Das Anwesen kaum zwei Laufminuten vom Ebersberger Marktplatz entfernt soll nun doch keine Asylunterkunft werden. Der Landkreis will raus aus dem Mietvertrag.
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Das Anwesen kaum zwei Laufminuten vom Ebersberger Marktplatz entfernt soll nun doch keine Asylunterkunft werden. Der Landkreis will raus aus dem Mietvertrag.

Erbschaftsstreit: Ausstieg aus Mietvertrag geplant

Asylsuchende sollen in Villenviertel ziehen - jetzt versucht der Landkreis Ebersberg einen Rückzieher

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Wenn es nach dem Landkreis Ebersberg geht, will er das Haus in Bestlage von Ebersberg nun doch nicht mehr als Unterkunft für Asylsuchende haben.

  • 14 Asylsuchende sollen in einer alten Stadtvilla in der Ignaz-Perner-Straße in Ebersberg untergebracht werden.
  • Der Landkreis hatte das Anwesen angemietet.
  • Jetzt will er einen Rückzieher machen und aus dem Mietvertrag aussteigen.
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Ebersberg – Mit seiner angemieteten Immobilie in der Ebersberger Ignaz-Perner-Straße hat der Landkreis Ebersberg offenbar einen Fehlgriff getätigt. Geplant war, dass in das villenartige, Gebäude mit rund 1700 Quadratmeter Garten- und 250 Quadratmetern Wohnfläche zwölf bis 14 Asylsuchende einziehen – möglicherweise schon im Januar. Nun versucht der Landkreis einen Rückzieher, will sich aus dem Mietvertrag lösen.

Ebersberg: Asylsuchende sollten in Villenviertel ziehen - Landkreis will sich aus Mietvertrag lösen

Anlass sei dabei nicht die Berichterstattung der Ebersberger Zeitung, wenngleich diese für deutschlandweite Resonanz gesorgt habe. Das betonte Landrat Robert Niedergesäß (CSU) am Dienstag, 8. Dezember. Er verteidigte die Entscheidung, anstelle großer, zentraler Unterkünfte auf eine kleinteilige Verteilung der Asylsuchenden im Landkreis zu setzen. Eine solche Integration in einem Wohngebiet sei sinnvoll. „Wir haben damit teils sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Niedergesäß.

Landkreis Ebersberg: Offenbar Zwist in der Vermieterfamilie

Allerdings gebe es in der Vermieterfamilie offenbar einen Zwist. „Ich möchte nicht, dass wir uns als Landkreis in private Erbschaftsstreitigkeiten hineinziehen lassen“, erklärte der Landrat den jetzigen Versuch, aus dem bereits unterschriebenen Mietvertrag wieder auszusteigen. Dafür habe der Anwalt des Landratsamts bereits Kontakt mit dem Rechtsbeistand des Vermieters aufgenommen – dessen Antwort stehe noch aus. „Wir hoffen, dass wir miteinander eine einvernehmliche Lösung finden“, sagt Niedergesäß.

Landrat Robert Niedergesäß: „Das war im Vorfeld nicht erkennbar“

Sollte der Eigentümer auf der Erfüllung des auf drei Jahre laufenden Mietvertrags bestehen, „werden wir das Haus entsprechend belegen“, kündigt der Landrat an. „Das war im Vorfeld nicht erkennbar“, sagt er über den erwähnten Erbschaftsstreit. Seiner Behörde mache er deshalb keinen Vorwurf.

Asylsuchende in Villenviertel: Bürgermeister wusste zunächst nichts davon

Dass er selbst über die Anmietung erst nach einer entsprechenden Anfrage der Ebersberger Zeitung informiert worden sei, liege daran, dass der Hausjurist des Landratsamtes neu sei und bisher keine Erfahrung mit den internen Informationsstrukturen in solchen Fällen gehabt habe. Es herrsche außerdem, nicht zuletzt coronabedingt, „ein gewisser Druck im Haus“, so Niedergesäß.

Künftig, das kündigte der Landrat der EZ gegenüber an, würden die Bürgermeister bei Anmietung eines Objekts direkt informiert, nicht erst kurz vor dem Bezug durch die Geflüchteten. Das sei bisher nicht Usus gewesen. „Viele wollten es vorher gar nicht wissen“, sagte Niedergesäß beim Pressegespräch.

Ebersberg: Künftig werden Bürgermeister schneller informiert

Das habe mit den oftmals aus der Ankündigung resultierenden Bürgeranfragen zu tun. Im Übrigen wehrte er sich gegen den Begriff „Villa“: Das Haus aus den 1960ern sei nicht mehr im besten Zustand, der große Garten für den angestrebten Zweck eher nutzlos.

Der Landkreis Ebersberg muss wegen Gewerbesteuer-Rückzahlungen aus dem Briefkastenfirmen-Konstrukt im Ebersberger Forst einen Millionenkredit aufnehmen. Und es könnten noch weitere Forderungen nachkommen.

(Von Josef Ametsbichler)

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