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Waffenteile, Sprengstoff und tausende Patronen wurden im westlichen Landkreis gefunden. Nun steht der Besitzer vor Gericht. (Symbolbild)

Tausende Waffenpatronen gefunden

Kriegsmunition und Sprengstoff: 64-Jähriger steht in Ebersberg vor Gericht

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Ein Waffennarr aus dem westlichen Landkreis hortete Waffen und tausende Patronen. Darunter auch Kriegswaffenmunition. Höchst illegal. Nun steht er vor Gericht.

Ebersberg – Fast 20 Minuten lang liest die Staatsanwältin die Anklagepunkte vor, die sie dem älteren Mann vorwirft. Eine Leuchtspurpatrone, die unter Kriegsrecht fällt, Bauteile für Schusswaffen, auch für die vollautomatische Maschinenpistole „Scorpion VZ61“, mehrere tausend Stück Munition, Schwarz- und Pyrotechnikpulver. Die Liste ist lang. Was dem Waffennarr fehlte, war eine Erlaubnis. Der Angeklagte, Camouflage-Hose, graue Haare, Bart, hört sich den Vortrag der Staatsanwältin gelangweilt an.

„Der hat mit ’nem Revolver unterm Kopfkissen gepennt“

Das war passiert: Der damalige Freund der Tochter war in das Haus des Angeklagten gezogen. Der Waffennarr sollte vom ersten Stock ins Erdgeschoss ziehen, die Familie der Tochter in die erste Etage. Beim Umzug fielen dem Mann Unmengen von Waffen und Munition auf. „Überall lagen Waffen herum“, sagt der 51-jährige im Zeugenstand des Amtsgerichts. Nicht abgesperrte Waffenschränke, Munition im ganzen Haus, Einschusslöcher in der Decke. „Der hat mit ’nem Revolver unterm Kopfkissen gepennt“, sagt der Zeuge in Richtung des Angeklagten.

Nach Alkoholfahrt: Führerschein und Waffenbesitzkarte weg

Im Januar 2017 ging der Mann zur Polizei in Poing und erstattete Anzeige. Die Beamten durchsuchten kurz darauf das gesamte Haus des Angeklagten, und fanden allerlei Waffen und Munition. Kistenweise. „Die Gegenstände waren ganz klar im Besitz meines Mandanten“, sagt Rechtsanwalt Florian Alte. Das habe aber auch eine Vorgeschichte: Der Angeklagte sei lange Jahre in einem Schützenverein gewesen, hätte Kurse geleitet und auch eine Waffenbesitzkarte besessen. Diese erlaubt den Besitz von Waffen und Munition. 1995 eine Alkoholfahrt, Führerschein weg, drei Jahre später sei seine Zuverlässigkeit für den Waffenbesitz aberkannt worden. Der Schein war weg.

Daraufhin habe er seine funktionsfähigen Waffen dem Landeskriminalamt (LKA) übergeben. Die Munition habe er rechtmäßig erworben und sei nicht verpflichtet gewesen, diese abzugeben. Nach 1998 habe er keine neue Munition gekauft. Die Waffen, die die Poinger Polizisten fanden, hätten nicht funktioniert. Alles also nur halb so wild?

Leuchtspurpatrone fällt unter das Kriegswaffenrecht

Nein, sagen mehrere Experten des LKAs vor Gericht. Die Griffe für die Maschinenpistole sind vollfunktionsfähig und somit erlaubnispflichtig, das gehortete Pfund Schwarzpulver ist explosionsgefährlich, die Leuchtspurpatrone fällt unter das Kriegswaffenrecht. Eine funktionsfähige Waffe hätte man aus den Teilen aber nicht zusammenbauen können.

Einer der LKA-Experten sagt indes, dass der Angeklagte die Munition auch nach dem Erlaubnisentzug haben durfte. Bis 2002. Da sei nämlich das Waffenrecht geändert worden, Munition müsse seitdem gemeldet und abgegeben werden.

Davon habe der 64-Jährige nichts gewusst. Auch nicht, wie die Leuchtspurpatrone in seinen Besitz gekommen ist. Durch eine falsche Lieferung bestellter Patronen, vermutet er. Die Bauteile für die Maschinenpistole habe er für Waffensachkundeprüfungen während seiner Schützenvereinszeit gebraucht.

Auch dieser Rentner stand vor Gericht. Wegen Volksverhetzung!

Auch in neuer Wohnung Waffen und Munition gefunden

Mittlerweile wohnt der Angeklagte in Niederbayern. Auch dort wurden Waffen und Munition gefunden. Die Poinger Beamten hätte diese bei der Durchsuchung zurückgelassen, so der Beschuldigte. Er ging davon aus, dass sie erlaubt gewesen seien. Ein zweites Verfahren läuft hierzu. Aus gesundheitlichen Gründen des Angeklagten wurde die Verhandlung unterbrochen. Ein Urteil wird kommende Woche erwartet.

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Kürzlich hat die Berliner Polizei mitgeteilt, dass bereits seit einigen Monaten eine Maschinenpistole fehlt. Der Vorfall war niemandem aufgefallen und wurde erst durch eine Inventur entdeckt.

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