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H iobsbotschaft: Wenn der Landkreis Ebersberg das von der Sparkasse erworbene Gebäude sanieren will, muss er immens viel Geld in die Hand nehmen.

Krisensitzung im Landratsamt

Sparkassengebäude ein Fass ohne Boden

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Eines steht jetzt fest: Die Sanierung des Kreissparkassengebäudes wird immens teuer. Viel teurer als erwartet. Vielleicht sogar zu teuer.

Ebersberg– Geht die Debatte jetzt erst richtig los? Ein Arbeitskreis soll es nun richten und sämtliche Varianten prüfen. Landrat Robert Niedergesäß dagegen würde das ehemalige Sparkassengebäude am liebsten wieder verkaufen.

Zur Erinnerung: Der Landkreis hatte die Immobilie für rund zwölf Millionen Euro erworben, um dort dringend benötigte Büros für die Mitarbeiter des Landratsamtes unterzubringen. Doch dann explodierten die veranschlagten Sanierungskosten, kletterten von 3,3 Millionen auf über elf Millionen Euro. Das Projekt könnte noch deutlich teurer werden. Eine Variante wurde sogar mit rund 97,5 Millionen Euro veranschlagt. Der Arbeitskreis soll seine Arbeit deshalb rasch aufnehmen.

„Zu schnell und zu zuversichtlich“

Doch zunächst ging es im zuständigen Ausschuss am Montag um Aufarbeitung. Niedergesäß (CSU) räumte Fehler beim Kauf des Sparkassengebäudes ein. „Das Verfahren war aus heutiger Sicht zu schnell und zu zuversichtlich.“ (wir berichteten kurz). Man habe nach ersten Überlegungen keine größere Planung im Hinterkopf gehabt, sondern Malerarbeiten und neue Teppichböden. Doch es kam anders. Das Konzept habe sich Schritt um Schritt verändert, „nicht im Sinne von Luxus, sondern im Sinne der Mitarbeiter“.

Beim Brandschutz so fuhr der Landrat fort, habe es „unerfreuliche Entwicklungen“ gegeben. In Teilen sei damals planabweichend gebaut worden. Im Klartext: teilweise Schwarzbau. Das Bauamt verweigerte damals zunächst eine Abnahme. Folgen hatte das nicht. „Heute muss man von einer stillschweigenden Duldung ausgehen“, so Niedergesäß. Die Akten wanderten ins Archiv. Das sei nicht unüblich gewesen.

Niedergesäß räumte auch ein, dass vor dem Kauf manches, „nicht in gebotener Tiefe“ untersucht worden sei. Klar wurde in der Sitzung zudem, dass keine Gutachter beauftragt, sondern Firmen abgefragt wurden. Aber beispielsweise konnten dem mit einer Stellungnahme zum Brandschutz beauftragten Büro keine „genehmigten Pläne aus der Baugenehmigung zur Verfügung gestellt werden“, da sie weder der Liegenschaftsverwaltung, noch der unteren Bauaufsichtsbehörde zu diesem Zeitpunkt vorlagen. „Im Übrigen wäre es die Aufgabe des Grundstückseigentümers gewesen, genehmigte Baupläne zur Verfügung zu stellen“, heißt es vom Landratsamt.

Bei einem Verkauf schwarze Null

Den Vorwurf, die Kreisräte seien nicht ausreichend und nur stückweise informiert worden, wies Niedergesäß zurück, es habe keine Salamitaktik, keine Taschenspielertricks gegeben. „Wir leben in keiner Bananenrepublik.“ Zudem betonte Niedergesäß: Es bringe jetzt nichts, mit dem Finger auf die früheren Eigentümer, die Ebersberger Sparkasse zu zeigen. Das Verfahren sei nicht optimal gelaufen, aber „die Sparkasse hat uns keine Schrottimmobilie verkauft“.

Kopfschütteln hingegen bei einigen Kreisräten. Wenn man Pläne braucht, fordert man sie an“, so Melanie Kirchlechner (Grüne). „Das war schon naiv.“ Ihr Fraktionskollege Franz Greithanner fühlte sich hinters Licht geführt. Er verwahrte sich gegen Vorwürfe, die Kreisräte hätten dem Kauf leichtfertig zugestimmt. „Wir wurden nicht in einem Satz auf die Risiken hingewiesen.“ Elisabeth Platzer betonte, die SPD habe damals weitere Aufklärung gefordert. „Das wäre besser gewesen“. Für die Zusammenarbeit brauche man Vertrauen. Schließlich habe der Landkreis noch große Projekte vor sich.

Bettina Zetzl (CSU) gab zu Bedenken, der Blick zurück sei wichtig, auch weil es für die Bürger um viel Steuergeld gehe. Aber man müsse jetzt auch nach vorne schauen. Das sah Max Weindl (Freie Wähler) ebenso. Kaffeesatzlesen bringe jetzt nichts. Man müsse wissen, was das Projekt Sparkassengebäude koste.

Dazu gab es in der Sitzung Zahlen: Da war von einer Sanierung ohne energetische Maßnahmen die Rede, die auf rund 20 Millionen Euro geschätzt wurde. Planer Erwin Kuhn vom Büro KMP stellte mehrere Varianten vor. Bleibt der Standort des Amtes an der Eichthalstraße erhalten und wird das Sparkassengebäude entkernt, allgemein und energetisch saniert, beläuft sich der Ansatz auf rund 43,3 Millionen Euro. Wird das Sparkassengebäude abgerissen und ein neues Haus errichtet, wird ein Budget von rund 51,7 Millionen Euro angesetzt. Sollte der Standort Sparkassengebäude zusätzlich erweitert werden, werden die Gesamtkosten inklusive Risikozuschlag auf 85,3 Millionen Euro (Entkernen und Sanieren) beziehungsweise 97,5 Millionen Euro (Abbruch und Neubau) prognostiziert. Damit soll sich jetzt eine Arbeitsgruppe auseinadersetzen. Einige CSU-Räte plädieren schon mal für eine kostengünstige Sanierung des Sparkassengebäudes. Schließlich habe man ein hochwertiges Gebäude erworben, so Bernhard Wieser. Josef Schwäbl hob den zentralen Standort als Vorteil heraus. Landrat Robert Niedergesäß favorisiert einen Verkauf, an dessen Ende jedoch eine Schwarze Null stehen soll. Heißt: Der Landkreis will mindestens den Preis erzielen, den er selbst bezahlt hat, plus die inzwischen entstandene Kosten abgedeckt wissen. Dann fehlen aber immer noch die dringend benötigten Büros. Deshalb sollen Möglichkeiten am aktuellen Standort geprüft werden, vom Nordtrakt über einen bereits einmal intensiv diskutierten Südturm bis zu einer Mietlösung.

Und auch die Debatte um die Rechtmäßigkeit beim Kauf der ehemaligen Kreissparkasse ist noch nicht beendet. Der Kommunale Prüfungsverband ist eingeschaltet – Ergebnis offen.

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