Mitten in Ebersberg: Wohnhaus steht in Flammen - Großeinsatz läuft

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Der Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer warnte bei seiner letzten Feuerrede vor übertriebenem Sicherheitswahn.

Ebersberger Bürgermeister Walter Brilmayer hält seine letzte Feuerrede

Menschenrecht auf Risiko - anstatt Sicherheitswahnsinn

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Er lässt seine Mitmenschen gerne an seinen Gedanken teilhaben – und die Ebersberger hören ihm auch gerne zu. Diesmal ging es ihm um den Sicherheitswahn der Gesellschaft.

Ebersberg – Bürgermeister Walter Brilmayer ist eher ein Mann der leisen Töne, und dieser Linie blieb er auch bei der diesjährigen Feuerrede treu. Es war seine letzte als Rathauschef, bevor er im kommenden März nach der Kommunalwahl in Ruhestand gehen wird.

Mit Schirmen gut vorbereitet

Traditionell fanden sich die Kreisstadtbürger auf der Ludwigshöhe ein, um gemeinsam Sonnwend zu feiern. Sie trotzten dabei dem einsetzenden Regen und waren mit Schirmen auf den Segen von oben gut vorbereitet. Brilmayer freute sich über dieses Durchhaltevermögen, wollte er doch ein paar „grundsätzliche Gedanken“ an seine Mitbürger richten. Er begann seine Rede mit einem Zitat des Schriftstellers Erich Kästner: „Seien wir ehrlich: Leben ist immer lebensgefährlich.“ Es ging ihm dabei „um das Spannungsfeld zwischen Sicherheit, persönlicher Freiheit und dem Recht auf Risiko – ein Recht, das der Staat den Bürgern nach und nach nicht mehr zugestehen will.

Es gelten hohe Sicherheitsstandards

Die Ebersberger Bürger trotzten unter großen Schirmen bei der Sonnwendfeier dem einsetzenden Regen.

„Was die Sicherheit anbetrifft, ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten Vieles geschehen. Denken wir an die verschiedenen Schutzgüter wie zum Beispiel Brandschutz, Datenschutz, Arbeitsschutz, Hochwasserschutz, Nichtraucherschutz, Mutterschutz, Strahlenschutz, Mieterschutz, Kündigungsschutz und vieles andere mehr.“ Das alles, so der Ebersberger Bürgermeister, seien berechtigte Schutzgüter, und es sei richtig, wenn dort hohe Sicherheitsstandards gelten.

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Viele übertriebene Vorschriften

„Oft artet Sicherheitsdenken aber auch in eine Art Sicherheitswahn aus“, warnte Brilmayer. „Übertriebene Sicherheitsvorschriften schränken unsere persönliche Freiheit ein, verkleinern und verringern unsere Spielräume. Dabei meine ich gar nicht nur die Kontrollen an den Grenzen oder was die innere Sicherheit betrifft. Ich meine unseren Alltag, ich meine das ganz normale Leben.“ Der Bürgermeister nannte Beispiele: Schüler dürften in der Pause auf dem Schulhof nicht mehr laufen, sie könnten ja stürzen. Kinder bräuchten, wenn sie in den Wald gehen, eine Betreuungs- und Aufsichtsperson, es könnte ja sonst was passieren. „Erwachsene brauchen und bekommen für jeden Pipifax eine Vorschrift oder einen Warnhinweis, weil sie nicht mehr in der Lage sind, Gefahren selbst einzuschätzen und ihnen mit angemessenen Mitteln zu begegnen. Auf diese Art schränken wir unsere persönliche Freiheit immer stärker ein.“

Zur Freiheit gehört das Risiko

Zur Freiheit des Menschen gehöre aber auch das Recht auf Risiko, „ich möchte sogar sagen das Menschenrecht auf Risiko“, meinte Brilmayer. Jeder müsse doch frei entscheiden können, welche Risiken er in Kauf nehmen wolle und könne. Zum Beispiel beim Sport oder in der Freizeit, genauso im Privatleben oder im Beruf. Deshalb sei es wichtig, immer gründlich abzuwägen zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit und dem Bedürfnis nach persönlicher Freiheit. „Die Verhältnismäßigkeit muss passen.“ Und da liege seiner Meinung nach viel im Argen, ausgelöst durch übertriebenen Sicherheitswahn und anerzogene Ängstlichkeit.

Milliarden Kosten verursacht

Natürlich seien im Lebensmittelbereich die Vorschriften einzuhalten und zwar in allen Betrieben, bei jedem Metzger und Bäcker zum Beispiel. Aber umso mehr Bürokratismus, Dokumentationspflichten und sonstige Einschränkungen vorgegeben würden, umso mehr kleine Betriebe würden vom Markt verschwinden, weil sie die hohen Standards vor allem bürokratischer Art oft überhaupt nicht mehr erfüllen können. Ebenso sei es beim „Sicherheitswahnsinn bei der Legionellenbekämpfung“ in unseren Wassersystemen. „Hier werden Milliarden Kosten verursacht und gewaltige Energiemengen zum Aufheizen der Systeme verbraten. Die Frage nach der Verhältnismäßigkeit wäre dringend erforderlich“, so Brilmayer weiter.

Da ist viel Unsinniges dabei

Beim Wohnungsmarkt sei es das Gleiche. Die Baupreise und die Mieten würden auch deshalb so ansteigen, weil immer mehr Sicherheitsvorschriften am Bau einzuhalten seien. Im statischen Bereich, im energetischen Bereich und im Hochwasserschutz. „Da ist überall viel Sinnvolles dabei, aber auch Unsinniges, Übertriebenes, Unverhältnismäßiges.“ Neulich, so der Bürgermeister, sei er allen Ernstes gefragt worden, „ob wir nicht den Klostersee, also den ganzen See einzäunen könnten, dann könne niemand mehr hineinfallen und ertrinken. Das sind jetzt langsam die extremsten Auswüchse, die uns Bürgern jedes eigene Denken, jedes Gefahrenbewusstsein und damit jede Verantwortung absprechen. Bedenken wir also bei der Einführung neuer Sicherheitsmaßnahmen auch die Auswirkungen auf unser freies Handeln, auf unser Recht auf Risiko.“

Tagung der Bayerischen Bergwacht

Interessant sei in diesem Zusammenhang eine Tagung der bayerischen Bergwacht gewesen, bei der es um die steigende Zahl der Bergunfälle ging. Die vielen Unfälle kämen zum einen daher, dass immer mehr Leute ihre Freizeit im Gebirge verbringen, die Unfälle kämen aber auch daher, dass die Menschen die Fähigkeit verlieren, Gefahren selbst einzuschätzen, Gefahren richtig einzuschätzen und mit ihnen dann auch entsprechend umzugehen. „Es braucht uns jedenfalls nicht zu wundern, dass dieses Einschätzungsvermögen verloren geht, wenn wir von Kindesbeinen an wie unter einer Glasglocke behütet werden“, warnte Brilmayer. „Alle Gefahren werden wir nie ausschließen können, denn seien wir ehrlich, Leben ist immer lebensgefährlich.“ Brilmayers herzlicher Dank galt zum Schluss seiner nachdenklichen Rede „all denen, die sich ehrenamtlich eingebracht haben und an der Versammlung selber mitwirken, den Böllerschützen, dem Trachtenverein, dem Spielmannszug, den Jagdhornbläsern des Spielmannszugs, dem Sänger- und Orchesterverein, der Freiwilligen Feuerwehr, den Fahnenabordnungen und Alexander Gressierer, der für den Ablauf dieser Veranstaltung verantwortlich ist. „Uns allen wünsche ich noch einen fröhlichen und ausgelassenen Abend. Kaff ma uns no a Maß“, lud der Rathauschef zum Verweilen ein.

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