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Die Hütchen müssen stehen bleiben: Slalom fahren auf dem Gelände der Straßenmeisterein in Ebersberg.

Fahrertraining Ü50

EZ-Redakteur (56) wiederholt Führscheinprüfung und fällt durch

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Robert Langer  ist 56 Jahre alt. Seine Führerscheinprüfung liegt lange zurück. Jetzt hat sie der Redakteur der Ebersberger Zeitung wiederholt - freiwillig und nach einem Fahrertraining. Wie es ihm ergangen ist.

Ebersberg – Fahrertraining: Slalom fahren mit dem Auto vorwärts und rückwärts, Bremsen auf nasser Fahrbahn, Einparken, Theorie und eine Art praktische Prüfung. Kann ich doch alles! Dachte ich.

Eines gleich vorneweg: Ich bin durchgefallen. Das sagt Fahrlehrer Werner Schmidt, Leiter einer Ebersberger Fahrschule, bei der Nachbesprechung. Meine Fahrweise war größtenteils in Ordnung, aber ich war in der verkehrsberuhigten Zone hinter dem Tor des Ebersberger Marienplatzes, dort wo im Fasching der Kasperl hängt, hinauf in die Ignaz-Pernauer- Straße, zu schnell unterwegs. Nicht gerast, aber eben zu schnell. Auswirkungen hat das zunächst glücklicherweise nicht, alles nur ein Test. Die Folge ist aber ein intensives Nachdenken.

Schon lange keine Strafe mehr

Ich bin jetzt 56 Jahre alt, meine Führerscheinprüfung liegt schon einige Zeit zurück. Ich bringe als Lokalredakteur der Ebersberger Zeitung monatlich einige Kilometer auf den Tacho, immer quer und längs durch den Landkreis. Strafzettel musste ich seit ewigen Zeiten nicht mehr bezahlen, auch nicht am berühmten Spannleitenberg bei Kirchseeon. Da wird oft geblitzt. Unterwegs bin ich da täglich. Vielleicht Glück, vielleicht hat mich auch meine grundsätzlich vorsichtige, defensive Fahrweise davor bewahrt. Aber ich wollte es nochmals wissen und habe mich für das Programm „Fit im Pkw – Fahrtraining für erfahrene Verkehrsteilnehmer 50+“ der Kreisverkehrswacht angemeldet. Also meine richtige Altersgruppe.

Erfahren, nicht alt

„Erfahren“ betont Bernhard Schweida, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht und Polizeibeamter in der Inspektion Ebersberg, bei der Begrüßung. Ganz bewusst sagt er nicht „alt“. Brezen und Kaffee stehen auf dem Tisch im Besprechungsraum der Straßenmeisterei Ebersberg. Draußen das Trainingsgelände mit zwei großen Parkplätzen, von der Höhe her etwas versetzt. Die Gruppe besteht aus mehr Männern als Frauen, alle zwischen Mitte 50 und über 80. Zusammen rund ein Dutzend. Die Älteren sind in der Überzahl und tatsächlich „erfahren“. Ruth Halpin (75) ist beispielsweise schon das dritte Mal dabei. „Es macht einfach Spaß“, sagt sie. Und dazu lernen kann man immer.

Wer blinkt im Kreisel?

Neben dem Kaffee gleich mal Theorie: Wer blinkt wann und wie im Kreisel? Nach der Erklärung klingt alles ganz logisch. Nach kurzer Überlegung ist auch klar: Keine Flip-Flops am Gaspedal und natürlich auch keine High-Heels. „Lieber als Fahrerin für den großen Abend zwei Paar Schuhe mitnehmen“, sagt Schweida. Alkohol ist auch ein Punkt. Die unterschiedlichen Grenzen können verwirren. 0,3, 0,5, früher 0,8, oder 1,1. Geht noch ein Leichtes? Lieber nicht rechnen und null Promille. Wie war das mit den Warnwesten in Deutschland und im europäischen Ausland? Oder die Rettungsgasse? Welche Spur? An machen Punkten wir diskutiert.

Anschließend: Die Gruppen werden für den ersten Praxispart aufgeteilt. Zunächst Überprüfung am eigenen Auto: Sitzeinstellung, Sicherheitsgurt, Spiegel. Dann geht es los. Mit Pylonen wird eine Verengung der Fahrbahn simuliert, so wie es bei Baustellen auf der Autobahn immer wieder vorkommt. Ich bin im eigenen Auto unterwegs. Geht doch ganz gut. Nichts umgeworfen, die enge Durchfahrt ebenfalls richtig angepeilt, geschafft und dies auch bei höherer Geschwindigkeit in den nächsten Versuchen.

Voll in die Eisen

Im zweiten Parcours ist die Übung Ausweichen. Anfahren, rum um die Kurve. Klappt. Alle orange-weißen Hütchen bleiben stehen. Nächster Punkt: Bremsen. Die Fahrbahn wird mit einem Wasserschlauch nass gemacht. Der Haltepunkt ist mit einem Warndreieck markiert. Also die leicht schräge Anfahrt runter, zweiter Gang, Gas geben und dann voll in die Eisen. Ich stehe. Hat gepasst.

Bernhard Schweida ist nicht so zufrieden. Zu langsam für diese Aufgabe. Wir wechseln die Plätze. Schweida hat noch kurz kontrolliert, ob auch wirklich nichts durch das Autoinnere fliegen kann, setzt sich ans Steuer. Dann geht es los. Richtig beschleunigen, intensiv in die Eisen, knirschende Geräusche, stehen. Ich hänge im Sicherheitsgurt, alles ok. Das Auto pumpt. „Die Angst vor der Bremse nehmen“, nennt Schweida das. Gut, er hat es besser gemacht.

Slalom fahren

Weiter geht es auf dem oberen Parkplatz. Slalom fahren. Vorwärts sowieso kein Problem, auch wenn es etwas schneller sein soll. Wie beim Skifahren. Stange anvisieren, anschneiden und rum, aber die Stange soll stehen bleiben. Rückwärts ist das etwas schwieriger. Geübt wird nämlich, sich nur mit den Spiegeln zu orientieren. Immer wieder muss ich eine Kopfdrehung unterdrücken. Es geht – nicht schön, nicht schnell, etwas weit von den Standen weg, aber ganz passabel.

Letzte Aufgabe in diesem Teilbereich des Trainings: Rückwärts einparken. Dazu ist ein Gerüst aus gelben Plastik-Stangen aufgebaut, ein Rechteck, eine enge Lücke. Was mich selbst überrascht: Schon der erste Versuch passt. Jetzt noch der Test mit den elektronischen Abstandsanzeigern im Auto, rückwärts. Langsam. Blink, piep, Blink, piep, gelbes Licht, rotes Licht, piep, piep noch ein paar Zentimeter, jetzt fällt die Plastikstange um. In der Realität hätte ich ein Auto angefahren. Aber nach diesem Test weiß ich, wie viel Platz ich noch habe, wenn die Sensoren rot anzeigen. Viel ist es nicht. Als ich meinen Führerschein gemacht habe, war die Technik noch nicht so weit.

Dann kommt die Prüfung

Höhepunkt des Trainings: Einsteigen ins Fahrschulauto. Wir sind zu viert: Drei „Prüflinge“ und der Fahrlehrer. Lockere Atmosphäre. Raus aus Ebersberg Richtung Grafing. „Dort gibt es viele Besonderheiten“, sagt Fahrlehrer Werner Schmidt, der wie üblich vorne rechts sitzt. Klare Ansagen dazwischen, aber alles in einem ruhigen Ton. „Wir müssen nicht mit dem Verkehr mitschwimmen“, sagt der Experte. Selbst auf die Vorgaben, auf die Schilder achten, eigenes Tempo. Die Erfahrung: Wir sind alle manchmal etwas zu schnell.

Beim Fahrerwechsel dann die Frage: „Wie haben Sie sich gefühlt?“ Naja. Wie soll man sich schon fühlen als einer, der sonst selbst fährt, jetzt als Mitfahrer auf der Rückbank sitzt. Dennoch bekommen wir alle eine relativ positive Beurteilung. So ging es auch Ex-Landrat Hans Vollhardt, der in einer anderen Gruppe unterwegs war. „Der Fahrlehrer war sehr einfühlsam.“ Man sei an vieles erinnert worden, „das einem nicht ganz so geläufig war“, meint er. Ziel für die Zukunft: mehr Zeit nehmen und noch defensiver fahren.

Verkehr wird noch dichter

So sah dies auch Bernhard Schweida bei der Abschlussbesprechung. Der Verkehr werde in Zukunft dichter werden und damit auch langsamer, so seine Zukunftsaussicht. Zusatzschulungen werden da wohl immer wichtiger. Das Programm gibt es jetzt seit drei Jahren, so Schweida. Erwachsene Kinder schickten oft ihre Eltern. Frauen kämen nach der Familienpause als „40 Jahre unfallfreie Beifahrerin“, um sich wieder ans Steuer zu gewöhnen. Kurse gibt es von der Verkehrswacht übrigen auch für wiedereinsteigende Motorradfahrer nach der Familienpause oder Aktive auf Pedelecs. Ach ja, dann noch die Frage, welche Autofahrer die besseren sind, die alten oder die jungen. „Kommt auf die Statistik an, die man nutzt“, so der Polizeibeamte Schweida diplomatisch. Sagen könne man jedoch, dass Älter wohl mehr Unfälle verursachte, die Jüngere aber die schwerwiegenderen.

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Ich habe auch einiges gelernt. Das mit der erhöhten Geschwindigkeit in der verkehrsberuhigte Zone hat mich verwirrt. Ich wohne selbst in einen solchen Gebiet und dachte immer, ich fahre sowieso schon langsam. Stimmte wohl nicht ganz. Schrittgeschwindigkeit ist vorgeschrieben, Trick vom Fahrlehrer: erster Gang, Fuß vom Gans, Fuß von der Kupplung. Was das Auto dann mit Standgas rollt, passt.

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Prädikat für den Kurs: besonders wertvoll. Sollte eigentlich jeder machen. Kosten: Eigenanteil 40 Euro für fast einen Tag. Eintragen kann man sich in die Liste für das kommende Jahr bereits jetzt. Die Termine werden zum Jahreswechsel im Internet bekannt gegeben, wie auch andere Angebote der Kreisverkehrswacht.

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