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Immer mehr zu tun: In den meisten Bereichen verzeichnete das Amtsgericht Ebersberg im Jahr 2019 steigende Fallzahlen. Das geht aus dem Jahresbericht der Behörde hervor, der aktuell vorgelegt wurde.

Steigende Fallzahlen in fast allen Bereichen

Jahresbilanz des Amtsgerichts Ebersberg zeigt Kehrseite des Wohlstandes

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Das Amtsgericht Ebersberg hat seine Jahresbilanz für das Jahr 2019 vorgelegt. Die Fallzahlen nehmen zu und das Wachpersonal muss sich einiges anhören. 

  • Der demografische Wandel sorgt für mehr Arbeit am Amtsgericht
  • Wer zur Verhandlung ein Messer mitnimmt, wird angezeigt
  • Strafverfahren gegen Jugendliche auf Vorjahresniveau

Ebersberg – Das Amtsgericht Ebersberg spürt die Auswirkungen des demografischen Wandels. Im Rahmen der Jahrespressekonferenz berichteten Behördenleiter Christian Berg und der stellvertretende Direktor und Richter Markus Nikol am Freitag von zum Teil beträchtlich steigenden Fallzahlen in den Bereichen Betreuungs- und Nachlasssachen.

Aber auch in der Grundbuchabteilung ist ein erheblich zunehmender Betrieb zu verzeichnen, was der regen Bautätigkeit im Landkreis geschuldet ist. Die EU-Zinspolitik und der Wunsch nach Werterhaltung entfalten auch im Landkreis Ebersberg ihre Wirkung, meinte Berg dazu sinngemäß.

Ebersberger Grundbuchamt nimmt 7,5 Millionen Euro ein

Nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet wäre wohl das Grundbuchamt die erfolgreichste Abteilung des Hauses. So eine Betrachtung ist zwar irreführend, weil etwa Strafverfahren oft Geld kosten, für die Gesellschaft aber trotzdem von großem Nutzen sind. Trotzdem kann festgestellt werden, dass durch das Grundbuchamt im Jahr 2019 Gebühren in Höhe von etwa 7,5 Millionen Euro erhoben wurden, denen der Einsatz von sieben Servicekräften und Rechtspflegern gegenübersteht. Jeder von ihnen hatte im Monat 181 Verfahren zu bearbeiten.

Strafverfahren gegen Jugendliche auf Vorjahresniveau

Insgesamt hat das Amtsgericht 60 Mitarbeiter, darunter acht Richter. Im Bereich der Zivilsachen werden ihnen hier monatlich etwas über 45 Fälle zugeteilt. Die durchschnittliche Verfahrensdauer betrug in 2019 dabei 4,2 Monate. Etwas länger dauert es mit 6,3 Monaten bei den Familiensachen, einem der wenigen Ressorts, in denen ein Rückgang der Verfahren zu verzeichnen war. Das gilt auch für die Straf- und Bußgeldsachen. Bei den Strafverfahren gegen Jugendliche verharrte die Zahl mit 280 in etwa auf Vorjahresniveau.

Bei dieser Verhandlung vor dem Amtsgericht Ebersberg war nur die Spitze des Eisbergs sichtbar. Es ging um nicht bezahlte Sozialversicherungsbeiträge und Geldwäsche.

Der Gerichtsvollzieher hat viel Arbeit

Nicht alle Bürger des Landkreises Ebersberg können mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Region Schritt halten. Hier zeige sich die „Kehrseite der Prosperität“, sagte Berg. Am Amtsgericht Ebersberg offenbarte sich das im Jahr 2019 in einer Zahl von 2900 eingegangenen Zwangsvollstreckungen, bei denen den Betroffenen der „Kuckuck“ auf das Mobiliar geklebt wurde. Das entspricht der Vorjahreszahl.

Anzüglichkeiten gegenüber dem Ebersberger Wachpersonal

Der Ton in der Gesellschaft ist rauer geworden. Das müssen nicht nur Polizeibeamte im Dienst erfahren, sondern auch der Wachtmeisterdienst am Amtsgericht, dem öfter eine „unangemessene Tonart“ entgegenschlägt, wie Nikol berichtet. „Wenngleich im Jahr 2019 keine Messer mehr sichergestellt werden mussten, ist eine erhöhte Verbalaggressivität im Rahmen der Eingangskontrolle zu verzeichnen“, teilt Nikol in seinem Jahresbericht mit. Auch Anzüglichkeiten gegenüber dem weiblichen Wachpersonal seien zu beklagen.

Wer ein Messer dabei hat, wird angezeigt

Jährlich werden etwa 6000 bis 7000 Eingangskontrollen durchgeführt, und wer dabei mit einem verbotenen Gegenstand oder einem Messer mit Führungsverbot erwischt wird, muss in jedem Fall mit einer Anzeige rechnen. Insbesondere seien bei Prozessen gegen sogenannte Reichsbürger erhöhte Sicherheitsmaßnahmen veranlasst worden, berichtet Nikol.

Das Amtsgericht Ebersberg ist zuständig für eine Fläche von fast 550 Quadratkilometern und etwa 125 000 Bürger. Mit seiner derzeitigen Mitarbeiterbesetzung kommt die Behörde zwar noch klar, wie deren Leiter Berg bestätigte. Allerdings sei die Personaldecke auf Kante genäht und angesichts der älter werdenden Bevölkerung blicke man mit Aufmerksamkeit auf einen Anstieg der Fallzahlen in den davon betroffenen Bereichen, wie etwa Betreuungs- oder Unterbringungsverfahren, die oft sehr zeitaufwändig seien.

Warten aufs Amtsgericht: „Wir lassen uns nicht unterkriegen!“

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