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Überrascht über die Aufmerksamkeiten zur Eisernen Hochzeit war das Ehepaar Marianne und Karl Kuberek. 

65 Jahre verheiratet: Marianne und Karl Kuberek aus Ebersberg

Eiserne Hochzeit: Mit der Straßenbahn ins Glück

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Ebersberg – Applaus hört man in einem Gottesdienst nur zu besonderen Anlässen. Ein solcher bot sich nun für die Besucher der Messe in der Ebersberger Kirche St. Sebastian: Anlässlich der Eisernen Hochzeit von Marianne und Karl Kuberek.

Der Pfarrer segnete das Paar und bat um Beifall, den die Kirchgänger gerne spendeten. Denn 65 Jahre eiserner Zusammenhalt sind aller Ehren wert.

Am nächsten Tag, dem eigentlichen Hochzeitstag, ist im Wohnzimmer der Kubereks jede freie Fläche voller Blumen, Pralinen und anderer Präsente. Sogar der Bundespräsident hat ein Glückwunschschreiben geschickt, mit eigenhändiger Unterschrift.

„Ich bin sprachlos“, sagt Marianne Kuberek (85) über die viele Aufmerksamkeit. Denn eigentlich führen die Kubereks ein bescheidenes Leben in ihrer kleinen, aber gemütlichen Ebersberger Wohnung.

„Wir leben von Erinnerungen“

„Wir leben von Erinnerungen“, sagt Marianne Kuberek mit ein wenig Wehmut in der Stimme. Früher ist das Paar jedes Jahr in Urlaub gefahren, doch seit Karl Kuberek zwei Schlaganfälle wegstecken musste, geht das nicht mehr. „Gut, dass wir das alles gemacht haben“, sagt seine Frau – und meint nicht nur die Reisen, sondern das Leben, so wie es für das Paar gelaufen ist.

Ursprünglich stammen die beiden aus der oberschlesischen Industriestadt Hindenburg, die heute Zabrze heißt und zu Polen gehört. Dort lernten sie sich zufällig in der Straßenbahn kennen. Ein Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken.

1958 aber verließ das Paar seine Heimat. Karl Kuberek hatte wegen seiner Zeit bei der Wehrmacht in Polen einen schweren Stand: Er saß sogar mehr als ein Jahr im Gefängnis und musste in einer Kohlegrube arbeiten.

Sie kleidete die Kinder ein, er arbeitete sogar im Urlaub

Erst in Deutschland konnte Kuberek wieder in seinem Beruf als Maschinenschlosser arbeiten, stieg zum Montageleiter bei einem Stahlkonzern im Ruhrgebiet auf. So sicherte er seiner Familie das Auskommen, während seine Frau die drei Töchter versorgte. „Ich habe für sie genäht, gehäkelt und gestrickt, das Geld war knapp und sie brauchten etwas zum Anziehen“, erinnert sich Marianne Kuberek. „Und Karl hat sogar in seinem Urlaub noch zusätzlich im Straßenbau gearbeitet.“

„Die Frau bringt mich auf Vordermann“

Nun, im Alter, kümmert sie sich liebevoll um ihren Mann. „Ich bete jeden Tag zum lieben Gott, dass er mir die Kraft gibt, dass ich uns versorgen kann“, sagt Marianne Kuberek und streicht ihrem Ehemann sanft über die Schulter. „Die Frau bringt mich auf Vordermann“, sagt der und lächelt.

Seit drei Jahren erst leben die Kubereks in Ebersberg, sie sind in die Nähe einer ihrer drei Töchter gezogen. Davor wohnten sie gut 20 Jahre in Rosenheim. Auch wenn es in Ebersberg ein bisschen ruhiger zugeht, gefällt ihnen ihr neues Heim: „Wir sind gut angekommen und sind sehr zufrieden“, sagt der Ehemann. Und seine Frau ergänzt: „Es gab gute und schlechte Zeiten. Aber die guten überwiegen jetzt.“

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