Beratungsgespräch: Eine Ärztin klärt im Ebersberger Impfzentrum einen Senior zur Impfung auf. Foto: sro
+
Beratungsgespräch: Eine Ärztin klärt im Ebersberger Impfzentrum einen Senior zur Impfung auf.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

So werden Sie geimpft: Die Corona-Immunisierung im Landkreis Ebersberg erklärt

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
    schließen

Wenig Impfstoff, viele Fragen: Die Immunisierung gegen das Coronavirus läuft im Landkreis Ebersberg erst an. Wer wann wie drankommt: Die Ebersberger Zeitung klärt die wichtigsten Fragen.

Landkreis – Die ersten Bürger im Landkreis Ebersberg sind bereits mit der ersten Dosis des Biontech-Impfstoffs gegen das Coronavirus geimpft. Wie es für sie und die anderen weitergeht, die noch auf den entscheidenden Pieks warten, erklären das Landratsamt sowie Dr. Marc Block, Internist aus Ebersberg und Ärztlicher Koordinator für den Landkreis in der Corona-Pandemie.

Soll ich mich impfen lassen?
„Ich empfehle allen, für die eine Impfung gegen Covid-19 möglich ist, sich impfen zu lassen“, sagt Dr. Marc Block. Die Vorteile überwiegen seines Erachtens deutlich die Risiken der Impfung.
Wie sicher ist die Impfung?
Dr. Block sieht keinen Grund zur Sorge: „Die Impfung mit dem neu zugelassenen Impfstoff wurde in mehreren, weltweit durchgeführten Studien als sicher und wirksam beurteilt. Auch wenn der Impfstoff gegen SARS-CoV-2 neu entwickelt wurde, beruht die hierfür verwendete Technologie der Arzneimittelentwicklung auf bereits seit vielen Jahren bekannte und vielfach erforschte Prinzipien einer zielgerichteten Beeinflussung der menschlichen Immunantwort.“
Wer klärt mich persönlich über die Impfung auf?
Vor dem Setzen der Spritze findet ein Arztgespräch statt. Dabei geht es nicht nur um mögliche Nebenwirkungen, sondern auch um die individuellen Bedürfnisse des Impflings, wie Vorerkrankungen, Allergien oder Medikamente, die einer Impfung im Wege stehen könnten.
Wo werde ich geimpft?
Im Impfzentrum am Sparkassenplatz in Ebersberg. Dort finden laut Landratsamt derzeit mindestens 150 Impfungen am Tag statt. Dazu kommen rund 50 Impfungen durch die mobilen Teams in Seniorenheimen. Bei mehr verfügbarem Impfstoff soll das Impfzentrum bis zu 750 Dosen am Tag verabreichen können. Erst wenn genügend Impfstoff in kleineren Liefereinheiten verfügbar ist, werden die Impfungen zu einem großen Teil in den Arztpraxen durchgeführt. Immobile Senioren, die nicht in einem Heim wohnen und nicht ins Impfzentrum kommen können, werden durch die mobilen Teams zuhause geimpft, erklärt das Landratsamt, „aber erst dann, wenn alle Heimbewohner geimpft sind“.
Wie komme ich an einen Impftermin?
Die Telefonhotline des Impfzentrums ist täglich erreichbar, von 6–22 Uhr unter der Nummer (0 80 92) 86 31 40. Ohne Termin ist keine Impfung möglich. Eine Warteliste wird durch das Impfzentrum nicht aufgebaut. Weil der Impfstoff noch knapp ist, werden zunächst nur besonders gefährdete Gruppen geimpft, betont das Landratsamt: Senioren älter als 80 Jahre, Bewohner von Alten-, Pflege- und Behinderteneinrichtungen sowie deren Pflegepersonal und medizinisches Fachpersonal mit hohem Ansteckungsrisiko. Diese rund 10 000 Menschen sollen laut Landratsamt bis Ende März ihre Spritze bekommen. Landkreisbürger über 80 erhalten dazu dieser Tage Post vom Landratsamt.
Wann kommt genug Impfstoff im Landkreis an?
Bisher ist in der EU nur der Impfstoff des Herstellers Biontech/Pfizer zugelassen. Bis weitere Impfstoffe auf den Markt kommen, hängt der Nachschub von dessen Produktionskapazitäten ab. Ob es später eine Wahlmöglichkeit zwischen den Herstellern geben wird, ist laut Landratsamt bisher nicht vom Gesundheitsministerium geklärt. Bis zum Jahreswechsel sind laut Landratsamt rund 600 Impfdosen im Landkreis Ebersberg angekommen – planmäßig sollen es nun vorerst weitere 1000 pro Woche sein – die Lieferung in der kommenden Woche kommt aber wegen einer bayernweiten Versorgungspanne wohl erst am 8. Januar.
Ab wann bin ich geschützt?
Die volle Schutzwirkung entfaltet der Impfstoff laut Hersteller sieben Tage nach Verabreichung der zweiten Dosis. Diese muss dafür etwa drei Wochen nach der ersten gespritzt werden. Die Patienten des Impfzentrums in Ebersberg erhalten deshalb immer gleich zwei Impftermine. Die Impfdosen für die Zweitimpfung hält der Freistaat sicherheitshalber zurück, um diesbezüglich keine Lieferengpässe zu riskieren. Nach einer erfolgreichen Impfung sinkt das Risiko einer Erkrankung an Covid-19 laut Hersteller um 95 Prozent.
Wie hoch ist die Impfbereitschaft im Landkreis Ebersberg?
„Es werden alle Dosen geimpft, die geliefert werden“, betont das Landratsamt. Die Nachfrage sei groß, in den Pflegeheimen ließen sich über 90 Prozent der Menschen impfen. Auch die Hotline des Impfzentrums sei stark ausgelastet. „Erfreulicherweise scheint die Impfbereitschaft im Landkreis hoch zu sein“ berichtet auch der Ärztliche Koordinator Dr. Marc Block. Diese Einschätzung beruhe auf seiner Erfahrung aus vielen Gesprächen mit Patienten in seiner Zornedinger Arztpraxis und verschiedenen Seniorenheimen. Die Impfbereitschaft hänge sehr vom persönlichen Risiko und Krankheitserfahrungen der Gesprächspartner ab. So könnten es ältere und kranke Patienten kaum erwarten, gegen Covid-19 geimpft zu werden. Jüngere, gesunde Personen bewerteten die Impfung oft als sinnvoll, möchten aber nicht unbedingt bei den Ersten sein. Rigorose Impfgegner begegneten ihm nur ganz vereinzelt. „Das ist eine Minderheit, die sehr laut schreit“, sagt der Arzt.
Welche medizinischen Fragen sind noch offen?
„Wir wissen noch nicht, wie lange der Impfschutz durch eine Grundimmunisierung besteht und in welchen Zeitintervallen Auffrischimpfungen möglich sind“, so Dr. Block. Darüber hinaus sei noch nicht ausreichend erforscht, ob Kinder, Stillende und Schwangere geimpft werden können. Bei den Langzeitfolgen des Impfstoffes gebe es naturgemäß noch keine Erfahrungswerte. Dr. Block sagt aber: „Diese Risiken sind klein im Vergleich zu dem Nutzen, den wir jetzt haben.“

Alle Nachrichten aus dem Landkreis Ebersberg bei der Ebersberger Zeitung.

Auch interessant

Kommentare