Blick in die Coronastation der Kreisklinik Ebersberg: Eine Krankenschwester mit Einweg-Schutzkittel, Handschuhen und FFP2-Atemfiltermaske bereitet auf dem Flur vor einem Patientenzimmer Medikamente vor.
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Blick in die Coronastation der Kreisklinik Ebersberg: Eine Krankenschwester mit Einweg-Schutzkittel, Handschuhen und FFP2-Atemfiltermaske bereitet auf dem Flur vor einem Patientenzimmer Medikamente vor.

Exklusiver Einblick

Auf der Corona-Station in Ebersberg: Kreisklinik wappnet sich für Pandemie-Winter und wagt ersten Ausblick

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Die Kreisklinik Ebersberg rüstet sich für den ersten Winter in der Pandemie. Schon zum Wochenende rechnen die Mediziner mit steigenden Patientenzahlen. Doch es ist einiges anders als im Frühjahr. Ein Besuch auf der Coronastation.

Ebersberg – An der Glastür der Notaufnahme der Ebersberger Kreisklinik prangt ein Schild wie ein böses Omen. „Triage“ steht da in kühlem Blau, mit einem Richtungspfeil darunter. Das Wort geisterte im Frühjahr durch die Köpfe der Mediziner und der Menschen in der Region. Die Angst vor dem Kollaps der Kliniken wegen schwerer Coronavirus-Fälle ging um. Die Angst davor, dass Ärzte – auch in Ebersberg – entscheiden müssten, um welches Leben es sich noch zu kämpfen lohnt. Es kam anders. Das Schild hing schon lange vor Ausbruch der Pandemie an der Tür; weist schlicht den Weg zur Erstdiagnose eingelieferter Notfallpatienten.

Kreisklinik Ebersberg im Corona-Modus: Seit dem Wochenende gilt Stufe zwei des Pandemieplans

Die Sorge in den Köpfen der Ebersberger Mediziner hat längst einer gelassenen Wachsamkeit Platz gemacht. „Angst lähmt das Immunsystem“, sagt der Lungenspezialist Prof. Thomas Bernatik, Chefarzt in der Inneren Medizin und Herr über die Coronastation. Zum Wochenende hat die Kreisklinik dort aufgestockt – von 13 auf knapp 20 Betten. Es ist die zweite von drei Stufen ihres Pandemieplans. Die neue Virus-Welle macht sich an den steigenden Patientenzahlen bemerkbar. „Jetzt geht es los“, sagt Peter Kreissl, Ärztlicher Direktor des Krankenhauses.

Das Coronavirus hat etwas von seinem Schrecken eingebüßt - Trotzdem: Appell an die Vernunft der Bürger

Doch die Vorzeichen sind andere als im Frühjahr. Die Mediziner haben über die neue Krankheit Covid-19 viel dazugelernt. „Wir behandeln nicht mehr nur die Symptome“, sagt Corona-Spezialist Bernatik. Mittel wie Remdesivir oder das Kortison Dexamethason hätten sich bei schweren Fällen als hilfreich erwiesen. Dazu komme, dass das Coronavirus eine geringere Sterblichkeit aufweise, als ihm am Anfang zugeschrieben worden sei. Das gelte auch für die Ansteckungsgefahr: „Mit den richtigen Hygienemaßnahmen herrscht nahezu ein Null-Risiko“, sagt der Professor. Und Klinikdirektor Kreissl verweist auf die AHA-Regel – Abstand, Hygiene, Alltagsmaske. „Wenn die Leute da vernünftig wären, könnten wir uns viele Einschränkungen ersparen, die sehr schmerzhaft sind“, sagt der Arzt mit Blick auf den November-„Lockdown Light“.

Ab hier herrscht Durchgangsverbot: An der Tür zur Infektionsstation mit den Corona-Patienten stehen (v.li.) Stationsleiterin Darinka Sagi, Ärztlicher Direktor Dr. Peter Kreissl und Chefarzt Prof. Thomas Bernatik. 

Die Klinik nutze die vier Wochen als „Lernfrist“. Unklar sei noch, wie viele der nun positiv Getesteten – mittlerweile mehr als im Frühjahr – tatsächlich so krank werden, dass sie in stationäre Behandlung müssen. „Hellsehen kann keiner von uns“, sagt Bernatik. Die Ebersberger Spezialisten lassen durchblicken, dass sie sich für den Pandemiewinter gerüstet fühlen und sich derzeit nicht abzeichnet, dass die Lage in der Klinik außer Kontrolle gerät. Das Mantra für die Mediziner und ganz allgemein: Vernunft und Gelassenheit.

Coronastation Ebersberg: Die Schutzausrüstung wird bei jedem Gang ins Patientenzimmer gewechselt

Ein Blick in die Coronastation scheint das widerzuspiegeln: Desinfektionsduschen, Hygieneschleusen oder luftdichte Ganzkörper-Seuchenschutz-Monturen wie in seuchenapokalyptischen Hollywood-Filmen gibt es nicht. Es ist still auf dem Gang, die Beleuchtung gedimmt. Die Pfleger manövrieren Medikamente, Mahlzeiten und Krankenbetten umher. Auch aus der Pandemie hat sich ein Normalbetrieb ergeben. Nur eben mit FFP2-Schutzmasken, Einweg-Kitteln und blauen Wegwerf-Handschuhen. Damit weder das Coronavirus noch andere Keime auf der Station die Runde machen oder ihr gar entkommen, wechseln die Pfleger und Ärzte nach jedem Gang in ein Patientenzimmer die ganze Schutzausrüstung. „Für jede Tasse Tee“, sagt der Direktor.

Das geht einem sehr nahe.

Darinka Sagi, Stationsleiterin auf der Ebersberger Coronastation

Leiterin der Station 1a ist die Krankenschwester Darinka Sagi. Momentan, Stand Freitag, hat sie neun Corona-Patienten in ihrer Obhut. Dazu kommen neun Verdachtsfälle, die alle in Einzelzimmern untergebracht sind, bis Abstrich und Lungen-CT für Klarheit sorgen. „Es sind sehr komplexe Patienten“, hat Sagi beobachtet. Die allermeisten über 60 Jahre alt, viele haben noch andere gesundheitliche Probleme. Sie erinnert sich gut an die erste Patientin im März, eine Frau Anfang 60, die eigentlich ihren Mann in die Notaufnahme bringen wollte. Er konnte wieder nach Hause, die Frau rang schließlich sechs Wochen auf der Intensivstation um ihr Leben. „Das geht einem sehr nahe“, sagt die Schwester. „Zum Glück geht es der Frau jetzt wieder recht gut.“

Zwei weitere Patienten liegen mit schweren Fällen von Covid-19 auf der Ebersberger Intensivstation. Das bedeutet: Maschinelle Unterstützung bei jedem Atemzug erklärt Klinikdirektor Kreissl. Erst wenn es gar nicht mehr anders geht, wird intubiert. Dann atmet die Maschine vollständig für den Patienten, der in der Regel im künstlichen Koma liegt. Bei einem der beiden Intensivpatienten ist das derzeit der Fall. Kreissl sagt: „Diesen Druck von der Lunge versuchen wir solange wie möglich wegzuhalten.“

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