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Auch ein historisches Steinpflaster aus dem frühen Mittelalter trat bei den Kanalarbeiten zu Tage. 

Uraltes Holz auf dem Ebersberger Marienplatz gefunden

Alle wollen die schwarze Balken

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„Es ist einfach schön, wenn man ein uraltes Trumm von Ebersberg zuhause hat“, sagt Feuerwehrkommandant Uli Proske und freut sich. Mit dem „uralten Trumm“ meint er eine Eichenbohle, die zusammen mit anderen Balken bei Kanalgrabungsarbeiten im Ebersberger Zentrum ans Tageslicht gefördert wurde.

Ebersberg –  Die Holzbohle liegt bei Proske jetzt im Garten „abgedeckt auf der Nordseite“ und wartet auf weitere Verwendung. „Vielleicht wird ein Bankerl daraus. Ich weiß es noch nicht.“ Auf jeden Fall soll es ein Gebrauchsmöbel werden.

Als die schwarzen Balken nach ihrer Entdeckung auf der Straße lagen, sprach sich das unter den Ebersbergern schnell herum. „Es gab ein lebhaftes privates Interesse daran“, berichtet Antje Berberich, Leiterin des Stadtarchivs. Offensichtlich hätten viele „Passanten“ Gefallen gefunden an den Relikten aus einer Zeit, als sich am Marktplatz noch ein Brunnen befunden haben muss. Zu dem führte, so die Vermutung von Berberich, ein Holzbohlenweg für die damaligen Bürger.

Das Straßenniveau lag um die Zeit des Jahres 1500 noch etwa eineinhalb Meter tiefer als aktuell. So alt ist das Holz vermutlich. Damit die Bewohner des zu dieser Zeit noch beschaulichen Ebersbergs nicht durch den schlammigen Lehm zum Brunnen gehen mussten, seien drei Lagen von Holzbalken verlegt worden, mutmaßt Berberich. „Pferdekarren hätten nicht Platz darauf gehabt“, es sei also ein Fußweg gewesen. Alles müsse aber erst genau ermittelt werden, dann sollen drei der großen Balken zusammen mit den Daten ihrer Geschichte auch öffentlich ausgestellt werden.

Wo die größeren Teile derzeit gelagert werden, wird nicht verraten. Man wolle eine Wallfahrt dorthin vermeiden, sagt die Stadtarchivarin. Auf jeden Fall will Feuerwehrkommandant Proske sein Teil erst langsam trocknen lassen, bevor es weiter verarbeitet werden soll.

Auch Ebersbergs 3. Bürgermeister Sepp Riedl hat sich ein Stück Geschichte gesichert. Ebenso wie die Familie Erzberger, deren Anwesen direkt an die Fundstelle am Marktplatz angrenzt. „Das ist ja direkt vor ihrem Haus.“ Das Ebersberger Museum Wald und Umwelt hat sich, genauso wie die Stadt, große Fundstücke zu Ausstellungszwecken behalten. Sie sind zwischen 3,20 und 2,75 Meter lang.

Ganz schön viel Aufmerksamkeit, für ein paar schwarze Holzbohlen – die mehr als ein halbes Jahrtausend im lehmigen Untergrund auf ihre Wiederentdeckung warteten. Dass eine Reihe von Bürgern großes Interesse an einem persönlichen Stück Ebersberger Ortsgeschichte zeigten, findet Berberich gut. „Die waren schnell weg“, berichtet sie über die Nachfrage nach den Holzfunden und ist froh. „Wir hätten die alle gar nicht lagern können.“

Damit die Fundstücke weiterbehandelt werden können, mussten sie erst geborgen werden. Das hat Ramona Baumgartner aus Zorneding erledigt. Die junge Frau betreibt ein Unternehmen für Archäologische Baubegleitung und hat für die genaue Zeitbestimmung mit einer Bügelsäge ein Stück von einem Balken abgeschnitten. Dieses Stück werde jetzt „dendrologisch“ untersucht, berichtete sie der Ebersberger Zeitung im Gespräch. Dafür genügt eine bestimmte Anzahl von Jahresringen. „Ein Baum wächst von außen nach innen, das musste ich auch erst lernen“, sagt Baumgartner.

Berberich ist sich sicher, dass auf diese Weise sogar das genaue Jahr ermittelt werden kann, wann die Bäume für die Balken geschlagen wurden. Interessant findet die Stadtarchivarin auch die Bauweise des Bohlendammes. Die langen und kürzeren Riegel wurden nämlich zwecks höherer Stabilität längs und quer verlegt und immer wieder nachgebessert, bis sich schließlich das Straßenniveau entsprechend anhob. „Wir wissen nicht einmal genau, ob zur Bauzeit das Rathaus schon stand.“

Die Bohlen haben für ihre neuen Besitzer einen ideellen Wert, einen materiellen eher nicht. Den hätten gut erhaltene Mooreichen, aus denen Furnier gemacht wird, weil sie so wertvoll sind. Dafür fehlen den Ebersberger Balken noch einmal 6000 Jahre.

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