Die Täter vor Gericht

Rassistischer Überfall auf Imbiss-Bude

Die Döner-Schläger vor Gericht: „Weil wir dumm und dicht waren“

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War es ein rassistischer Anschlag? Acht Männer sollen einen Döner-Laden in Ebersberg gestürmt und zwei Afghanen brutal attackiert haben. Nun müssen sie sich vor Gericht verantworten.

Ebersberg – Der Hauptangeklagte (36) hat sich ausgerechnet ein Superman-T-Shirt angezogen. Dazu trägt er Tattoos zur Schau. Denen will die Vorsitzende Richterin Regina Holstein auf die Spur kommen. Totenköpfe seien das, sagt der 36-Jährige, außerdem die Namen seiner beiden Kinder – und ein Teufel sitzt ihm im Genick. „Wenn ich Sie jetzt nackig sehe, was sehe ich dann?“, fragt die Richterin. „Ich will’s nicht sehen. Ich will’s nur wissen. Was mit Bedeutung?“ Nein, nein, wiegelt der Angeklagte ab. Er weiß genau, um was es geht. Darum, ob er auch Nazi-Tattoos trägt. Denn der Hartz-IV-Empfänger sitzt wegen eines mutmaßlich rassistischen Angriffs auf einen Döner-Laden am Ebersberger Bahnhof vor dem Landgericht München II.

Zusammen mit sieben weiteren Männern im Alter zwischen 23 und 32 Jahren, alle aus dem Kreis Ebersberg, muss er sich unter anderem wegen Bildung bewaffneter Gruppen und gefährlicher Körperverletzung verantworten – außerdem wegen Volksverhetzung. Zu den Vorwürfen äußert er sich allerdings am ersten Prozesstag nicht. Der zweite Hauptangeklagte, ein 28-jähriger Zimmerermeister, macht dagegen viele Erinnerungslücken geltend und bestreitet einen Angriff im Döner-Laden. Zu diesem Zeitpunkt habe er nämlich jemanden auf der Straße gejagt.

Vorausgegangen war ein Wiesn-Besuch

Die Ermittlungen sprechen eine andere Sprache. Laut Anklage sollen die Männer am 25. September 2015 mit Baseballschläger, Messer und Schlosserhammer einen brutalen, fremdenfeindlichen Überfall verübt und zwei Afghanen verletzt haben. Außerdem hätten sie eine Vitrine und die Tür zerschlagen.

Der Döner-Imbiss am Bahnhof in Ebersberg

Vorausgegangen war ein Wiesn-Besuch der beiden Hauptangeklagten. Auf der S-Bahn-Heimfahrt sollen sie schon übel gegen Ausländer gehetzt und versucht haben, sich auf einen dunkelhäutigen Mann zu stürzen. Zeugen konnten das verhindern. Die Beschimpfungen gibt der 28-Jährige zu. „Wir haben rumgepöbelt und ziemlich viel Scheiße gelabert“, sagt er. „Wir haben bis Ebersberg dunkelhäutige Menschen beschimpft.“ Auf Nachfrage der Richterin, warum sie nicht auch hellhäutige Menschen beleidigt hätten, antwortet er: „Weil wir dumm und dicht waren.“ Er beteuert, dass er „eigentlich nichts gegen die“ habe. Eine rechtsradikale Gesinnung bestreitet er.

„Wir dachten, dass wir geschlagen wurden“

Am Bahnhof in Ebersberg ging es dann seinen Erinnerungsfetzen nach so weiter: Er sei am Bahnhof plötzlich auf dem Boden gelegen, mit aufgeschürfter Haut, das Zahnprovisorium rausgeflogen. Das T-Shirt seines Kumpels sei zerrissen gewesen. „Wir dachten, dass wir geschlagen wurden“, sagt der 28-Jährige. Daheim in der WG hätten sie sich wieder hochgeputscht, gegenseitig „angestachelt“. Sie hätten Freunde angerufen und in der Wohnung versammelt. Er gibt zu: „Wir wollten runtergehen, um uns mit denen zu prügeln. Wir dachten, wir wären im Recht.“ Deshalb hätten sie sich mit Baseballschläger, Gardinenstange und Schlosserhammer bewaffnet und seien losgezogen. Von einem Messer, wie es in der Anklage heißt, will er allerdings nichts wissen. Außerdem sei er im Laden selbst gar nicht dabei gewesen, weil er vorher abgezweigt sei, um einen Unbekannten mit der Gardinenstange zu verfolgen. Den habe er am Fuß getroffen, und er sei „den Berg runtergekugelt“.

Laut Staatsanwalt soll es genau anders herum gewesen sein. Der 36- und der 28-Jährige sollen bereits bei Ankunft am Bahnhof einen Mann nicht-deutscher Herkunft geschlagen haben.

Der Zimmerermeister führt die Entgleisungen auf den Drogenkonsum an jenem Tag zurück. Er hätte schon in der Früh sehr viel Marihuana geraucht, dann Speed genommen und auf der Wiesn drei bis vier Mass getrunken. Der Prozess dauert an.

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