Mit großem technischen Aufwand werden die Online-Shows im alten kino in Ebersbergrealisiert.
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Mit großem technischen Aufwand werden die Online-Shows im alten kino in Ebersbergrealisiert.

Das Ebersberger alte kino arbeitet trotz Corona auf Hochtouren – Online-Angebot kommt gut an

Kultur in Not: Das Beste draus machen

Ausgefallene Veranstaltungen, fehlende Einnahmen, Kurzarbeit. Ein mögliches Schließungs-Szenario wurde immer wieder mahnend an die Wand geworfen. Doch davon ist längst keine Rede mehr. Das Ebersberger alte kino arbeitet wie eh und je, nur eben ohne Publikum im Haus. Das Programm wird einfach im Internet übertragen, was offensichtlich guten Anklang findet.

Ebersberg - Alleine bei den letzten beiden Abenden hatte man 270 bzw. 130 zahlende Online-Gäste. „Und damit fast doppelt so viele Zuschauer,“ erklärt Hausherr Markus Bachmeier, „denn mit einem Zugang können mehrere Personen gleichzeitig schauen.“ Im alten kino selbst sind maximal 200 Gäste möglich. Publikumssteigerung also. Klingt als ob sich die Ebersberger Theaterbetreiber mit der Corona-Situation abgefunden haben, zumindest damit arrangiert. „Dramatisch ist es schon,“ entgegnet Bachmeier, „aber man muss die Gegebenheiten hinnehmen und einfach das Beste daraus machen.“

Streaming wird als Zusatz bleiben

Finanzielle Unterstützung für die zum Streaming notwendige Technik hat es immerhin gegeben. Bachmeier sieht damit übrigens nicht das Ende der Live-Kultur eingeläutet. „Live-Veranstaltungen wird es weitergeben. Das Streamen wird lediglich als Zusatz bleiben. Immerhin können wir so auch Menschen erreichen, die nicht so mobil sind.“ Eines stellt er indes noch klar: „Streaming bedeutet für uns nicht, den Abend einfach abzufilmen. Wir machen viel mehr als einfach nur eine Kamera hinzustellen.“ Vor den Übertragungen werden beispielsweise selbstproduzierte Portraits über die Künstler und Interviews gezeigt. „Das ist viel Arbeit. Die Videos müssen gedreht und geschnitten werden.“

Das Know-how dazu lernen die Theaterleute beim Machen. „Freilich haben uns Profis gezeigt, wie das geht.“ Trotz dieses Digitalisierungsschubs im alten kino, die Sehnsucht nach Live-Veranstaltungen ist unverkennbar. Bachmeier möchte das Haus natürlich möglichst bald wieder für sein Publikum öffnen. Doch das muss, wie es derzeit scheint, noch warten. Dabei sah es kürzlich so verheißungsvoll aus: die Corona-Inzidenz im Landkreis lag bei knapp über 30, die Lockerungsbeschlüsse rückten eine Wiedereröffnung des Theaters fürs Publikum in greifbare Nähe. Inzwischen geht die Entwicklung in eine andere Richtung. Waren da nicht Hoffnungen? Der Chef des Hauses schüttelt den Kopf: „Niemand von uns hat ernsthaft damit gerechnet, dass wir am 22. März wieder öffnen dürfen.“ Deshalb setzte er zu jeder Zeit unbeirrt auf Live-Übertragungen, mit der Option zu jeder dieser Veranstaltungen kurzfristig – sollte es wieder möglich sein – Publikum zuzulassen. „Sollten wir wieder öffnen dürfen, dann kann das ganz schnell gehen. Das geplante Programm kann einfach weiterlaufen, nur wir öffnen dann eben die Saaltüren dazu.“

Mini-Kulturfeuer im Sommer in Ebersberg

Auch wenn Live-Veranstaltungen derzeit nicht wirklich planbar sind, Bachmeier hat sie sehr wohl im Auge, nicht nur im eigenen Haus. Im Sommer will er beispielsweise im Klosterbauhof ein Mini-Kulturfeuer veranstalten. „Zu welchem Zeitraum und in welcher Form kann ich noch nicht sagen. Vielleicht werden es 14 Tage im Juli, womöglich länger oder kürzer. All das ist abhängig von der Corona-Situation.“

Und dann spricht er noch über die mobile Bühne, die gemeinsam mit der Grafinger Stadthalle, dem Moosacher Meta Theater, der Glonner Schrottgalerie und dem Markt Schwabener Theaterverein ein Open-Air-Programm in diesem Sommer bieten soll, an dem sich auch andere Kulturschaffende beteiligen können.

„Diese landkreisweite Aktion ist eine richtig gute Sache,“ unterstreicht er, „ein solidarisches Projekt.“ Noch ist das Vorhaben zwar nicht wasserdicht finanziert, doch man ist guter Dinge, denn sowohl die Politik als auch verschiedene Sponsoren setzen sich sehr dafür ein. „Wenn alles klappt, startet das womöglich im Juni.“

Worüber er noch nicht sprechen will, es aber schon mal vage anklingen lässt: Das alte kino plant einen weiteren digitalen Baustein, das „altes kino TV“, das schon bald auf Sendung gehen soll. Wer also meint, das alte kino sei derzeit verwaist, der irrt, darinnen brodelt es gewaltig.  pke

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