Amtsgericht Ebersberg
+
Vor dem Amtsgericht Ebersberg wurde der 21-jährige Mann aus dem Landkreis freigesprochen.

21-Jähriger stand wegen Vergewaltigung vor Gericht

Freispruch im Eisbären-Prozess: Richter sieht zu viele Widersprüche

  • Robert Langer
    vonRobert Langer
    schließen

Freispruch für einen 21-jährigen Mann aus dem südlichen Landkreis Ebersberg. Er war wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt und stand vor dem Amtsgericht.

Ebersberg – Was sich vor zwei Jahren genau vor der der Stadthalle in Grafing abgespielt hat, könne nicht aufgeklärt werden, sagte Richter Markus Nikol in seiner Urteilsbegründung. Es stehe Aussage gegen Aussage. Es gab keine weiteren Zeugen des angeklagten Tathergangs. Widersprüche hätten nicht aufgehoben werden können und seien geblieben, so der Richter. Gemeint waren damit auch Aussagen des vermeintlichen Opfers, eines damals 15-jährigen Mädchens. Die Jugendliche hatte vor Gericht ausgesagt – unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Schon zuvor war ein Video einer Vernehmung im Gerichtssaal abgespielt worden.

Foto vom Opfer taucht nicht auf

Das Mädchen war zusammen mit seinen Eltern und seiner älteren Schwester auf einem Faschingsball in Grafing. Die damals 15-Jährige soll zusammen mit dem Angeklagten nach draußen gegangen sein, um zu rauchen. Der Angeklagte soll sie bedrängt haben. Es soll laut Anklage zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Und auch von einem Foto von den nackten Brüsten des Mädchens, gemacht vom Angeklagten, war die Rede. Dieses Foto ist jedoch nicht aufgetaucht. Schließlich soll es noch ein zweites Treffen außerhalb der Stadthalle gegeben haben, bei dem es zur Vergewaltigung gekommen sein soll.

Der Prozess hatte sich über drei Verhandlungstage erstreckt. Eine wichtige Rolle spielte dabei ein Eisbärenkostüm, das der junge Mann in dieser Nacht getragen hatte. Dieses hatte der Angeklagte auch in der Verhandlung an- und wieder ausgezogen. Dabei wurde klar, dass der Reißverschluss von oben nur bis zum Nabel ging und nicht bis zu den Oberschenkeln. Zudem habe das Kostüm keinerlei Verschmutzungen aufgewiesen.

Der Verteidiger des jungen Mann wies auf das Eisbärenkostüm hin und sprach von widersprüchlichen Schilderungen des Mädchens, die er detailliert auflistete. Auch der angenommene Zeitablauf passe nicht.

Angeklagter war erheblich alkoholisiert

Der junge Mann, der aus einem einem intakten Umfeld komme. sei bereits bei seiner Ankunft in der Stadthalle erheblich alkoholisiert gewesen. Das habe sich im Laufe des Abend noch zugenommen. Der Angeklagte selbst hatte dies beteuert und betont: „Ich kann mir nicht vorstellen, so eine Tat zu begehen.“

Auch die Staatsanwältin sprach von „Aussage gegen Aussage“, betonte aber, dass sie das Mädchen nicht für unglaubwürdig halte. Die Vertreterin der Nebenklage wies darauf hin, dass die Aussage des Mädchens konstant geblieben sei. Sie sei glaubwürdig.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare