Am Durchgang zur Coronastation in der Kreisklinik Ebersberg steht deren Ärztlicher Direktor, Dr. Peter Kreissl.
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Am Durchgang zur Coronastation in der Kreisklinik Ebersberg steht deren Ärztlicher Direktor, Dr. Peter Kreissl.

Hilfskrankenhaus als letzte Option

Corona: Das ist der Notfallplan für die Kreisklinik Ebersberg

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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  • Robert Langer
    Robert Langer
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Für den Fall extrem steigender Corona-Patientenzahlen haben der Landkreis Ebersberg und die Kreisklinik einen Notfallplan in der Schublade. Der Wiederaufbau des Behelfskrankenhauses in der Schulturnhalle ist dabei die letzte Option.

Landkreis – Ein Hilfskrankenhaus als Reaktion auf die steigenden Corona-Zahlen – wie es dies bereits einmal in der ersten Jahreshälfte gab – sieht Landrat Robert Niedergesäß (CSU) derzeit nicht als notwendig an. Für den möglichen Katastrophenfall liegt ein anderes Szenario in der Schublade: Betroffene Patienten sollen dann direkt in der Ebersberger Kreisklinik versorgt werden. Diese könne um rund 100 auf etwa 400 Betten aufstocken.

„Wir müssen und wollen die Gesamtversorgung aufrecht erhalten.“

Dr. Peter Kreissl, Ärztlicher Direktor der Kreisklinik Ebersberg

Prognosen, ob es überhaupt soweit kommt, sind ob des dynamischen Infektionsgeschehens schwierig. Die Klinik spürt den bundesweiten Anstieg der Covid-19-Patientenzahlen. Aber derzeit in einem Rahmen, der zu handhaben sei, bestätigt Dr. Peter Kreissl, der Ärztliche Direktor. Das liege wohl auch daran, dass inzwischen Jüngere unter den Infizierten einen größeren Anteil einnehmen und deren Krankheitsverläufe im Schnitt milder ausfielen.

Engpässe drohen beim Personal

Doch weil eine Mehrung der Patienten nicht auszuschließen ist, machen sich die Ebersberger Mediziner Gedanken. Bei steigenden Zahlen seien die Kapazitäten vor allem eine Frage des Personals. Der Punkt sei erreicht, an dem er Kräfte aus anderen Abteilungen für die Corona-Pflege abstellen müsse, betont Kreissl. „Wir machen alle Überstunden“, sagt er. „Wir müssen und wollen die Gesamtversorgung aufrecht erhalten.“ Unfälle, Blinddarmdurchbrüche und Herzinfarkte gebe es immer noch. Wenn es gar nicht anders gehe und die Patientenzahlen speziell auf der Intensivstation weiter stiegen, werde die Klinik geplante, nicht dringliche Operationen verschieben. „Das ist unser Spielraum“, so der Ärztliche Direktor. OP-Personal habe die intensivmedizinische Ausbildung für den Bereich. „Intensivpfleger fallen nicht von den Bäumen“, warnt er.

Ihre Coronastation könne die Klinik regulär anhand eines Drei-Stufen-Plans auf 42 Betten aufstocken. Derzeit ist Stufe zwei erreicht. „Für den Katastrophenfall gelten nochmals andere Regeln“, sagt Kreissl. Dann greift der Plan des Landratsamts.

Im Ernstfall ist Platz für fast 100 zusätzliche Betten

Die zusätzlichen rund 100 Liegeplätze in der Kreisklinik können laut deren Geschäftsführer Stefan Huber im sogenannten Pfarrer-Guggetzer-Haus untergebracht werden, das bereits den größten Teil der Coronastation beherbergt. Der Modulbau werde derzeit vor allem für Verwaltungsaufgaben genutzt, könne binnen weniger Tage geräumt, mit zusätzlichen Betten ausgestattet und isoliert werden. Zudem sei die Zahl der Beatmungsgeräte in der Klinik von zehn auf 25 erhöht worden. „Wir sehen uns gut gerüstet“, sagt Huber.

Falls darüber hinaus ein Hilfskrankenhaus notwendig würde, dann wie im Frühjahr die damals nicht benötigte Turnhalle der Realschule in Ebersberg. Die Halle bekam damals unter anderem eine Lüftungsanlage. Zudem liege sie in der Nähe der Kreisklinik, wie Brigitte Keller, zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, auf Anfrage der Ebersberger Zeitung erklärte. Jedoch seien die damals vorbereiteten Betten inzwischen abgegeben und die Sauerstoffgeräte geleast gewesen. Wie schnell ein Hilfskrankenhaus aufgebaut werden könnte, darauf wollte sich im Landratsamt niemand festlegen. „Das letzte Mal waren es 14 Tage“, so Keller. Im schlimmsten Fall könne man auf bestehende Erfahrungen aufbauen.

Beim Personal, erklärt Abteilungsleiterin Keller vom Landratsamt, könne man unter anderem umschichten und Fachkräfte von bestimmten Arbeiten entlasten, wie etwa Essen zu bringen oder Betten aufzuschütteln. Dafür könnte man auch weitere Helfer einsetzen. Die Rede war von „Helfenden Händen“.

Alle aktuellen Entwicklungen zu m Coronavirus lesen Sie im Ticker der Ebersberger Zeitung.

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