Immer mehr zu tun: In den meisten Bereichen verzeichnete das Amtsgericht Ebersberg im Jahr 2019 steigende Fallzahlen. Das geht aus dem Jahresbericht der Behörde hervor, der aktuell vorgelegt wurde.
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Wegen Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften wurde ein 32-jähriger Mann am Amtsgericht Ebersberg verurteilt

Amtsgericht Ebersberg

Vater filmt nackten Sohn und postet Video: Dafür wird er zu Freiheitsstrafe verurteilt

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
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Acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung wegen Herstellung und Verbreitung kinderpornographischer Schriften, lautet das Urteil. Für den Angeklagten war die Tat zunächst Ausdruck seiner Kultur, Richterin Vera Hörauf sah jedoch eine Straftat.

Ebersberg – Das habe er nicht gewusst, beteuerte der 32-Jährige Bulgare, der in seinem Heimatland der türkischen Minderheit angehört, über seinen Dolmetscher vor dem Ebersberger Amtsgericht. „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich es nicht getan.“ Er entschuldigte sich mehrmals. Der Familienvater, verheiratet, drei Kinder, hatte ein Video seines nahezu unbekleideten rund dreijährigen Sohnes auf öffentliche Plattformen ins Internet gestellt. Zudem hat er den kurzen Film an einen Kollegen verschickt. Die Aufnahme entstand im Zusammenhang mit einer Beschneidungsfeier.

Der Mann, beruflich in der Reinigungsbranche tätig, hatte die Vorgänge bereits bei seiner Vernehmung eingeräumt. Die Polizei hatte im Zuge einer Hausdurchsuchung verschiedene Geräte beschlagnahmt. Der Mann sei sehr ruhig gewesen, so ein Kripobeamter vor Gericht. Es gab bei ihm wohl Unverständnis darüber, warum er kein Bild seines Sohnes posten könne. Wie der Verdacht auf den Mann gefallen ist, blieb im Prozess unewähnt. Das Video sei nur für Freunde und Verwandten gedacht gewesen, so der Angeklagte. Er habe nicht gewusst, dass es alle sehen konnten.

Verteidigerin sieht andere Werte und Moralvorstellungen

Die Verteidigerin verwies auf andere Werte und Moralvorstellungen. „Für ihn war es keine Pornographie.“ Zudem sei kein Vorsatz erkennbar. Sie forderte Freispruch. Die kulturellen Hintergründe seien für die Strafbarkeit unerheblich, so der Staatsanwalt. Gewürdigt werden könnten sie jedoch bei der Höhe der Strafe. Er sprach sich für acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung aus. Zudem forderte er eine Geldauflage.

Richterin Hörauf hielt dem Angeklagte zugute, dass er die Vorwürfe eingeräumt habe. Sie erwähnte den kulturellen Hintergrund, betonte aber auch, die Tat des Angeklagte werde in Deutschland als Kinderpornographie bewertet. Sie gab zu bedenken, dass das Video auch Menschen mit entsprechenden Neigungen ansehen könnten.

In das Strafmaß ging eine Vorstrafe mit offener Bewährung ein, die gegen den Angeklagten wegen Schwarzfahrens verhängt worden ist. Zudem wurde eine Geldauflage von 1000 Euro erlassen, die der Mann in Raten abzahlen muss.

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