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Ein Lokführer hat sich aus seiner Kabine ausgesperrt. Der Zug konnte nicht losfahren.

Bravouröse Reaktion

S-Bahn bleibt stehen - Lokführer: „Liebe Fahrgäste, ich hab’s verbockt“

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Der Lokführer einer S-Bahn hat in Ebersberg alle Fahrgäste zusammengetrommelt. Er erklärte ihnen, warum der Zug nicht losfahren könne. Der Grund war allzu menschlich.

Ebersberg – Freitagabend, 17.30 Uhr. Auf Gleis eins im Bahnhof Ebersberg steht eine S 6 nach Tutzing. Sie wirkt abfahrbereit, der Zugführer am Bahnsteig weniger. Er macht einen verstörten Eindruck. Die Passagiere steigen ein, warten darauf, dass die S-Bahn gemächlich losrollt. Aber es passiert: nichts.

Zugausfall. Nicht schon wieder! Grund dafür ist dieses Mal kein technisches Problem, oder eine Person im Fahrgleis. Nein, der Lokführer hat sich aus dem Führerstand ausgesperrt! Das ist neu. Der Zugchef aber steht seinen Mann.

Ebersberg: Zugführer der S-Bahn ausgesperrt - Schlüssel im Fahrerhäuschen

Wer kennt das nicht? Die Tür fällt ins Schloss, ein panischer Griff an die Hosentaschen, ein Gefühl der Ohnmacht. Ausgesperrt. Nicht weiter schlimm, vielleicht ist irgendwo ein Zweitschlüssel versteckt, oder beim Rentner nebenan abgegeben. Schlimmer ist es, sich aus dem Auto auszusperren. Noch schlimmer ist es, den Schlüssel im Fahrerhäuschen einer gut besetzten S-Bahn zu versemmeln. So wie in Ebersberg.

Als sich am Freitagabend die ersten Fahrgäste wundern, wieso die Bahn nicht losfährt, geht der junge Zugchef durch die Reihen. „Kommen Sie bitte mit!“, sagt er. Hinter ihm eine Menschenschlange. Am Anfang des Waggons bleibt er stehen, die Passagiere im Halbkreis um ihn.

S-Bahn-Ausfall in Ebersberg: Zugführer: „Ich hab‘s verbockt

„Liebe Fahrgäste, ich hab’s verbockt“, sagt der Zugführer schließlich. Er habe den Führerstand am Ende des Zugs für seinen Kollegen fertig gemacht und die Tür zugezogen. Der Schlüssel sei im Cockpit, die Tür verriegelt. „Es tut mir Leid. Das ist allein meine Schuld.“

Die Passagiere haben Verständnis. „Ist doch nicht so schlimm“, sagt ein Jugendlicher. Eine ältere Frau meint, dass das ja jedem schon passiert sei. Und eine Regionalbahn würde sowieso gleich Richtung Ostbahnhof fahren.

Nach S-Bahn-Panne in Ebersberg: Der junge Mann verdient Respekt

Später sagt der junge Zugchef, dass er sich noch nie ausgesperrt habe. Er sitzt alleine auf einen der grauen Sitze, den Blick nach unten gerichtet. Er müsse nun auf einen Kollegen warten, der bringe einen Schlüssel. Der Zugführer schlägt die Hände über sein Gesicht zusammen.

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Der junge Mann verdient Respekt. Sich vor teils wütende Passagiere zu stellen, seinen Mann zu stehen, erfordert Rückgrat. Und Ehrlichkeit. Im öffentlichen Raum gibt’s das nicht oft. Der junge Zugchef gibt der „Problem-S-Bahn“ ein Gesicht, vermenschlicht sie.

Wütend auf ihn ist an diesem Abend niemand. Warum auch? Er ist doch auch nur ein Mensch.

Video: Jeder vierte Fernzug im Jahr 2018 zu spät

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Bei einem Vorfall auf der S3 ist ein Lokführer leicht verletzt worden. Ein Unbekannter hatte ihn geschlagen. Die Polizei sucht jetzt nach dem Unbekannten. Er trug Lederhose und Trachtenhemd.

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