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Immer wieder finden sich Störstoffe im Kompost. Die Stadt Ebersberg muss Strafen zahlen.

Immer wieder Störstoffe im Kompost

Biomüll: Ebersberg kündigt scharfe Kontrollen an

Es klingt vielversprechend: Tüten aus so genanntem Bioplastik, die sich nach Gebrauch vollständig biologisch abbauen. Doch ausgerechnet diese scheinbar ökologisch bahnbrechende Erfindung führt unser Mülltrennsystem an seine Grenzen.

Ebersberg– Bioplastik baut sich in unseren Kompostieranlagen nämlich doch nicht ab. Als Müllbeutel für Biomüll verwendet, verursacht es nicht nur Ärger und Arbeit für die Kompostbauern, sondern auch saftige Kosten für die Gemeinden.

Gemeinden müssen Strafen zahlen

Die Stadt Ebersberg hat in der jüngsten Sitzung ihres Umweltausschusses nach Lösungen gesucht. Im laufenden Jahr mussten die Gemeinden im Landkreis Ebersberg insgesamt bereits mehr als 80 000 Euro Strafe für verunreinigten Biomüll zahlen. Das Problem spitzt sich zu: Innerhalb von drei Jahren haben sich diese Kosten etwa verdoppelt. Allein die Stadt Ebersberg hat von Januar bis September 2019 bereits knapp 10 000 Euro Strafe bei den Kompostbauern gezahlt.

Die Gebühren werden fällig, wenn der Störstoffanteil mehr als drei Prozent des Biomülls ausmacht. „Das entwickelt sich rasant“, sagte Agnes Gehrer von der Stadtverwaltung bei ihrem Vortrag. Schuld daran seien weniger die gleichgültigen Müllsünder, die ihren Restmüll achtlos in Biotonnen entsorgen. Vielmehr machten diejenigen den Hauptausschlag, die „in gutem Glauben“ Mülltüten aus Bioplastik kaufen und für ihre Küchenabfälle verwenden.

Bioplastiktüten werden nicht abgebaut

Bioplastik sei zum einen ein Problem, weil die Kompostbauern den Müll per Hand aussortieren und dabei in den Haufen Bioplastiktüten nicht von herkömmlichen unterscheiden können. Zum anderen stehe auf diesen Tüten zwar, dass sie nach EU-Norm kompostierbar sind. Aber: „In unseren Kompostieranlagen können sie sich nicht abbauen“, erklärte Gehrer.

Sie beklagte nicht nur die steigenden Entsorgungskosten, sondern auch das Umweltproblem: „Alles, was wir nicht raussortieren, landet zerhäckselt auf den Feldern und wird irgendwann zu bedenklichem Mikroplastik, das wir nicht mehr aus dem Kreislauf herausbekommen.“ 

Verstärkte Information

Das Thema in den Griff bekommen will man nun durch verstärkte Informationsarbeit. Auch will die Stadt zum wiederholten Mal die örtlichen Supermärkte bitten, augenscheinlich kompostierbare Bioplastiktüten aus ihrem Sortiment zu nehmen.

Brilmayer kündigt „drastische Maßnahmen“ an

Darüber hinaus, so Bürgermeister Walter Brilmayer (CSU), „wird uns nichts anderes übrig bleiben, als zu drastischeren Mitteln zu greifen“. Das bedeutet: Die Mitarbeiter der Müllabfuhr seien angehalten, in jede Tonne einen oder gerne auch mal zwei Blicke zu werfen. Auch Mitarbeiter der Stadt werden künftig Stichproben durchführen. Tonnen, in denen wiederholt und in größerer Menge Störstoffe gefunden werden, werden schlichtweg nicht geleert.

„Das ist unsere einzige Sanktionsmöglichkeit“, sagte Gehrer, die dafür Rückenwind von allen Ausschussmitgliedern bekam. Wer somit auf seinem Müll sitzen bleibt, kann die Biomülltonne entweder bis zur nächsten Abfuhr nachsortieren, den Tonneninhalt an der Schafweide beseitigen oder den Abfall in Restmüllsäcken (zu kaufen im Bürgerbüro) entsorgen. Die Ausschussmitglieder votierten außerdem einstimmig für Gehrers Vorschlag, verunreinigte Komposttonnen mit der folgenden Restmüllabfuhr abzuholen. Dafür muss der Anwohner allerdings einen Aufpreis zahlen und seine Tonne zuvor speziell kennzeichnen – ob mit einer Banderole oder ähnlichem wird im Rathaus nun geklärt.

Uta Künkler

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