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Im Landkreis Ebersberg nutzen derzeit viele Bürger die Amnestieregelung, um illegale Waffen abzugeben.

Bis zum 1. Juli können Bürger im Landkreis Ebersberg Amnestieregelung nutzen

Waffen straffrei abgeben – die Frist läuft

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Noch eine alte Waffe vom verstorbenen Opa im Haus? Jetzt ist es Zeit, sie abzugeben.

Landkreis – Mal tauchen sie bei Umbau oder Renovierungsarbeiten in einem Versteck auf. Zum Teil wurden sie zu den damaligen Zeiten sogar legal erworben, dann aber bei einer Änderung des Waffengesetzes im Jahr 1972 nicht angemeldet. Andere wiederum haben in der Erbmasse eine gefunden und wussten nicht recht, was sie damit anfangen sollten – vielleicht wurden auch Erinnerungen an den Verstorbenen damit verbunden. Es geht um illegale Schusswaffen, von denen sich offensichtlich noch nicht unerhebliche Mengen im Landkreis Ebersberg im Umlauf befinden. Diesen Schluss legt zumindest eine aktuelle Nachfrage der Ebersberger Zeitung im Landratsamt nahe.

Besitzer einer illegalen Feuerwaffe haben nämlich eine Möglichkeit, sich dieser Waffen zu entledigen. Das sollte auch jeder Betroffene tun, denn vielleicht ist es die letzte Gelegenheit. Dabei muss aber eine Frist eingehalten werden und die läuft am 1. Juli 2018 aus. Dann endet die bundesweite Amnestie zur straffreien Waffenrückgabe. Und die Bürger im Landkreis Ebersberg machen derzeit regen Gebrauch von dieser Regelung.

„Teilweise werden mehrmals wöchentlich oder auch mehrmals täglich Waffen abgegeben.“ Das berichtet Norbert Neugebauer, der Büroleiter des Landrats Robert Niedergesäß.

Welche Waffen wurden bisher abgeliefert? Früher konnte man zum Beispiel bei einem Grafinger Eisenhändler ganz legal einen „Flobert“ samt Munition kaufen, wie etwa heutzutage im Baumarkt eine Gartenschaufel. Bis zum Jahr 1972 waren Langwaffen, also Gewehre und Flinten für Personen über 18 Jahren frei erwerblich, samt der dazugehörigen Munition. Die wurde sogar in Versandhandelskatalogen angeboten. Mit der damaligen Gesetzesänderung wurden laut Schätzungen von Fachleuten auf einen Schlag 14 und 17 Millionen Gewehre und Flinten in der Bundesrepublik „illegal“, da sie nicht angemeldet wurden – sei es aus Bequemlichkeit oder deswegen, weil die Besitzkarten damals befristet wurden.

Abgegeben werden in der Kreisbehörde derzeit aber nicht nur Kleinkaliberwaffen, sondern auch „erlaubnisfreie PTB-Waffen, Luftgewehre und -pistolen, Bolzenschussapparate, Perkussionsrevolver, Pistolen, Revolver, Büchsen, Flinten, aber auch Maschinengewehre, Messer und Dolche“.

Im Landratsamt Ebersberg gibt es keine Zahlen mehr darüber, wieviele Waffen bei der ersten Amnestie 2009 insgesamt abgegeben wurden. Laut Medienberichten waren es damals von Juli bis Dezember etwa 130 Exemplare.

Wie geht das genau mit der Waffenrückgabe? Wer selbst zur Polizei fährt, um etwa eine Büchse abzugeben, führt ja schließlich eine Schusswaffe in der Öffentlichkeit, und das ist eigentlich strafbar. Der Gesetzgeber hat aber in Paragraph 58 Abs. 1 Satz 1 des Waffengesetzes geregelt, „dass niemand wegen unerlaubten Erwerbs, unerlaubten Besitzes, unerlaubten Führens von Waffen und Munition auf dem direkten Weg zur Übergabe an die zuständige Behörde oder Polizeidienststelle bestraft wird, wenn er dies bis 1. Juni 2018 tut“, informiert Neugebauer. Angst vor einer Strafe braucht ein Bürger also nicht zu haben, bei der Rückkehr in die Legalität. „Wenn jemand keine Möglichkeit hat, die Waffen zur Behörde zu bringen, werden diese im Einzelfall auch abgeholt“, bietet das Landratsamt Ebersberg einen besonderen Service an.

Die Intention dahinter ist klar: Es sollen so viele illegale Waffen als irgend möglich aus dem Verkehr gezogen werden. Was passiert mit dem abgegebenen Material im Anschluss? „Die abgegebenen Waffen werden in einem gesicherten Raum im Landratsamt gesammelt und dann zur Vernichtung zum Bayerischen Landeskriminalamt nach München transportiert“, informiert Neugebauer.

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