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Dieser Imbiss am Ebersberger Bahnhof war die Zielscheibe der Täter, die von der Richterin als „Mob“ bezeichnet wurden.

“Der Mob in unserer Gesellschaft“

Brutal auf Ausländer eingeprügelt: „Döner-Schläger“ empfinden das Urteil als zu hart

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Die Schläger, die 2015 einen Döner-Laden am Ebersberger Bahnhof überfallen und zwei Afghanen schwer verletzt hatten, sitzen erneut vor Gericht. Das ist der Grund.

Ebersberg– Die Vorsitzende Richterin Regina Holstein war in ihrem Urteil im August 2017 hart ins Gericht mit den sogenannten „Döner-Schlägern“ gegangen: „Das ist der Mob in unserer Gesellschaft“, sagte sie über die acht Männer aus dem Landkreis, die aus purer Ausländerfeindlichkeit in einem Döner-Laden in Ebersberg randaliert und zwei Afghanen zusammengeschlagen hatten. Drei Täter bekamen Haftstrafen.

Strafausspruch aufgehoben

Nun sitzen die acht Männer erneut auf der Anklagebank des Landgerichts München II. Denn der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat auf die Revision des Hauptangeklagten (37) hin den Strafausspruch im Juni 2018 aufgehoben. Die sonstigen Feststellungen aus dem Urteil von August 2017 bleiben aber bestehen. Das Gericht muss nun nur noch einmal neu darüber befinden, wie hoch die Strafen ausfallen sollen. Der Prozess wird somit nicht noch einmal komplett aufgerollt, sondern einzelne Punkte werden noch einmal neu rechtlich bewertet. Dabei geht es insbesondere um den Tatbestand der „Bildung bewaffneter Gruppen“.

Fall sorgte bundesweit für Aufsehen

Der Fall hatte im September 2015 über Ebersberg hinaus für Aufsehen gesorgt. Damals war die Flüchtlingskrise gerade aktuell. „Sie sind die, die einfach dem Volk hinterher laufen, das sich unwohl und zu kurz gekommen fühlt und seine Unzufriedenheit gegen Ausländer richtet“, sagte die Vorsitzende damals in ihrer Urteilsbegründung. Das sei „unreflektiert und dumm“ gewesen.

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Der Hauptangeklagte wurde zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt. Sein wichtigster Komplize (30) bekam zwei Jahre und vier Monate Haft. Ein neunfach vorbestrafter Helfer (30) wurde zu 14 Monaten Haft verurteilt. Drei Männer erhielten Bewährungsstrafen, zwei eine Geldstrafe.

Auf Aghanen eingeprügelt

Als die beiden Haupttäter am 25. September 2015 mit der S-Bahn vom Oktoberfest zurück nach Ebersberg fuhren, hetzten sie schon lautstark gegen Ausländer und wollten sich auf einen dunkelhäutigen Mann stürzen. Am Bahnhof ging es weiter. Das Duo schlug einem Mann mit ausländischen Wurzeln grundlos auf den Hinterkopf. Danach gingen sie in ihre WG und erzählten Freunden, dass sie von Ausländern angegriffen worden seien und sich rächen wollten.

Zu acht bewaffneten sie sich und zogen zum Imbiss am Bahnhof. Vier Täter stürmten wie eine Dampfwalze in den Laden und nahmen ihn auseinander. Der Haupttäter schlug mit einem Baseballschläger auf zwei Afghanen ein, zertrümmerte eine Glasvitrine und -tür. Die anderen vier warteten draußen und unterstützen die Schläger moralisch. Der Prozess dauert an.

Lesen Sie auch: Überfall auf Döner-Laden: Das Urteil ist gefallen

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