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Jede ein Unikat: Der Ebersberger Unternehmer Manfred Zoss hat sich mit seinen biologisch voll abbaubaren Urnen einen beachtlichen Absatzmarkt erarbeitet. Seine Kunden kommen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Bio-Urnen aus Ebersberg

Umweltbewusst bis in den Tod

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Nach dem Tod noch etwas für die Umwelt tun: Geht das überhaupt? Manfred Zoss (56) aus Ebersberg hat darauf eine Antwort gefunden. Er produziert voll biologisch abbaubare Urnen.

Landkreis – Jede Urne, die das Lager von Manfred Zoss verlässt, ist ein handbemaltes Unikat. „Ich habe inzwischen Kunden aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz“, sagt der Unternehmer stolz. Er betreibt seine Firma „Alento“ seit knapp acht Jahren. Angefangen hat er in einem Keller in Aßlkofen.

„Da bin ich schon längst Kompost.“ Wer so einen Satz sagt, der will damit auf etwas flapsige Weise erläutern, dass er ein Ereignis weit in der Zukunft vermutlich nicht mehr erleben wird. Dass der menschliche Körper nach seinem Tod verrottet und zerfällt, ist aber außer in rohen Scherzen in unserer Gesellschaft immer noch ein Thema, über das keiner gerne spricht. Für viele ist es ein Tabu und der Gedanke, im Sarg zu liegen, ist vielleicht mit ein Grund dafür, dass sich die Menschen nach ihrem Tod lieber verbrennen lassen. Ganz in den Naturkreislauf zurückgekehrt ist der Verstorbene damit noch nicht. Aber dafür gibt es die Bio-Urnen des Ebersberger Unternehmens.

Zoss produziert Schmuckurnen aus Lignin, einer Art Flüssigholz. Seine Aschebehälter bestehen zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen und sind deshalb zur Gänze biologisch abbaubar. Kunden des Ebersberger Betriebes sind Menschen mit dem Wunsch nach einer naturnahen Bestattung. Den Vertrieb übernehmen die Bestattungsinstitute. Zoss betreibt einen Großhandel und hat sich dazu inzwischen im Forstinger Gewerbegebiet auf eine Halle mit einer Fläche von 200 Quadratmetern vergrößert. In Aßlkofen ist nur mehr der Firmensitz und das Büro.

Wie kommt man auf die Idee, Urnen aus Flüssigholz herzustellen? „Nachhaltigkeit hat mich immer schon interessiert. Ich wollte was für die Umwelt und gegen das Plastik tun“, sagt Zoss. Gelernt hat der Ebersberger eigentlich die Tätigkeit als Steuerfachgehilfe, „später war ich in der Industrie tätig“. Der 56-Jährige darf als Beispiel dafür gelten, dass die ursprüngliche Berufswahl nicht die Bedeutung hat, die ihr oft beigemessen wird. Erfolg sei für ihn, dass seine Idee angenommen wird, sagt der Urnenbauer sinngemäß, der als Rohstoff Reste aus der Zellstoffindustrie verwendet. „Die lassen sich gut im Spritzgussverfahren verarbeiten.“ Die Formen dazu hat Zoss nach seinen Vorstellungen anfertigen lassen.

Die Urnen schillern im Sonnenlicht in irisierenden Tönen. „Da haben wir mit den verschiedensten Mineralfarben experimentiert.“ Zum Einsatz kommen auch Blattgold und hauchdünne Schichten aus Schlagmetall, mit denen die Urnen in echte Einzelstücke verwandelt werden. Die Produktion ist im Chiemgau, handbemalt werden die Aschebehältnisse unter anderem von einer Lüftlmalerin aus Murnau oder vom Kunstmaler und Typografen Walter Kraft. Die Firma „Alento“ ist ein reiner Familienbetrieb, in dem Ehefrau Helma Möller (50) und gelegentlich Sohn Maximilian (23) mithelfen.

Entscheidungen für den eigenen Tod und die Zeit danach zu treffen – dabei sollen die ersten Informationstage in Bayern rund um den letzten Weg eines Menschen helfen. Sie finden statt am Samstag und Sonntag, 25./26. November, jeweils von 11 bis 17 Uhr in der Erdinger Stadthalle. Mit dabei ist an diesen Tagen auch die Firma Alento aus Ebersberg. Den Messestand hat Manfred Zoss bereits in zwei große Behälter verladen. Der Stand ist selbstverständlich aus nachwachsenden Rohstoffen – nämlich aus Birkenholz.

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