Immer mehr zu tun: In den meisten Bereichen verzeichnete das Amtsgericht Ebersberg im Jahr 2019 steigende Fallzahlen. Das geht aus dem Jahresbericht der Behörde hervor, der aktuell vorgelegt wurde.
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Schon mehrfach stand der 29-jährige Mann vor Gericht. Jetzt geht er ins Gefängnis.ktuell vorgelegt wurde.

Kommissar Zufall hilft, Dealer zu erwischen

Drogenhandel: 29-jähriger Vater zweier Kinder muss ins Gefängnis

  • Michael Seeholzer
    vonMichael Seeholzer
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Zwei Arreste und eine 16-monatige Jugendstrafe brachten ihn bisher nicht auf den richtigen Weg. Jetzt muss ein 29-jähriger Hilfsarbeiter aus dem südlichen Landkreis ins Gerfängnis.

Ebersberg - Der Mann stand erneut vor Gericht, weil er einen Drogenhandel betrieben hatte, um seine eigene Sucht zu finanzieren. Dabei waren durchaus keine geringen Mengen im Spiel. Vor dem Amtsgericht Ebersberg wurden im Einzelfall Größenordnungen von bis zu 500 Gramm Marihuana zur Sprache gebracht. Als der Dealer von der Erdinger Kripo erwischt wurde, legte er auf der Wache sofort ein umfangreiches Geständnis ab, das er in der Verhandlung jetzt bekräftigte. Auch seinen Lieferanten nannte er. Trotzdem gab’s zwei Jahre Freiheitsentzug und die Einweisung in eine Entziehungseinrichtung für den zweifachen ledigen Vater als Quittung.

Wie ein Fallbeispiel aus einer Sozialstudie

Der Werdegang des jungen Mannes liest sich wie ein Fallbeispiel aus einer Sozialstudie. Eltern geschieden, Vater Alkoholiker, der seinem Sohn zu verstehen gab, was für eine Flasche der sei. Abwechselnd bei dem jeweiligen Elternteil aufgewachsen, dort jeweils rausgeflogen, im minderjährigen Alter bereits obdachlos, später dann Zuflucht in Wohngemeinschaften. Den Schulabschluss schaffte der junge Mann erst in der Justizvollzugsanstalt. Oft wegen Fahrens ohne Führerschein aufgefallen, wegen Diebstahls, Urkundenfälschung, Körperverletzung, Unfallflucht, unterlassener Hilfeleistung, und schließlich wegen der Drogendelikte. „Die Taten sind erheblich, die Rückfallgefahr sehr groß“, meinte die Staatsanwältin und setzte sich schließlich mit ihrer Forderung nach einem Strafmaß von zwei Jahren ohne Bewährung durch.

Gutachter sagt. Suchttherapie erfolgversprechend

Vorangegangen war ein Rechtsgespräch, in dem der Verteidiger versuchte, seinem Mandanten eine längere Gefängnisstrafe zu ersparen. Er sei „geständig und aufklärungswillig“, darüber hinaus lebe er „in einer stabilen Beziehung und kümmert sich um das Kind“, führte der Anwalt gegenüber Richter Markus Nikol ins Feld. Vor dem Schöffengericht kam ein Gutachter zu Wort, der eine Suchttherapie für erfolgversprechend hält. Bei dem Angeklagten sei trotz seiner zwölf Voreinträge kein völliger Verlust von moralischen Grundsätzen zu erkennen. Der junge Mann sei höflich und habe gute Umgangsformen. Als ihn der Gutachter direkt nach seinen Plänen fragte, meinte der Angeklagte: „Ich stelle mir eine drogenfreie Zukunft vor. Ich bin motiviert.“ Dem Gutachter hatte er berichtet, dass er zeitweise am Tag bis zu fünf Gramm Marihuana konsumiere.

Frisierter Roller wurde Dealer zum Verhängnis

Aufgefallen war der Dealer bei einer Kontrolle, als er flott mit einem frisierten Roller unterwegs war. Die Beamten hatten bemerkt, dass der viel zu schnell lief. Schnell genug jedoch nicht für eine Flucht, die der Angeklagte anschließend versucht hatte. Es folgten Hinweise auf ein Drogendelikt, dann klickten die Handschellen, es ging ab zur Wache und später dann zu einer Hausdurchsuchung, bei der sich über 300 Gramm Marihuana und wohl aus Drogendeals stammendes Bargeld fand. Einer Beschlagnahme stimmte der 29-Jährige vor Gericht jedenfalls zu. Auch seine beiden Handys bekam er nicht mehr, weil die Ermittlungsbehörden darauf Hinweise fanden, dass es zu justiziablen Absprachen gekommen sei.

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