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„Das ist brutal“: Bayerische Klinik wird bis zu 80 Mitarbeiter verlieren - wegen Impfpflicht

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Von: Michael Acker

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Beschäftigte in Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegebereichs müssen bis 15. März nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. So will es der Gesetzgeber.
Beschäftigte in Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegebereichs müssen bis 15. März nachweisen, dass sie geimpft oder genesen sind oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. So will es der Gesetzgeber. © DPA

Bis zum 15. März müssen Beschäftigte im Gesundheitswesen nachweisen, dass sie vollständig gegen Corona geimpft oder von Covid-19 genesen sind. Ansonsten dürfen sie ihre Arbeit nicht wieder aufnehmen.

Landkreis - Die neue Bestimmung in der neuesten Version des Infektionsschutzgesetzes stellt die Kreisklinik Ebersberg, Pflegeheime, ambulante Pflegedienste und andere Bereiche im Gesundheitswesen vor erhebliche Personalprobleme – und das in einer Zeit, in der das Personal coronabedingt ohnehin schon seit Monaten überlastet und der Arbeitsmarkt für Pflegeberufe leer gefegt ist.

Stefan Huber, Kreisgeschäftsführer der Kreisklinik, gehört sicher nicht zur Kategorie Schwarzseher. Doch das, was da auf sein Haus zurollt, lässt ihn alles andere als optimistisch in die nahe Zukunft blicken. Von 1100 Mitarbeitern des Krankenhauses seien rund 150 weder geimpft noch genesen, 80 Personen, darunter auch Ärzte, stammen aus dem 520 Mitarbeiter starken Pflegebereich. „Ich rechne damit, dass wir 50 bis 80 Mitarbeiter wegen der Impfpflicht verlieren könnten. Das ist brutal“, sagt Huber.

Kreisklinik Ebersberg fragt Ende des Monats Impfstatus ihrer Mitarbeiter ab

Am 31. Januar wird die Klinik den Impfstatus ihres Personals abfragen, kündigt der Geschäftsführer an. Bis 15. März müsse das Haus dann die Namen der Beschäftigten, die keinen Nachweis erbracht hätten, an das Gesundheitsamt melden. Dieses wiederum erlasse dann ein Beschäftigungs- und Betretungsverbot für die Betroffenen, teile dies der Klinik mit. „Wir müssen das dann umsetzen“, sagt Huber.

Er möchte in den nächsten Wochen noch zahlreiche Einzelgespräche führen, um den einen oder anderen Mitarbeiter vielleicht doch noch von der Impfung überzeugen zu können. Er selbst könne die Impfskepsis nicht nachvollziehen. „Wir erleben hier Tag für Tag, dass die Impfung vor schweren Corona-Verläufen schützt, dass sie Leben rettet.“

Ebersberg: Klinik-Geschäftsführer hält Impfpflicht nur für Pflegekräfte für falsch

Dennoch hält Huber die Impfpflicht ausschließlich für Pflegekräfte für falsch. Diese sei ein „politischer Fehler“, da ungerecht. Es treffe einen Bereich, der durch die Pandemie ohnehin schon am stärksten belastet sei und führe zu einer weiteren Verschärfung des Pflegekräftemangels. „Wir stecken alle in dieser Pandemie drin, wenn Impfpflicht, dann für alle“, lautet seine Meinung.

Wie die Klinik die frei werdenden Stellen nachbesetzen wird? „Schwierig“, sagt Huber. Er bekomme Bewerbungen aus Afrika und dem mittleren Osten. „Die Menschen in diesen Regionen beobachten die Debatte in Deutschland sehr genau. Wir schauen uns die Bewerber an. Wenn ihre Ausbildung anerkannt wird und sie ausreichend Deutsch sprechen, können wir hier vielleicht neue Arbeitskräfte gewinnen.“

Auch BRK bangt um Mitarbeiter: Manche werden sich aus der Pflege verabschieden

Dass der Markt leer gefegt ist, weiß auch Elisabeth Seibl-Kinzlmaier, Kreisgeschäftsführerin des BRK, das im Landkreis auch einen ambulanten Pflegedienst betreibt – mit 15 Mitarbeitern. Davon seien nicht alle geimpft oder genesen. Wie Huber fürchtet auch Seibl-Kinzlmaier Personal zum 15. März zu verlieren.

„Ich hoffe sehr, noch alle Skeptiker umstimmen zu können“, sagt die Geschäftsführerin, die mit jedem persönlich sprechen wolle. Sie empfinde die Impfpflicht als „schwierig“. Zum einen verstehe sie, dass vulnerable Gruppen geschützt werden müssten, zum anderen finde sie es bedenklich, nur einer bestimmten Berufsgruppe die Impfpflicht aufzuerlegen. „Der eine oder andere wird sich aus der Pflege verabschieden“, fürchtet Elisabeth Seibl-Kinzlmaier.

Ebersberg geriet kürzlich negativ in die Schlagzeilen: Hier wurde abgelaufener Biontech-Impfstoff verimpft.

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