+
In der Villa Emilia am Volksfestplatz soll eine weitere Krippengruppe entstehen. 

Kein Platz in Kindergarten oder Hort

Betreuungs-Schock in Ebersberg: Über 50 Kinder gehen leer aus

So schlecht sah es für Ebersberger Familien seit vielen Jahren nicht mehr aus: Nach Grafing ist nun auch in der Kreisstadt der Betreuungsnotstand ausgebrochen.

Ebersberg – Mehr als 50 Kinder haben in Ebersberg ab Herbst keinen Platz in Kindergarten oder Krippe bekommen. Die Stadt versucht nun, zwei neue Gruppen zu schaffen und damit das Problem abzumildern.

Eine steigende Tendenz bei den Anmeldezahlen hat sich zwar in den vergangenen Jahren bereits abgezeichnet. Aber auf einen so sprunghaften Anstieg war man nicht vorbereitet. 149 Familien haben sich um einen Kindergartenplatz beworben, das sind 13 mehr als voriges Jahr. Im Krippenbereich ist der Anstieg noch deutlicher: Hier gab es 73 Bewerber, das sind 32 mehr als ein Jahr zuvor.

Puffer schnell aufgebraucht

Zwar wähnte Ebersberg sich mit freien Zusatzplätzen für einen Ansturm gerüstet, doch „der Puffer war relativ schnell aufgebraucht“, stellte SPD-Stadträtin Doris Rauscher in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses fest. 33 Kindergartenkinder haben eine Absage erhalten, für sie ist im kommenden Betreuungsjahr in keiner der sechs Ebersberger Einrichtungen Platz. Kinder aus Nachbarkommunen und solche herausgerechnet, die erst im Jahr 2020 drei Jahre alt werden, umfasst das Problem der Kreisstadt immer noch 17 Kinder.

Nun möchte die Stadt für einen Großteil dieser Kinder eine Notgruppe in Oberndorf einrichten. Im dortigen Schulhaus besteht bereits eine Kindergartengruppe mit 25 Plätzen. In einem Container, den die Stadt dort aufstellen lassen möchte, könnten 15 weitere Kinder aufgenommen werden. „Wir haben schon mit dem Träger, dem Einrichtungsverbund Steinhöring, gesprochen“, informierte Peter Hölzer vom städtischen Amt für Familie, „der wäre im Boot und hätte voraussichtlich auch Personal“. Das ist jedoch nur eine Interimslösung, denn das Oberndorfer Schulhaus soll Stück für Stück saniert und erweitert werden.

Neue Krippengruppe

Im Krippenbereich haben nach derzeitigem Stand 20 Kinder keinen Betreuungsplatz ergattert. Hier plant die Stadt, wieder mit dem Einrichtungsverbund Steinhöring als Träger, eine weitere Gruppe in der Villa Emilia am Volksfestplatz zu eröffnen. Diese ist bereits genehmigt. Das Haus ist für vier Gruppen ausgelegt, aktuell sind dort zwei Krippen- und eine Kindergartengruppe untergebracht.

Lesen Sie auch: „Der Beste für Ebersberg“

„Die Zahlen lassen aufhorchen“, sagte Alexander Gressierer (CSU). Er warnte vor einem weiteren sprunghaften Anstieg, wenn im nächsten Jahr der Staat nicht nur wie heuer neuerdings den Kindergartenbesuch, sondern auch den Krippenbesuch mit monatlich 100 Euro pro Kind bezuschussen sollte

Rauscher: Entwicklung genauer anschauen

Auch Rauscher plädierte dafür, die Kinderzahlentwicklung genauer anzuschauen: „Wir werden nächstes Jahr nicht vor einer anderen Situation stehen. Im Kindergartenbereich müssen wir ja dieses Jahr schon improvisieren.“ Eher mittelfristig denkt man laut Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU) an den bereits angedachten Kindergarten beim neuen Rotkreuzheim im Westen der Stadt. Seit Jahren hoffe man darauf, dass der Neubau des Kinderhauses St. Sebastian in Schwung komme. Dies ist Sache der katholischen Kirche. „Vom Ordinariat wissen wir immer noch nichts Neues“, bedauerte Brilmayer.

Auch interessant: Kindergartenbesuch wird erheblich teurer

Mit in die knappe Platzsituation hineinspielen würde vermutlich der neu eingeführte Einschulungskorridor, der es Eltern in Bayern vereinfacht, ihre Kinder erst später in die Schule zu geben, weshalb weniger Plätze für Jüngere frei wurden. Hölzer: „Das hat nochmal alles in Bewegung gebracht. Darum haben wir gewartet, bis die Schuleinschreibung vorbei ist. Die jetzigen Zahlen werden sich aber nicht mehr ändern.“

Uta Künkler

Lesen Sie auch: Landkreis Ebersberg: Kinderbetreuung als Belastung

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Volksfest Poing: Termin für 2020 steht
Der Termin fürs Volksfest Poing 2020 steht fest. Und auch, wie viel Geld die Gemeinde für 2019 ausgegeben hat.
Volksfest Poing: Termin für 2020 steht
Schon wieder rufen „falsche Polizisten“ an
Es hört nicht auf: Erneut wurden der Polizeiinspektion Poing Anrufe gemeldet von Betrügern, die sich als Polizisten ausgegeben haben. Die Anrufe erfolgten Dienstagabend.
Schon wieder rufen „falsche Polizisten“ an
Mit 160 km/h mitten durch den Ort
Markt Schwaben ist in Sorge, dass der Ausbau der Bahnstrecke München - Freilassing mit Folgen insbesondere für die eigenen Bürger verbunden ist.
Mit 160 km/h mitten durch den Ort
Kommunen in Sorge: Mehr Personal für digitale Schulen
Das digitale Klassenzimmer soll Schulen im Kreis Ebersberg zukunftsfähig machen. Der Staat fördert Investitionen, aber keine neuen Personalkosten. Es braucht IT-Betreuer.
Kommunen in Sorge: Mehr Personal für digitale Schulen

Kommentare