Digitaler Impfpass
+
Bald wieder problemlos in den Urlaub fliegen? Der digitale Impfpass soll auch das Reisen erleichtern.

Doch noch bleiben fragen offen

Still und heimlich: Bayerischer Landkreis führt als erste Region Deutschlands digitalen Impfpass ein

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
    schließen
  • Franziska Konrad
    Franziska Konrad
    schließen

Ein digitales Dokument, das die Impfung registriert und den Alltag erleichtern soll: Im bayerischen Landkreis Ebersberg ist das nun möglich. Deutschlandweit wurde hier der erste digitale Impfpass eingeführt.

Ebersberg - Langsam aber sicher zieht das Impftempo im Freistaat an. Auch ein digitaler Impfpass soll nach und nach eingeführt werden. Jetzt kommt heraus: Der oberbayerische Landkreis Ebersberg hat das digitale Dokument bereits eingeführt. Jeder Bürger, der eine Corona-Impfung erhalten hat, kann sich demnach damit registrieren. Bild.de berichtete darüber zuerst.

Corona-Impfung in Bayern: Digitaler Impfpass seit dieser Woche im Landkreis Ebersberg zugelassen

„Der Impfpass ist durch den Freistaat Bayern in Vertretung durch den Landkreis Ebersberg zugelassen“, äußert sich der Leiter des Impfzentrums, Liam Klages, gegenüber der Redaktion von Merkur.de. Und so funktioniert der digitale Impfpass:

- Der erste Schritt ist die Registrierung: Vor der Corona-Impfung im Ebersberger Impfzentrum müssen die Personen ihren Ausweis oder Reisepass vorzeigen. Gemeinsam mit der Ausweisnummer wird - von Hausarzt oder Impfzentrum - vermerkt, wann und mit welchem Corona-Impfstoff die jeweilige Person geimpft wurde. Ebenso notiert wird die Chargennummer. Aus diesen Informationen wird anschließend ein sogenanntes Impfzertifikat erstellt. Per App können sich Geimpfte dieses Dokument anzeigen lassen. Die Registrierung erfolgt über die Website des Angebots: app.pass.health. Eine Freischaltung für die App-Stores von Google und Apple steht laut dem Betreiber noch aus. Wer bereits vor Einführung des Systems geimpft wurde oder sich aus einem anderen Grund nachtragen lassen möchte, kann dies laut Impfzentrum über die Hotline tun: 080 92/86 31 40

Digitaler Impfpass in Bayern: Zertifikat und App sind gratis

- Der Datenschutz spielt beim digitalen Impfpass eine Rolle. Abgesehen von der Ausweisnummer werden dort keine weiteren persönlichen Daten gespeichert, erklärt Klages. Details wie Namen und Adresse können die Nutzer der App wenn sie möchten eigenständig angeben.

- Der Impfpass - Impfzertifikat sowie die zugehörige App - sind laut Impfzentrum gratis.

- Den Impfpass gibt es übrigens nicht erst nach der zweiten Impfung. Das Impfzentrum betont: Wer möchte, kann sich das Dokument auch bereits nach der ersten Impfung herunterladen.

Corona-Impfung: 1000 Menschen aus Ebersberg nutzen bereits digitalen Impfpass

Im Landkreis Ebersberg kommt das digitale Impfangebot offenbar gut an. Mehr als 1000 Bürger haben nach Angaben des Impfzentrums die App bereits auf ihrem Handy nutzen. Insgesamt haben im Landkreis Ebersberg bereits um die 10 000 Menschen zwei Corona-Impfungen erhalten.

Über kurz oder lang soll der digitale Impfpass unter anderem auch das Reisen wieder einfacher machen. „Der Impfausweis soll schon bald zu Erleichterungen im täglichen Leben und bei Reisen führen. Er ist fälschungssicher, datenschutzkonform und hat eine Schnittstelle zur einheitlichen europäischen Lösung - wann immer sie kommt, Ebersberg ist bereit und vorn dabei“, äußerte sich Landrat Robert Niedergesäß gegenüber der Bild-Zeitung.

Digitaler Impfpass: Es hapert noch an der Bekanntheit

Die eine oder andere Startschwierigkeit hat das digitale Modell in seiner Erstversion aber noch: Wie Impfzentrumschef Klages Merkur.de erzählt, scheiterte er selbst mit der App am Security-Mann eines Einzelhandelsgeschäftes. „Der wusste nicht, dass es schon so etwas gibt und hat mich nicht reingelassen“, sagt Klages und fügt an: „Zum Glück hatte ich auch einen aktuellen Testnachweis dabei.“ Solange also die App nicht zumindest regional bekannt ist, sieht es mit der Akzeptanz schwierig aus - und möglicherweise könnten Fälscher auf die Idee kommen, auf eine ähnliche Optik zurückzugreifen.

Dem soll eine Prüfmöglichkeit per QR-Code begegnen, mit denen beispielsweise Ladenbesitzer die in der Datenbank hinterlegte Personalausweisnummer mit dem Ausweis eines Kunden abgleichen können. „Unsere Lösung ist datenschutzkonform und fälschungssicher“, verspricht Martin Behmann, Chef des Magdeburger Unternehmens „aLIVE“, das die Software entwickelt hat. Geprüft hätten das TÜV und die Zertifizierungsstelle DQS. „Der digitale Impfnachweis ist auf jeden Fall sicherer als der klassische gelbe Impfpass“, verspricht Impfzentrums-Chef Klages.

Theoretisch könnte sich jemand, der die Personalausweisnummer und Impfdatum eines in Ebersberg Geimpften kennt, mit seinem Namen den Impfnachweis unter den Nagel reißen. „Eine Doppelregistrierung ist aber nicht möglich“, sagt Klages. Das heißt: Sobald der Geimpfte sich eingetragen hat, kann kein Zweiter sie mehr verwenden. „Die Idee ist, dass sich die Geimpften auch sofort registrieren“, sagt der Impfzentrumschef. Und Martin Behmann von „aLIVE“ betont, dass die Personalausweisnummer jedes Mal aufs Neue vor Ort bei einem Eintritt abgeglichen werden könne. Auch gehe die Firma jedem Fall nach, in dem es Probleme gebe „Lügen haben kurze Beine“, sagt er.

Europäischer Impfnachweis: Ebersberger Lösung soll kompatibel sein

Fälschungssicherheit sei ein entscheidendes Kriterium für das Landratsamt Ebersberg gewesen, die Software überhaupt einzuführen, betont Brigitte Keller, Finanzmanagerin und Chefin des Corona-Krisenstabs Im Landratsamt. Die zweite sei die Kompatibilität mit einem späteren flächendeckenden Angebot, beispielsweise in Form eines Updates für die Corona-App. „Wir wollen keine Arbeit umsonst machen“, so Keller. Die Daten aus dem digitalen Ebersberger Impfpass könnten daher auch für den geplanten europäischen Impfnachweis übertragen werden, der im Juni kommen soll.

Jene Sicherheitslücke zum Thema Betrug und Fälschungen bringt Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in große Bedrängnis. Droht deshalb sogar ein Chaos für den deutschen Impfpass? Für Spahn hagelt es Kritik von allen Seiten.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen Ebersberg-Newsletter.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare