Bärbel Körner, 78, sitzt neben ihrer Solaranlage auf dem sonnigen Balkon im sechsten Stock eines Ebersberger Hauses.
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Bärbel Körner, 78, sitzt neben ihrer Solaranlage auf dem sonnigen Balkon im sechsten Stock eines Ebersberger Hauses.

Bärbel Körner (78) betreibt ihre Wohnung fast ausschließlich mit Solarstrom

Ebersbergerin hat ein Kraftwerk auf „Balkonien“

Die Energiewende beginnt im Kleinen. Bei Menschen, die ihren Beitrag dazu leisten, ihren Kindern und Enkeln eine lebenswerte Welt zu hinterlassen. Zum Beispiel Bärbel Körner aus Ebersberg. Sie hat sich ein Balkonkraftwerk zugelegt. Ein Besuch .

Ebersberg – Man möchte Bärbel Körner in ihrem blauen T-Shirt und der luftigen, weißen Leinenhose eher am Meer vermuten als in Ebersberg. Ein bisschen Strand hat die 78-Jährige aber auch in ihrem Wohnzimmer. Unter der Glasplatte ist ihr Tisch mit Sand und Muscheln dekoriert. Bärbel Körner ist ein Sonnenmensch, in mehr als einer Hinsicht.

Wohnung läuft fast ausschließlich mit Solarstrom

Draußen sei es zu heiß zum Sitzen, erklärt sie und setzt sich auf einen der weißen Stühle vor die geöffnete Balkontür. Durch das Fenster bietet sich ein spektakulärer Blick in die Berge – und auf das Hamberger Windrad. Ein Anblick, der die ehemalige Sozialarbeiterin wenig stören dürfte: Erneuerbare Energie ist für die 78-Jährige eine Herzensangelegenheit.

Unter dem Fenster zum Balkon ist ein Solarmodul angebracht. Seit drei Monaten gewinnt Körner bereits auf diese Weise Sonnenstrom; „anderen“ Strom brauche sie praktisch nicht mehr.

Über eine Steckdose am Modul laufe ihre Wohnung fast ausschließlich mit Solarstrom. Solange das Modul Sonne aufnimmt, bleibt der Stromzähler im Keller stehen. Sie bemühe sich daher, alle stromintensiven Dinge vor 14 Uhr zu erledigen, bis dahin scheine die Sonne direkt auf ihr Mini-Kraftwerk. Einen Speicher besitzt ihre kleine Solaranlage nicht.

Voller Terminkalender

2008 ist Bärbel Körner in ihre jetzige Wohnung gezogen, davor lebte sie 40 Jahre in Zorneding. Die dreifache Mutter war schon immer ehrenamtlich tätig und hat sich in der Gemeinde engagiert. In Zorneding wie in Ebersberg.

Körners Blick schweift durch ihr Wohnzimmer und bleibt auf einem Bild an der Wand hängen. „Das hat mein Bruder gemalt“, erklärt sie. „Mein Bruder war Maler. Meine Mutter hat getöpfert und gemalt“, spricht sie weiter. „Ich hab da nichts geerbt. Ich mach dafür andere Sachen.“ Sie lacht.

So helfe sie beispielsweise bei der Vermittlung von Helfern an Senioren, in der evangelischen Kirchengemeinde kümmere sie sich um die Seniorenarbeit, mache unter anderem Geburtstagsbesuche bei den Über-achtzig-Jährigen und helfe ein Mal in der Woche Kindern mit Migrationshintergrund bei den Hausaufgaben. Dazu besuche sie noch Schreibseminare in biografischem Schreiben und passe regelmäßig auf ihre Enkelkinder auf. Die 78-Jährige ist gut beschäftigt.

Vortrag im März, Solarmodul im April

Diesem vollen Terminkalender bemüht sich Körner so nachhaltig wie möglich nachzugehen. So stelle sie ihr Waschpulver und auch ihr Spülmittel mittlerweile selbst her. Außerdem ist sie Genossenschaftsmitglied beim Zornedinger Unverpackt-Laden.

„Soweit es geht, fahre ich auch alles mit dem Rad“, erklärt die ehemalige Sozialarbeiterin, und tippt sich mit dem Kugelschreiber gegen das Kinn. Sie versucht, zusammenzurechnen, wie viel sie sich durch die Balkonsolaranlage bereits gespart hat, kritzelt die Zahlen jedoch immer wieder durch und fängt von vorne an. Beim Preis sei sie sich aber sicher: Mit Installation habe sie das eine Modul 425 Euro gekostet.

Im März sei sie bei dem Vortrag der Energieagentur gewesen. Sie sei von den Balkonkraftwerken so fasziniert gewesen, dass sie sich im Anschluss informiert habe, welche Angebote es im Landkreis gebe. Im April konnte sie dann bereits ein Solarmodul ihr Eigen nennen.

Sonnige Idylle im sechsten Stock

„Der Strom, den ich nicht brauche, geht ins allgemeine Stromnetz über“, erklärt Körner. Anders als bei der üblichen Dach-Photovoltaik bekomme sie bei ihrer Balkonsolaranlage aber nichts dafür, trotzdem sehe sie die positive Seite: „Das ist ja auch gut für die Umwelt“, sagt sie, „weil dann weniger anderer Strom gebraucht wird.“

Bärbel Körner lächelt und schaltet mit einer kleinen Fernbedienung ihren Balkon-Brunnen ein. Der läuft ebenfalls mit Solarstrom, eh klar.

Der Blick ins Grün nach links, in die Berge nach rechts und das Plätschern des Brunnens. Die sonnige Idylle im sechsten Stock ist perfekt.

von Helena Grillenberger

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