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Julia (links) und Sonja Türmer auf dem Weg nach Schweden. In München geht die Tour für die Ebersbergerinnen los, muss aber krankheitsbedingt vorzeitig enden. 

Breakout: Zwei Ebersbergerinnen wollen raus 

Am Ende scheitert es in Schweden am Reisefieber

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Breakout! Sonja (23) und Julia (23)Türmer wollten so weit es geht weg - für einen guten Zweck! Bis Schweden schafften die Schwestern es, bis sie am Bahnhof in Lund strandeten. 

München/Kopenhagen – Sonja (20) und Julia (23)Türmer stehen mitten im leeren Bahnhof von Lund, einer Stadt mit knapp 88 000 Einwohnern, in der südschwedischen Provinz Skåne. Kein Mensch weit und breit. Trotz langer Kleidung frieren sie in dieser Nacht. Mehr als 16 Stunden früher, am vergangenen Freitag, brach das Geschwisterpaar aus Ebersberg in München auf. Mit Rucksäcken, Brot, Reisepässen, orangefarbenen T-Shirts und zwei Maskottchen, ein Zwerg und ein Pandabär. Letzteren hat ihnen ein Autofahrer, der sie als erstes an diesem Tag mitgenommen hat, geschenkt. Jetzt, nach Mitternacht, sind sie in Lund gestrandet. „Wir waren kurz davor zu weinen“, erzählen beide. Und das nicht, weil ihr Team „BisEinerWeint“ heißt. Sondern, weil es weit und breit keinen Zug gibt, der sie von hier wegbringen könnte, und Sonja Fieber bekommt und krank wird.

Gestrandet am Bahnhof in Lund mit Fieber

Es ist ein Abenteuer für den guten Zweck, das Sonja und Julia Türmer wagen und jetzt quälend durchziehen müssen. Und das sie dazu nötigt, in dieser Nacht mit Schlafsäcken auf Bänken im Lunder Bahnhof zu nächtigen, wenigstens ein paar Stunden, um Kraft zu tanken. Mit Zügen sind sie durch Deutschland gereist, sind getrampt und mit Fähren über die Ostsee geschippert – alles ohne dafür eigenes Geld auszugeben.

„Breakout“ heißt der Reisewettbewerb, bei dem die Schwestern mitmachen. Ein Projekt von Münchner Studenten (hier der Vorbericht). Die Spielregeln: Komme so weit es geht. In 36 Stunden. Ohne Geld. Trampen, Fliegen, auf Eseln reiten in U-Booten fahren. Alles ist möglich. Nur dürfen die Zweierteams kein eigens Geld zum Reisen verwenden oder von anderen annehmen. Sonja Türmer machte 2017 bereits mit und schaffte es mit ihrem damaligen Partner bis Trondheim, 1700 Kilometer – die weiteste Strecke aller 135 Teams damals.

Breakout: Ein Abenteuer für den guten Zweck

Durch Familie, Freunde oder Firmen können sich die Teams spon­sern lassen. So wie in diesem Jahr. Ein Ebersberger Optiker beteiligt sich mit 20 Cent pro zurückgelegten Kilometer, maximal 300 Euro, am Team von Julia und Sonja Türmer. Viel Geld kommt auch von der Familie der Schwestern. Das Geld geht als Spende an soziale Projekte, heuer an den Verein „EinDollarBrille“, der Menschen unterstützt, die sich keine Brille leisten können und Optiker in armen Ländern ausbildet.

„Wir wollen mit dieser Reise anderen helfen“, sagen Sonja und Julia. Mit sogenannten „Challenges“, also gestellten Aufgaben, die die Schwestern erfüllen mussten, konnten sie ebenfalls Geld einnehmen. Die Aufgaben konnte jeder auf der Breakout-Homepage den verschiedenen Teams stellen. Zum Beispiel: „Macht ein Foto einer Küste, an der ihr vorbei müsst.“ Oder: „Macht Fotos mit euren Maskottchen vor Sehenswürdigkeiten.“

Mehr zur Reise von Sonja und Julia im Breakout Reiseprotokoll 

Bis kurz vor Syrien...

Doch die Erkrankung von Sonja plagt sie derart, dass die Schwestern sich am Samstag entscheiden, den Wettbewerb frühzeitig abzubrechen. Sie schlagen sich nach Kopenhagen durch und fliegen mit dem Flugzeug nach München zurück. Dennoch sind sie zufrieden, wie sie unserer Zeitung berichten: 734 Euro haben sie an Spenden sammeln können „und wahnsinnig viel Erfahrung“, wie sie sagen. „Wir haben Menschen getroffen, die uns sofort mit dem Auto mitgenommen und uns unterstützt haben, und andere, die uns völlig verdutzt angeschaut und dann ignoriert haben.“

Übrigens: Die weitesten Reisen endeten für drei Teams in Marrakesch in Marokko, Hurghada in Ägypten und kurz vor Syrien in der Osttürkei. „Mit viel Glück bekommt man von jemandem am Flughafen ein Ticket gesponsert“, erzählt Sonja Türmer. Solange man nur das Ticket und nicht das Geld für den Kauf eines solchen annimmt, sei alles erlaubt.

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