„Man muss nicht immer Ja und Amen sagen“: Ebersbergs Bürgermeister Uli Proske in seinem Garten. Foto: Rossmann
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„Man muss nicht immer Ja und Amen sagen“: Ebersbergs Bürgermeister Uli Proske in seinem Garten.

Erste Erfolge und Niegerlagen

Ebersbergs Bürgermeister Uli Proske (SPD): Der von nebenan

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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320 Termine, Zehn-Stunden-Arbeitstage, gut 100 Tage im Rathaus: Das neue Stadtoberhaupt zieht eine erste Bilanz.

Ebersberg – Uli Proske ist ein Mann von nebenan. Lieber benutzt er die Du-Form, als Mitmenschen zu siezen. Er schimpft über steigende Grundstücks- und Mietpreise im Landkreis. Der Vater fragt sich, wo seine drei Kinder künftig leben sollen. Die Nachbarn grüßt er mit breiten, bayrischen Dialekt: „Griasde, wia geht’s da?“. Proske wirkt wie jemand, von dem man alles haben kann: offen, gut gelaunt, freundlich. Der Sozialdemokrat steht vor seinem Haus in Ebersberg. Das Einzige, was hier aus der bürgerlichen Kulisse fällt, ist ein Straßenschild. „Bgm.-Proske-Platz“ steht darauf. Nachbarn haben es nach seinem Wahlsieg angebracht. Proske: Der Bürgermeister von nebenan.

Das Stadtoberhaupt sitzt in einem Stuhl auf seiner Terrasse. Proske, 50, lockeres Polo-Hemd, barfuß, spricht über die ersten 100 Tage seiner Amtszeit. In der Rolle als Bürgermeister der Kreisstadt musste sich Proske erst einfinden. „Vier, fünf Wochen hat es gedauert, bis ich mich als Bürgermeister gefühlt habe“, sagt er.

Der ehemalige Wassermeister ist ein kommunalpolitischer Neuling

Der ehemalige Wassermeister der Stadt ist ein kommunalpolitischer Neuling: In den ersten Wochen musste er sich viel im Rathaus erklären lassen, die „komplizierte“ Geschäftsordnung etwa. Abstimmungsgrundsätze, elektronisches Anordnungswesen, Vorratsbeschluss – Bürgermeister müssen sich mit sperrigen Begriffen in Rathäusern beschäftigen.

Proske konnte auf die Hilfe der 120 Verwaltungsmitarbeiter zählen. „Hier musst du aufpassen, da dürfen wir keine Fehler machen“, warnten ihn seine Kollegen bei bestimmten Themen. „Jeder akzeptiert mich im Rathaus“, sagt Proske. Trotz der Hilfe: Er ist der Rathaus-Chef. „Meine Meinung ist final.“

Heute würde er im Stadtrat anders argumentieren: „Ich würde viel mehr meine Meinung vertreten“

Im Stadtrat wird nicht nach dem Willen des Bürgermeisters entschieden. So wie Ende Mai. Zwei Veranstalter wollten am Volksfestplatz ein Autokino organisieren, Proske gefiel die Idee. Einige Stadträte hatten dem Vorschlag jedoch in einer Sitzung des Kulturausschusses einen Riegel vorgeschoben. Sie wollten zusätzlichen Autoverkehr in der Stadt vermeiden. In der schwierigen Corona-Zeit hätte er gerne mal „einen Fünfer gerade sein lassen“, setzte dem Proske entgegen.

Heute würde er im Stadtrat anders argumentieren: „Ich würde viel mehr meine Meinung vertreten“, sagt der Kommunalpolitiker. Als Sitzungsleiter sei er jetzt auch strenger.

Welche Erfolge konnte der Bürgermeister nach 100 Tage einfahren?

Welche Erfolge konnte der Bürgermeister nach 100 Tage einfahren? Für das Gewerbegebiet in der Anzinger Straße habe er eine Firma vermittelt, sagt Proske. Zum 1. September werde hier ein Handwerksbetrieb ansässig. Die Genehmigung von 13 neuen Wohnungen in der Sieghartstraße verbucht der Verwaltungschef als Erfolg. „Mit 98 prozentiger Sicherheit steht der Pächter des Ladens fest“, sagt er.

Videoanalyse für die Amtsgerichtskreuzung, Workshops für den möglichen Breitbandausbau in Außenbereichen, Sicherheitsdienst am Klostersee: Proske habe bereits einige Probleme angehen können. „Genau das macht dieses Amt ja so unglaublich spannend“, sagt er.

Proske: „Das Jahrzehnt ist das Ziel“

Sein Ziel für die kommenden 100 Tage? „Das Jahrzehnt ist das Ziel“, sagt Proske. Baustellen gibt es viele. Der Anbau des Feuerwehrhauses in Oberndorf, Besetzung künftiger Führungspositionen in der Stadtverwaltung, der Waldsportpark, das Hallenbad etwa. Künftig will er zudem Immobilien-Investoren den Kampf ansagen: Das Verhalten gegenüber Investoren müsse deutlicher werden. Stichwort Veränderungssperre. Kommunen können zur Sicherung eines künftigen Planbereichs Bauvorhaben verbieten. „Man muss nicht immer Ja und Amen sagen.“

Nein, sagt der Bürgermeister eher ungern. Zumindest, wenn es um Ehrenämter geht. Am Anfang seiner Amtszeit hat er sich zu zwei Ehrenposten überreden lassen, obwohl er ungern zusätzliche Ämter wollte. Proske ist Vorsitzender für den Zweckverband der Vhs und der Mitgliedergemeinden des Eberwerks. Den Vorsitz fürs Eberwerk hat er unter einer Voraussetzung zugesagt: Bei den Versammlungen muss es Butterbrezn geben.

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