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Corona in Ebersberg: Großteil der Intensivpatienten geimpft - Chefarzt erklärt mögliche Gründe und gibt Rat

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Von: Josef Ametsbichler

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Ein Facharzt und eine Intensivpflegerin intubieren einen Covid-19-Patienten auf einer Intensivstation.
Ein Facharzt und eine Intensivpflegerin intubieren einen Covid-19-Patienten auf einer Intensivstation. © Jan Woitas/dpa

Von acht Covid-19-Patienten, die derzeit auf der Intensivstation in Ebersberg beatmet werden, sind sechs vollständig gegen das Virus geimpft. Woran liegt das? Der Intensiv-Chef klärt auf.

Ebersberg – Warum liegen derzeit augenscheinlich so viele vollständig geimpfte Covid-19-Patienten auf Intensivstationen - und zwar noch mehr als Ungeimpfte? Peter Lemberger, Pandemiebeauftragter und Chef der Intensivstation, beobachtet, dass viel davon abhängt, wie lange die Corona-Impfung her ist – und auch andere Faktoren spielen eine Rolle.

Corona: Darum liegen so viele Geimpfte auf der Intensivstation - „Das hat uns überrascht“

„Die Impfwirkung lässt mit der Zeit enorm nach“, sagt Lemberger am Telefon. Er spricht von einem Abfall auf rund 20 Prozent Schutzwirkung nach einem halben Jahr. Das gelte nicht nur für die ohnehin schwächelnde Einmal-Impfung mit Johnson&Johnson und das kaum mehr verwendete Mittel von Astrazeneca, sondern auch für die mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna. „Das hat uns überrascht und war den Herstellern wohl auch nicht so bewusst“, sagt der Intensivmediziner.

Pandemiespezialist: Peter Lemberger, Chef der Intensivstation an der Kreisklinik Ebersberg.
Pandemiespezialist: Peter Lemberger, Chef der Intensivstation an der Kreisklinik Ebersberg. © Klinik

Allerdings sei bislang kein Dreifach-Geimpfter bei ihm auf der Intensivstation gelandet. „Auf alle Fälle boostern“, rät er darum. „Die Menschen müssen sich jetzt schützen.“ Bei der neuen Omikron-Variante sei die Datenlage noch dünn. Möglicherweise werde eine vierte Impfung fällig. Derzeit sei aber Delta das Problem und dagegen zeige der Impfstoff gute Wirkung.

Corona-Mediziner: Ohne den Impfstoff wären es viel mehr schwere Verläufe

Trotz der aktuellen Klinik-Belegung – die Normalstation eingerechnet sind 20 der 30 Covid-19-Patienten in Ebersberg geimpft – seien schwere Verläufe deutlich seltener. „Ohne den Impfstoff wären es viel mehr“, sagt der Chefarzt mit Blick auf die Ansteckungszahlen.

Dass immer mehr Geimpfte in der Klinik liegen, hat dem Pandemie-Beauftragten Lemberger zufolge neben dem Nachlassen der Wirkung über die Zeit noch zwei weitere Gründe. So seien zum einen mehr als 80 Prozent der Über-60-Jährigen geimpft – dieser hohe Anteil an der Gesamtbevölkerung bedinge zwangsläufig, dass mehr Geimpfte in der Klinik vorstellig würden. „Niemand hat behauptet, dass die Impfung zu 100 Prozent schützt“, sagt Lemberger.

Zum anderen sei gerade auf der Intensivstation ersichtlich, dass bei Patienten mit vorgeschädigtem Immunsystem auch die Impfung weniger schütze. Lemberger nennt den Fall eines Mannes, der wegen schweren Rheumas ein immunsupprimierendes Medikament einnehmen musste und an eine Frau, die sich wegen Brustkrebs in einer Chemotherapie befand. Beide seien trotz zweier Impfdosen so schwer erkrankt, dass sie beatmet werden mussten.

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