Die Lufthansa-Stewardess Sandra Kummert mit einem digitalen Stirnthermometer.
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„Mir geht es um die Sache. Ich bin absolut pro Impfen“, sagt die Lufthansa-Stewardess Sandra Kummert (hier mit einem digitalen Stirnthermometer). Die Grafingerin arbeitet derzeit im Ebersberger Impfzentrum.

Engagement in der Kurzarbeit

Zwischengelandet: Diese Stewardess ist jetzt Impf- statt Flugbegleiterin

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Lufthansa-Stewardess Sandra Kummert darf wegen der Corona-Pandemie zurzeit nicht fliegen. Dafür hilft sie nun im Impfzentrum Ebersberg. Die beiden Jobs sind sich gar nicht unähnlich.

Ebersberg – Die Hände hinter dem Rücken verschränkt steht Sandra Kummert im Eingang der ehemaligen Schalterhalle. Sie lächelt, das sieht man trotz der Maske, denn die Augen lächeln mit. Gerade hat ein Senioren-Ehepaar am Empfangsschalter des Ebersberger Impfzentrums für seinen Termin „eingecheckt“. Kummert führt die beiden mit einem freundlichen „Hier entlang, bitte“ zu den Wartestühlen und platziert sie mit einem ebenso freundlichen „Ein paar Minuten dauert es noch“ auf zwei Stühlen.

Wenn Sandra Kummert spricht, sprechen ihre Hände mit. Das dürfte mit ihrem Beruf als Stewardess zusammenhängen.

Wenn die 44-Jährige spricht, sprechen die Hände mit: Weist sie den Weg, deutet sie ausladend mit den Armen, als ob sie Passagiere von der Gangway ins Flugzeug dirigiert. Spricht sie über ein Formular, umreißen die Zeigefinger vor ihrem Kopf ein Rechteck. Alte Gewohnheiten legt man nicht so leicht ab: Eigentlich ist Kummert von Beruf Stewardess, das Sprechen mit den Händen gehört da zum Job.

Weißes Polshirt und FFP2-Maske statt Lufthansa-Uniform

Abgehoben ist die Grafingerin, die eigentlich beruflich rund um die Welt jettet, aber seit Monaten nicht mehr: Die Pandemie hat die Flugbranche schwer gebeutelt, es herrscht Kurzarbeit. Deshalb hat Kummert mit dem Segen ihres Arbeitgebers die Lufthansa-Uniform gegen ein weißes Poloshirt und eine FFP2-Maske eingetauscht. Auf Minijob-Basis hilft sie im Impfzentrum dabei, den „Impflingen“ beziehungsweise „Gästen“, wie sie betont sagt, das Prozedere rund um die begehrte Spritze so angenehm und unkompliziert wie möglich zu machen.

Insgesamt sind es sechs „Lufthanseatinnen“, die vorübergehend von Flug- auf Impfbegleiterin umgesattelt haben. Ähnlich geschieht das auch anderswo in Deutschland. „Lufthansa begrüßt die Initiativen der Mitarbeiter während ihrer Kurzarbeit, die Impfzentren personell zu unterstützen“, erklärt die Airline. „Wir ermutigen die Kolleginnen und Kollegen, diese Chancen anzunehmen.“

Sich kümmern und Ängste nehmen: Im Impfzentrum ist ihr Job ganz ähnlich wie im Flugzeug

Sich kümmern, positive Stimmung verbreiten, auf Ängste eingehen: „Das ist wie an Bord“, sagt Kummert über ihre jetzige Aufgabe und schmunzelt hinter der Maske hervor. Die Senioren der höchsten Risikogruppe seien oft ein wenig unsicher, die letzte Impfung liege gern Jahrzehnte zurück. Da helfe eine freundliche Ansprache. Viele kämen auch bis zu eine halbe Stunde vor der vereinbarten Zeit. „Nicht nötig“, verspricht Impfzentrums-Chef Liam Klages. Wer einen Termin habe, für den sei auch Impfstoff da.

Mir geht es um die Sache.

Sandra Kummert, Mitarbeiterin im Impfzentrum Ebersberg

Man merkt: Nur wegen der 450 Euro extra im Monat ist die Grafingerin Kummert nicht hier. „Mir geht es um die Sache“, sagt sie. „Ich bin absolut pro Impfen.“ Sie erzählt von ihrem Vater, 86, der jüngst über die Hotline einen Impftermin bekommen habe und bald endlich seine beiden Enkel, Kummerts Kinder (4 und 6) wieder ohne Angst vor einer Ansteckung sehen könne. Davon, dass sie sich als Impfzentrums-Mitarbeiterin natürlich selbst impfen habe lassen. Und sie erzählt davon, wie ihr das Fliegen, die Passagiere und die Kollegen fehlen. „Den Kontakt zu Menschen habe ich hier wieder“, sagt sie.

Senioren sind froh über die Impfung: Manche Begegnungen sind emotional berührend

Es gibt immer wieder Begegnungen mit den „Gästen“, wie sie die Impfpatienten konsequent nennt, die sie nicht so schnell vergessen wird. Ein älterer Herr bringt Pralinen mit. Ein Ehepaar, beide von Demenz betroffen, marschiert händchenhaltend gemeinsam ins Arztzimmer. „Das berührt mich“, sagt Kummert. Vielen sei die Dankbarkeit anzumerken, dass sie den Schutz endlich bekommen, das zeige sich im Zwischenmenschlichen. Bedauerlich sei nur, dass immer noch viel weniger Impfstoff da ist, als es impfwillige Senioren gibt. „Es könnte viel mehr gehen“, sagt Sandra Kummert. „Aber immerhin geht was.“

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