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Josef Rüegg (l.) vom Landschaftspflegeverband bei der Ausstellungseröffnung im Waldmuseum. 

Ausstellung im Ebersberger Waldmuseum zum Thema Artenschutz durch Nutzung

Trollblume und Kreuzotter: Zu Besuch bei Bayerns Ureinwohnern

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„Durch Nutzung entstand die Artenvielfalt.“ Mit dieser Feststellung eröffnete der Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer eine sehenswerte Ausstellung im Waldmuseum.

Ebersberg –  Das Publikum, das der Eröffnung beiwohnte, war im Schnitt weit über 60 Jahre alt – und das ist schade. Denn diese Ausstellung ist eine Botschaft gerade auch an die jüngere Generation.

„Mit Ureinwohner sind nicht wir gemeint“

„Wild, bunt und voller Wunder“ ist der Titel einer Wanderausstellung, die sich Bayerns Ureinwohnern widmet. „Und damit sind nicht wir gemeint“, schaute Brilmayer bei der Ausstellungseröffnung grinsend in die graue Runde. Bayerns Ureinwohner sind etwa der Laubfrosch, die Trollblume und die Wiesenhummel. Die kennt jeder. Aber wie sieht es mit dem Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, dem Sonnentau oder der Kreuzotter aus, deren Lebensraum im Landkreis Ebersberg auf eine kleine Enklave in der Gemeinde Frauenneuharting zusammengeschrumpft ist? Damit die seltene Schlange dort weiter heimisch bleiben kann, meinte Josef Rüegg, der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Ebersberg: „Das funktioniert nur, wenn wir eingreifen.“ Das macht der Landschaftspflegeverband. Früher machten das Arbeiter, die im dortigen Torfstich tätig waren.

Exkursionen rund um das Museum

„Bayerns Ureinwohner“ ist eine Kampagne des Deutschen Verbands für Landschaftspflege mit den bayerischen Landschaftspflegeverbänden, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Dass diese nachgefragte Präsentation überhaupt nach Ebersberg ins Waldmuseum kam, ist deren Leiterin Ines Linke zu verdanken, die sich rechtzeitig darum bemühte. „Schützen und nützen muss sich nicht ausschließen, sondern kann sich befruchten“, sagte sie bei der Eröffnung am Gründonnerstag. Geplant seien darüber hinaus Exkursionen rund um das Museum, an denen sich auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene beteiligen können. Sehenswert ist aber auch die Ausstellung selbst, denn „Landschaft prägt unser Heimatgefühl“, so Rüegg. „Das ist keine sich selbst erhaltende Kultur. Es gibt keine Fläche im Landkreis Ebersberg, die nicht vom Menschen berührt wurde. Das hat dazu geführt, dass wir diese Artenvielfalt haben und dass Tiere sich hier besonders wohlfühlen. Die sind unsere Ureinwohner.“ Die Landschaft sei ein Kulturerbe: „Nur durch Nutzung und Schutz können wir dieses Kulturerbe für unsere Kinder erhalten“ und dazu bedürfe es der Kontinuität – nach dem Motto: Die Natur kennt keine langen Pausen. „Der Mensch kann aus einer Landschaft Monokultur herstellen, er kann aber auch den Artenschutz befördern“, gab Brilmayer in seiner Eröffnungsrede zu bedenken.

Waschzettel für Naturpflege

Witzige Idee: Zu den einzelnen Arten gibt es in der Präsentation im Waldmuseum „Waschzettel“. Das sind Tipps, wie der jeweilige Umweltabschnitt gepflegt und genutzt werden müsste, damit sich dort die seltenen Arten wohlfühlen. Das sei wie bei den Pflegehinweisen in einem Wäschestück, erläuterte Linke sinngemäß.

Besondere Bedeutung haben die Streuobstwiesen im Landkreis Ebersberg. „Das sind unsere artenreichsten Flächen überhaupt“, berichtete Rüegg. Sie haben aber auch eine zweite und dritte Bedeutung. Erstens wird auf ihnen der Apfelsaft für Ebersberger Land gewonnen, der sehr nachgefragt wird und sogar den Weg gefunden hat als begehrtes Produkt bei Discountern. Diese Nachfrage schließlich ist es, die hilft, seltene, standortangepasste Apfelsorten im Landkreis Ebersberg vor dem Vergessen zu bewahren und so zu erhalten. Artenvielfalt, die schmeckt.

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