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Seit Ende der Eiszeit vor rund 10 000 Jahren entstanden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen großflächige Moore. Das auf dem Foto abgebildete hat der Ebersberger Unternehmer renaturiert.

Georg Reischl

Ebersberger Spediteur als Klimaschützer

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Georg Reischl, Spediteur aus Ebersberg, hat viel Geld in die Hand genommen, um etwas für Natur und Klimaschutz zu tun. Er renaturierte im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen ein Moor.

Ebersberg/Aschoolding – Der Name Georg Reischl ist in Ebersberg und Umgebung vielen ein Begriff. Sein großes Speditionsunternehmen brummt in jeder Hinsicht, für die CSU saß er zwölf Jahre im Stadtrat. Nur wenige wissen, dass der Geschäftsmann seine Wurzeln im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat.

Georg Reischl, Spediteur.

Als Enkel des Ascholdinger Landwirts Georg Bilgeri hat Reischl einst das Ascholdinger Filz geerbt, inklusive das damalige Torfwerk, und zwar von seiner Tante. Jetzt hat er das Moos in Abstimmung mit dem Landratsamt auf eigene Kosten vom Landschaftsarchitekturbüro Logo verde (Landshut) renaturieren lassen. „Geld mache ich keines und will auch keines machen“, erzählt er. Im Gegenteil: Reischl hat 300 000 Euro investiert. „Und hin und wieder kriege ich immer noch Rechnungen.“

Dass der Ebersberger sich zu diesem Schritt bereit erklärt hat, ist angesichts der Vorgeschichte durchaus erstaunlich. Das Landratsamt hatte das Torfwerk 1977 dicht gemacht, um das Gebiet unter Landschaftsschutz stellen zu können. Und das nur wenige Monate, nachdem der Jungunternehmer es geerbt hatte. Was folgte, war ein jahrelanger Rechtsstreit um eine angemessene Entschädigung durch alle Instanzen, bei dem der Ebersberger 1988 schlussendlich unterlag. „Ich bin ausgetrickst worden“, sagt er noch heute. Damals verlor er viel Geld und viel Vertrauen. „Danach habe ich eine Zeit lang nichts mehr gemacht.“ Sprich: Das Thema Filz war für ihn abgeschlossen. Immerhin gelang es ihm, die Abwicklung so zu gestalten, dass keiner der 14 Mitarbeiter ihm böse war. Darüber ist er heute noch froh.

Filz wieder unter Wasser gesetzt

Dennoch besaß Reischl die Größe, sich vor einigen Jahren vom Sinn einer Renaturierung des 16,5 Hektar großen Areals überzeugen zu lassen. Das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, an das er eigentlich keine guten Erinnerungen hatte, sowie Ralph Kulak von Logo verde redeten ihm gut zu, das Filz, das für den Torfabbau trocken gelegt werden musste, wieder unter Wasser zu setzen. 

Denn: Ein trockenes Filz setzt große Mengen an Kohlenstoffdioxid frei, ein wiedervernässtes Filz bindet es. Das wurde kürzlich wieder deutlich, als Umweltminister Thorsten Glauber das im Norden angrenzende Eglinger Moor besuchte. „Moorschutz ist Klimaschutz“, sagte der. Minister. Das gilt natürlich auch für das nahe Ascholdinger Filz.

Stolz auf das fertige Werk

Ralph Kulak vom Landschaftsarchitekturbüro Logo verde blickt nach fünf Jahren Arbeit mit Stolz auf das fertige Werk. „Das war planerisch und technisch durchaus anspruchsvoll“, sagte er. „Das Areal war praktisch ganz zugewuchert.“ Fichten und Kiefern hatten sich breit gemacht, die Torfmoose hatten es schwer, sich durchzusetzen. Landschaftsarchitekt Johannes Kühne (Egling) und die Firma Maxl (Höhenrain) mussten ganze Arbeit leisten. 

40 Prozent des Moorwaldes erhalten

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. 40 Prozent des Moorwaldes sind erhalten worden. Die Entwässerungsgräben des alten Torfwerk wurden verfüllt, bestehende Vorfluter umverlegt. Außerdem musste sichergestellt werden, dass kein Hangwasser ins renaturierte Moos fließt, denn Kalk ist schädlich. Also wurden Leitungen verlegt, das Hangwasser fließt jetzt um das Gelände herum. Die Tier- und Pflanzenwelt richtet sich allmählich in dem wiederhergestellten Biotop ein. „Der Biber ist schon wieder fleißig am Werk“, erzählt Kulak.

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Georg Reischl besucht Ascholding nicht oft, vielleicht einmal im Jahr. „Mir fehlt die Zeit“, sagt er. So oder so: Er hat seinen Frieden mit dem Erbe des Großvaters gemacht. Und die Umwelt profitiert auch noch davon.

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