischendurch etwas Ruhe braucht, wird es in der Zeit von den Kinderpflegekräften betreut.

Der Kreisklinik Ebersberg ist keine Kinderklinik angeschlossen. Was geschieht, wenn bei einem Neugeborenen eine schwere Erkrankung festgestellt wird?

Dann kümmern wir uns darum, dass beide, Mutter und Kind, in eine nahegelegene Kinderfachklinik verlegt werden. Es ist uns wichtig, dass Mutter und Kind nicht getrennt werden. Glücklicherweise müssen wir das nur selten tun. Im letzten Jahr wurden von den 673 Babys 22 verlegt – das sind gerade einmal drei Prozent. Ursachen waren, zum Beispiel Infektionen, Anpassungsstörungen, wie etwa eine eingeschränkte Lungenfunktion mit zusätzlichem Sauerstoffbedarf, genetisch bedingte Fehlbildungen und Entgleisungen des Blutzuckerspiegels.

Worauf führen Sie diese niedrige Rate zurück?

Im Rahmen der Qualitätssicherung nimmt die Kreisklinik Ebersberg nur Gebärende ab der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche auf. Somit werden die Risiken, die bei einer Frühgeburt auftreten können, weitestgehend minimiert. Zudem führen wir mit jeder werdenden Mutter, die bei uns entbinden möchte, etwa acht bis sechs Wochen vor dem Geburtstermin ein ausführliches, geburtsvorbereitendes Gespräch, um Risikofaktoren auszuschließen wie Zwillingsgeburten, ein insulinpflichtiger Schwangerschaftsdiabetes bei der Mutter oder bereits in der Schwangerschaft festgestellte Fehlbildungen beim Kind. Nur so können wir im Rahmen unserer Möglichkeiten die maximale Sicherheit der Neugeborenen gewährleisten. Trotzdem ist die Geburtshilfe natürlich für unvorhergesehene Notfälle gewappnet.

Inwiefern?

Das Team der Geburtshilfe wird regelmäßig im Rahmen des Simparteam-Trainings in Notfallmedizin bei Neugeborenen geschult. Zudem wird die Kreisklinik Ebersberg vom Neugeborenen-Notarztdienst des Deutschen Herzzentrums in München mitbetreut, der hinzugerufen werden kann, falls sich während der Geburt Komplikationen abzeichnen. Nach der Geburt kann bei Neugeborenen mit Anpassungsstörungen eine Monitorüberwachung von Herzschlag und Sauerstoffsättigung des Blutes vorgenommen werden, um notfalls entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.

Mit Ihnen als Neonatologin hat die Geburtshilfe eine hochqualifizierte Unterstützung. Was ist ein Neonatologe?

Ein Facharzt für Kinderheilkunde und Jugendmedizin mit einer Zusatzausbildung für Früh- und Neugeborene. Diese Zusatzqualifikation dauert in der Regel zwei Jahre, schließt mit einer Prüfung bei der Ärztekammer ab und muss in einem Krankenhaus mit einer großen Neugeborenenstation erworben werden. In Ebersberg führe ich zusammen mit Dr. Valentin bei den Neugeborenen die U2 durch, meist am dritten Lebenstag.

Warum ist diese Früherkennungsuntersuchung so wichtig?

Die meisten Kinder kommen gesund zur Welt, aber manchmal gibt es angeborene Erkrankungen, die auf Anhieb nicht erkennbar sind, mitunter jedoch lebensgefährlich sein können, zum Beispiel eine Stoffwechselstörung oder eine Fehlbildung des Herzens. Bei der U1, die direkt nach der Geburt im Kreißsaal vom ärztlichen Geburtshelfer oder der Hebamme vorgenommen wird, werden Atmung, Puls und Reflexe überprüft und geschaut, ob das Kind allgemein einen gesunden Eindruck macht. Bei der U2 untersuchen wir das Kind eingehender, zum Beispiel auf angeborene Stoffwechselstörungen, Herzfehler oder eine Hörminderung.

Sie geben in der Kreisklinik auch Kurse für Notfälle im Säuglingsalter. Wer kann daran teilnehmen?

Jeder, der daran interessiert ist, auch Großeltern. Die Kurse sollen die Souveränität der Angehörigen im alltäglichen Umgang mit dem Baby steigern. Woran erkenne ich Atemnot, was mache ich bei einem Fieberkrampf, wenn das Kind zahnt oder einen Insektenstich hat? Die Termine können in der Klinik erfragt werden.

Das Gespräch führte
Sybille Föll.

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