Für die Corona-Impfung entdecken viele ihren Impfpass neu und überprüfen bei dieser Gelegenheit ihren Schutz gegen andere Krankheiten.
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Für die Corona-Impfung entdecken viele ihren Impfpass neu und überprüfen bei dieser Gelegenheit ihren Schutz gegen andere Krankheiten.

Auffrischung dank Corona-Impfung

Ansturm auf Tetanus und Co. - Patienten drängen bei Hausärzten nach Impfpässen und Terminen

  • Raffael Scherer
    vonRaffael Scherer
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Dank der Corona-Schutzimpfung gibt es bei den Hausärzten einen enormen Ansturm auf neue Impfpässe. Und damit auch auf Auffrischungsimpfungen, die schon lange überfällig sind.

Landkreis - Wegen der Corona-Schutzimpfung suchen mehr und mehr Leute ihren Impfpass. Viele vergeblich. „Ich möchte behaupten, die Hälfte unserer Patienten hat keinen Impfpass mehr“ sagt Irene Lex, leitende medizinische Fachangestellte der Gemeinschaftspraxis Dr. med. B. Nimmrichter und Müller in Anzing, Forstinning und Hohenlinden. Sie habe dieses Jahr viele Patienten erlebt, deren „Grundimpfungen“, wie etwa Tetanus und Diphtherie, über 30 Jahre zurückliegen.

Oft käme bei den Männern noch eine fehlende Auffrischungs-Spritze gegen Kinderlähmung dazu. Denn gerade bei den Männern sei die Zahl der Impfpass-Verluste enorm: „Bei denen erfolgten die Impfungen bei der Bundeswehr und wurde daraufhin aus dem Gedächtnis gestrichen“, vermutet sie. Die Frauen seien dabei ein wenig zuverlässiger, da in den vergangenen Jahren oft noch eine Schwangerschaft dazwischen lag, wo der Pass benötigt wurde.

Über 50 Prozent mehr Impfungen im Herbst als in den vergangenen Jahren

Momentan sei die Praxis noch voll mit den Corona-Schutzimpfungen beschäftigt. Die nun dabei aufkommenden Auffrischungen gehen die Praxen danach an. So sollen für kommenden Herbst ungewöhnlich viele Impftermine ausgemacht worden sein: „Wir werden dann bestimmt 40 oder 50 Prozent mehr Impfungen als sonst haben“ so Lex.

Eher zäh gehe es dagegen bei den Zeckenimpfungen voran. Obwohl der ganze Landkreis rotes Risikogebiet sei, habe die Zahl an Zeckenimpfungen in den vergangenen zwei drei Jahren abgenommen – auch bei Kindern. „Es gibt gefühlt immer mehr Impfgegner oder Menschen, die der Impfung skeptisch gegenüber stehen“ bedauert die leitende medizinische Fachangestellte.

Dank Corona-Pandemie mehr Aufmerksamkeit für weitere Impfungen

Ähnlich verhält es sich in der Hausärztlich-internistischen Praxis von Dr. med. Franz Schug in Steinhöring. So erklärt dort Johanna Stadler, die medizinische Fachangestellte: „Die Leute interessieren sich wahrscheinlich dank der Medien mehr für Impfungen.“ Zwar seien in den Jahren zuvor bei den jährlichen Gesundheitsuntersuchungen die Patienten auf ausstehende Spritzen hingewiesen worden, viele ignorierten oder vergaßen den Spicker jedoch.

Etwa ein Drittel bis die Hälfte der Patienten benötigen nun, dank der Pandemie, einen neuen Impfpass von Stadler. Ob das gelbe Heftchen tatsächlich verloren ging oder nur auf die Schnelle beim spontanen Corona-Schutzimpfungs-Termin nicht auffindbar war, sei schwer zu sagen. Sie schätzt, dass viele einfach gerne einen zweiten, separaten Impf-Ausweis haben wollen. Denn der werde „durch die Corona-Impfung noch sehr wichtig“, sagt sie. Auch sie ist sich sicher, dass innerhalb eines Jahres die alltäglichen Impfungen, wie Tetanus oder Zecke, eine erhöhte Nachfrage erleben werden.

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