Brücken: Instabiler als gedacht

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Landkreis Ebersberg - Lange nichts passiert? Bei fast jedem vierten Brückenbauwerk im Landkreis ist laut Straßenbauamt eine „kurzfristige Instandsetzung erforderlich“.

Wer neulich orange Männchen auf der Brücke bei Reitgesing gesehen hat, die mit dem Hammer den Beton abklopften, braucht sich keine Sorgen zu machen beim Durchfahren unten drunter. Das war reine Routine. Aber: Nicht alle Brücken sind in bestem Zustand im Landkreis Ebersberg. Einige sogar nicht mehr standsicher. Und: Wenn eine erneuert werden muss, kommt das der Kommune sehr teuer, falls es sich um eine Gemeindestraße handelt.

Von der Kommune Emmering musste erst 2012 ein Neubau über die Attel bei Obermühle bewältigt werden, „die hätten wir sonst auf zwei Tonnen beschränken müssen. Da kann nicht mal mehr der Milchlaster drüberfahren“, berichtet Bürgermeister Max Maier von der abgeschlossenen Maßnahme. Der Ersatzbau hat ungefähr 400 000 Euro gekostet. Viel Geld für die kleine Gemeinde Emmering, aber immerhin gab es etwa 60 Prozent Zuschuss vom Staat.

In Bayern sind angeblich insgesamt 1292 Brücken marode - warnte der SPD-Fraktionschef im Landtag, Markus Rinderspacher. „Wenn zum Beispiel in Oberbayern von 1198 Brücken 361, also 30 Prozent sanierungsbedürftig sind - und davon 51 mit beeinträchtigter Verkehrssicherheit - kann man nicht fassen, was die Staatsregierung hier tut“, wetterte Rinderspacher. Das sei versteckte Staatsverschuldung auf Kosten der Sicherheit. Eine dieser sanierungsfälligen Brücken steht auf jedem Fall im Landkreis Ebersberg (siehe auch Kasten). Sie ist seit Monaten gesperrt, weil die Auffahrten abgebrochen sind. „Im Laufinger Moos ist es nur der Brückendamm“, beschwichtigt Christian Reichl vom Straßenbauamt Rosenheim. Als ob das für einen Steuerzahler von Belang wäre, für die Behebung welchen Pfusches genau sein Geld verwendet wird. Oftmals hilft nur eine Abstufung. Die Gruber Brücke in Poing zum Beispiel wurde teilsaniert - auf Kosten der Gemeinde, weil ihr das Bauwerk von der Eisenbahn übereignet worden war. Die Pfeiler blieben stehen, die Spannteile wurden erneuert. Jetzt ist das Bauwerk nur für Fußgänger und Radfahrer zugelassen. Das kam billiger.

Manchmal wird nur abgerissen und nichts mehr neu aufgebaut. Das war in Eisendorf so, als vor geraumer Zeit bereits ein Brücke abgetragen werden musste, die über die Eisenbahnlinie München-Rosenheim führte. Die war so kaputt, dass Teile davon auf die durchfahrenden Züge fielen. Weil die Straße nur wenig befahren war, wurde pro Abriss entschieden.

So einfach geht es aber nicht immer, und das hat auch der Landkreis als Eigentümer eines solchen Bauwerks bereits erfahren müssen. Es ist die Brücke bei Kronau, die einmal jährlich einer Belastungsprobe unterzogen wird - dann nämlich, wenn das Sautrogrennen stattfindet. Der Kreis hat an dieser Brücke bereits Ausbesserungen vorgenommen, die Last wurde auf 12 Tonnen beschränkt.

Brücken die dem Staat gehören, müssen von einem Ingenieur alle drei Jahre „detailliert“ untersucht werden, informiert Reichl. Aber auch die kleinen Überwege verursachen einen Arbeitsaufwand. Zum Beispiel ist die Stadt Grafing zuständig für die Baulast von drei Brücken über die Attel. „Bei Henneleiten, Aiterndorf und an der Kläranlage“, informiert Stefan Pecher von der Stadtverwaltung. Eine Sanierung sei immer teuer, „abhängig von der Brückenlast und der Spannweite“, sagt Pecher. Manchmal gehören Brücken auch einem Wasserverband. Rathauschef Maier kennt so ein Beispiel. „Wenn die kaputt geht, wird wohl die Gemeinde einspringen müssen. der Verband wird das nicht stemmen.“

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